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"In New York ist Keramik das neue Yoga"

MedienKulturHaus Wels: Neue Pläne und eine Feier zum 15-jährigen Bestehen.

"In New York ist Keramik das neue Yoga"

Auf den Stufen im MedienKulturHaus: Schuld, Schermann und Mayer. Bild: jule

"Wir leben in einer ganz speziellen Zeit. Viele schauen gar nicht mehr, wo sie hingehen, sondern nur noch aufs Handy", sagt Günter Mayer, Geschäftsführer des MedienKulturHauses Wels. Selbst abwegige Informationen würden ungeprüft übernommen und weiterverbreitet. "Da sehen wir uns gefragt, anzuregen, anders zu denken, Sachen zu hinterfragen und zu sensibilisieren", sagt Mayer.

Heute Abend feiert das Kulturzentrum sein 15-jähriges Bestehen. Bevor das ehemalige Sparkassengebäude an der Pollheimerstraße seiner neuen Bestimmung zugeführt wurde, habe Wels auf jeden Fall etwas gefehlt, davon ist MKH-Mitarbeiter Harald Schermann überzeugt: "Fußballvereine und Sportmöglichkeiten gibt es in jedem Dorf. Aber wenn jemand am künstlerischen Bereich andocken will, schaut das ganz anders aus."

Von drei bis 83 Jahren

Von Kindergartenkindern, die sich medial ausprobieren können, bis hin zu Senioren, die den Umgang mit Internet und Smartphone erlernen – Vermittlungsprogramme, Sommer-Workshops, Ausstellungen in der Galerie der Stadt Wels, das JugendMedienFestival Youki, das Programmkino und die Gastronomiebetriebe Sazio und Sonis Extrazimmer locken pro Jahr bis zu 50.000 Besucher an.

"Ein Experimentierfeld und ein Probierraum mit Medien und dann noch so viel mehr" ist das MKH für Boris Schuld, der die Jugend- und Medienarbeit konzipiert. In den Sommerprojekten leitet er die Teilnehmer an, "über ein größeres Thema im persönlichen Nahraum nachzudenken" und das medial zu verarbeiten. Von Drehbuch über Maske und Kamera bis hin zur Post-Produktion probieren sich die Jugendlichen in allen Bereichen aus. Wie heuer unter dem Titel "Zeitverschiebung" die Vergangenheit und Zukunft von Wels aus jugendlicher Sicht ausschaut, ist ab 19.30 Uhr zu sehen. "In den letzten zehn Jahren hat sich nicht nur die Technik geändert, die Jugendlichen lernen auch schnell, die Bilder einzufordern, die sie immer sehen", sagt Schuld. Sonst habe er im Laufe der Jahre erstaunlich wenig Unterschiede bemerkt: "Diesen Jugend-Pessimismus, dass da nur noch Smartphone-Zombies herumlaufen, kann ich nicht nachvollziehen."

Viele, die jetzt die österreichische Kulturszene mitbestimmen, haben im MKH ihre ersten Berührungen mit Kunst gehabt. Peter Schernhuber blieb auch nach seiner Zeit als Schüler in Wels dem MedienKulturHaus verbunden, vom Leiter des Jugendmedienfestivals Youki stieg er gemeinsam mit seinem Kollegen Sebastian Höglinger zum Leiter des Festivals des österreichischen Films, der Diagonale, auf.

Der erfolgreiche Experimentalfilmer Siegfried A. Fruhauf werkte als Zivildiener im MedienKulturHaus, Lukas Weiss, ebenfalls ehemaliger MKH-Zivi, verdingt sich mittlerweile als Schauspieler auf Theaterbühnen und im TV.

Ständig mit der Zeit gehen und doch so bleiben wie bisher soll das Medienkulturhaus künftig. Mayers Vision für die Zukunft: "Es ist wichtig, dass wir in der Stadt weiterhin als Anlaufstelle, vor allem auch für Jugendliche wahrgenommen werden, uns aber auch als Institution weiterentwickeln." Konkret geplant sei ein Keramikstudio – Handwerk als Gegenpol zum Smartphone-Wischen. Immerhin: "In New York ist Keramik schon das neue Yoga."

Info: "Open Mkh!18 – und Geburtstagsfest… wir sind 15!" heute, ab 19.30 Uhr, MedienKulturHaus Wels

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Artikel Julia Evers 12. Oktober 2018 - 00:04 Uhr
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