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"Ich bin halt ein alter Frischling"

Stefan Waghubinger gewann den 20. Freistädter Kabarett- und Kleinkunstwettbewerb.

Stefan Waghubinger

Stefan Waghubinger arbeitet derzeit an seinem zweiten Programm. Bild: beli

Nach zwei Abenden und vier Künstlern im Freistädter Salzhof waren sich am Samstag Publikum und Jury einig: Der in Steyr geborene, in Leonstein aufgewachsene und in Stuttgart lebende Stefan Waghubinger ist der Gewinner des 20. Kabarett- und Kleinkunstwettbewerbs "Frischling" und wird mit einem von der Arbeiterkammer in Linz organisierten Auftritt belohnt. Die OÖNachrichten sprachen mit dem Preisträger.

 

OÖNachrichten: Für einen Frischling sind Sie altersmäßig schon sehr fortgeschritten.

Stefan Waghubinger: Ich bin 47, und mein erstes Programm spiele ich erst seit drei Jahren. So gesehen bin ich halt ein alter Frischling.

Was hat Sie so spät berufen?

Schon als Jugendlicher wollte ich das gerne machen, habe aber erst spät den Mut dafür gefunden. Mit 42 habe ich mir gedacht, wenn ich jetzt nicht anfange, dann mach’ ich es nimmer. Dadurch hatte ich mehr Druck als ein Junger, andererseits aber auch mehr erlebt. Das Kabarett-Publikum ist in meinem Alter oder älter, da hat man es leichter, wenn man als Mensch fertig wirkt, Ziele und Hoffnungen gehabt hat, die sich nicht erfüllten. Das ist auch ein bisschen meine Rolle: der Typ, der das Scheitern an den hohen Ansprüchen zeigt, die man an sich und die Gesellschaft stellt.

Was haben Sie davor gemacht?

Erst war ich Großhandelskaufmann, dann hab’ ich Theologie studiert und in der Jugendhilfe 16 Jahre lang in Stuttgart mit schwer erziehbaren Jugendlichen gearbeitet. Humor ist da hilfreich. Und seit 15 Jahren mache ich Cartoons für Zeitungen.

Warum haben Sie Oberösterreich verlassen?

Ich bin in Leonstein aufgewachsen und wollte einfach weg. Das Theologie-Studium hat mich dann nach Deutschland geführt.

Wieso ausgerechnet Theologie?

Wahrscheinlich weil ich wegen des Weggehens so ein schlechtes Gewissen hatte. Ausreißen oder eine Weltreise hätte ich mich nicht getraut. Die Theologie war wie eine moralische Rechtfertigung für meine Rebellion.

War es eine Option, Pfarrer zu werden?

Das war der Plan. Oder Missionar. Dafür habe ich extra Spanisch gelernt. Und als ich fertig war, habe ich gemerkt, ich glaube es eigentlich gar nicht. Und ohne Glauben sollte man das nicht machen.

Helfen Preise wie der Goldene Stuttgarter Besen, das Schwarze Schaf vom Niederrhein oder der Freistädter Frischling?

Auf jeden Fall. Wenn man so spät anfängt, dann hat man das Problem, dass man wie einer ausschaut, der schon 20 Jahre spielt, aber unbekannt ist. Dann denkt man, das kann nichts sein, denn sonst würde man ihn ja kennen. Preise erhöhen die Aufmerksamkeit und öffnen die Häuser.

Was wird das zweite Programm bringen?

Es wird "Außergewöhnliche Belastungen" heißen, so wie im Steuerformular. Da spiele ich einen Kabarettisten, der das ultimative Programm schreiben sollte, in dem er endlich das ganze Leben, die Welt und den Sinn von allem erklärt. Aber dazu ist er nicht gekommen, weil er seine Steuererklärung machen muss. Nach zwei Stunden hat er kein einziges Kastl ausgefüllt, aber Geschichten und Gedanken erzählt. Im ersten Programm habe ich viel auf Nonsens gebaut, auf absurde Gedankenketten. Im nächsten wird die Figur ernsthafter, da versuche ich das Lachen durch das Wiedererkennen des wirklichen Lebens zu erreichen.

Österreich-Premiere von Waghubingers zweitem Programm "Außergewöhnliche Belastungen" am 21. und 22. November im AKKU in Steyr

 

Kurz-Kritik von Berhard Lichtenberger

Vier Kandidaten ritterten in Freistadt um den „Frischling“.

Stefan Waghubinger

Der gebürtige Steyrer wirft im Programm „Langsam werd’ ich ungemütlich“ seine Gedankenangel weit aus und zieht schmunzellos grandiose Absurditäten an Land, vom Nahtoderlebnis beim Zahnarzt bis zum biblischen Sündenfall, der bei den Chinesen nicht passiert wäre, „weil die hätten die Schlange gefressen“.

Bernhard Wagner

Der junge Mühlviertler hudelt durch die von Haderscher Theatralik begleiteten Geschichten von fleischfressenden Rehen, taufgeilen Pfarrern und Schwammerlhexen. Ein Talent, dass Wirres entwirren muss.

Hans

Der musikalische Wahnsinn erblüht aus Querflöte, Melodika und Live-Samples. Anna Anderluh und Helgard Saminger spießen u. a. sexistische Klischees auf. Aber zu oft zelebrieren sie die eigene Dekonstruktion.

Franz Mario Prosch

Dem Tiroler Liedermacher auf den Spuren von Fredl Fesl mangelt es noch an abendfüllendem Repertoire und Bühnenerfahrung. Im Lied vom Sterben zeigt sich sein Potenzial.

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Artikel Bernhard Lichtenberger 10. März 2014 - 00:04 Uhr
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