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Hermann Schneider: "Ich bin jetzt nicht mehr geschäftsfähig"

Das sagt Hermann Schneider, der Intendant des Landestheaters, zum Beschluss des Linzer Gemeinderats, aus dem Theatervertrag auszusteigen.

Hermann Schneider Bild: Volker Weihbold

Unmittelbar nach dem Beschluss des Linzer Gemeinderats, aus dem Theatervertrag mit dem Land Oberösterreich auszusteigen (Details dazu hier), gab der Intendant des Landestheaters Linz, Hermann Schneider, ein erstes Interview.

 

Herr Intendant, der Ausstieg ist so beschlossen worden wie befürchtet.

Hermann Schneider: Ja, es war erwartbar und ist trotzdem schade und enttäuschend, weil es etwas zerstört, was unwiderruflich ist, nämlich das Vertrauen Kulturschaffender in die Politik der Stadt. Das finde ich gerade in Zeiten wie diesen ein bedauerliches Signal - weniger überraschend von der FPÖ, umso erstaunlicher von der SPÖ, die sich solche Positionen jetzt aus Populismus zu eigen macht.

Haben Sie einen so radikalen Schnitt in Ihrer bisherigen Karriere im deutschen Sprachraum schon einmal erlebt?

Nein, so etwas habe ich noch nicht erlebt. Ich habe ja sehr früh nach der Wende auch in den sogenannten neuen Bundesländern der ehemaligen DDR gearbeitet, und dort habe ich erlebt, dass schweren Herzens durch landespolitische Entscheidungen Strukturveränderungen, Spartenabbau oder Fusionierungen passiert sind. Dass sich ein Rechtsträger einer so großen und reichen Stadt ohne auch nur irgendein Gespräch mit den betroffenen Künstlern oder den entsprechenden Gremien zu führen, von einer Kulturinstitution einfach verabschiedet, das habe ich tatsächlich noch nicht erlebt. Das ist ein einmaliger Vorgang. Der Name Klaus Luger (der Linzer Bürgermeister, Anm.) wird damit künftig verbunden sein.

Welche unmittelbare Entscheidungen verlangt dieser Ausstieg jetzt von Ihnen?

Ich bin von diesem Moment an nicht mehr geschäftsfähig im Hinblick auf die Spielzeit 2019/20. Wir haben eine Finanzierungsvereinbarung mit dem Land Oberösterreich, wo Eckdaten drinnen stehen, die auf der nun gekündigten Verabredung basieren. Im Moment habe ich keine gesicherte Planung mehr für eine Spielzeit, die in neun Monaten beginnt und längst in allem geplant und strukturiert ist. Ich kann jetzt keine Verträge mehr unterzeichnen. Ich weiß, dass ich den Zeitpunkt der Veröffentlichung meiner Spielzeitvorhaben nicht mehr halten kann und in allem später sein werde. Dadurch bin ich jetzt schon beschädigt - durch den späteren Vorverkauf, die spätere Werbung, aber auch, weil es sein kann, dass Teams abspringen. Ich kann erst dann weitermachen, wenn ich eine verbindliche, belastbare Information habe, dass das Land Oberösterreich tatsächlich zu 100 Prozent diesen Ausfall übernimmt. Bis ich diese Information habe, werden sicher Wochen ins Land gehen. Diese Wochen sind uneinholbar. Das ist nicht fahrlässig, sondern eine bewusste Schädigung unserer Institution, die da stattfindet.

An anderen Theatern wird befürchtet, dass daraus ein Flächenbrand entstehen könnte.

Natürlich ist die Befürchtung da, dass hier ein Präzedenzfall entsteht. Das kann jetzt Schule machen. Was Österreich immer ausgezeichnet hat, war seine vorausschauende und bekenntnishafte Kulturpolitik. Damit ist es mit dem heutigen Tag vorbei.

 

Video: So lief die Abstimmung im Linzer Gemeinderat

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Artikel nachrichten.at/apa 06. Dezember 2018 - 17:05 Uhr
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