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Hans-Peter Übleis: Der literarische Zehnkämpfer

Sieben Nummer-eins-Bestseller lieferte Hans-Peter Übleis (62) mit dem Münchner Droemer-Knaur-Verlag 2013 ab. Jetzt wurde der gebürtige Steyrer zu Deutschlands "Verleger des Jahres" gewählt.

Der literarische Zehnkämpfer

Hans-Peter Übleis feiert seine Nummer-eins-Bücher. Bild: Privat

OÖNachrichten: Nach Ihrem Wirtschafts- und Jus-Studium kamen Sie zum Wiener Molden-Verlag. Wie kam es zu Ihrer Karriere in Deutschland?

Hans-Peter Übleis: Ich bin ein ausgesprochener Quereinsteiger. Die meisten Verleger haben ja Germanistik, Komparatistik oder so etwas studiert. Das damalige Zukunftsmedium der Buchbranche war eindeutig das Taschenbuch. Und als 1982 der Ruf kam – ich war knapp 31 –, als Verlagsleiter zum Taschenbuch-Marktführer, zum Heyne-Verlag, zu gehen, haben wir unsere drei Kinder zusammengepackt und sind nach München umgezogen. Dort bin ich später Geschäftsführer geworden, ich hatte auch eine kleine Beteiligung am Unternehmen. 15 Jahre, bis 1997, bin ich geblieben, 1998 wechselte ich zu Droemer-Knaur, hier bin ich also auch schon seit 15 Jahren.

An welches Publikum wenden Sie sich mit Droemer-Knaur?

Droemer ist einer der führenden deutschen Publikumsverlage. Wir verlegen in erster Linie Unterhaltungsbelletristik, sehr viele Sachbücher und ein bisschen Literatur, obwohl die Grenzen zwischen Literatur und Unterhaltung sowieso fließend sind. Knaur-Taschenbuch hatte heuer sein 50-jähriges Taschenbuch-Jubiläum. Ich selbst begreife mich auch so ein bisschen als Zehnkämpfer der literarischen Leichtathletik. Es gibt immer einen, der höher springt, der den Speer weiter wirft oder der schneller läuft – man muss nicht in jeder Disziplin der Beste sein, aber der Zehnkämpfer ist am Ende der König der Leichtathleten.

Ist der österreichische Markt für deutsche Verlage wichtig?

Er ist noch wichtiger als es dem Anteil der Bevölkerung entspricht. Droemer-Knaur hatte interessanterweise immer eine besonders gute Marktstellung in Österreich. Obendrein ist der Buchhandel in Österreich noch vergleichsweise intakter als in Deutschland.

Inwiefern?

Er hat zwar heuer auch ein Minus von – ich glaube – zwei Prozent. Kumuliert über die vergangenen Jahre ist das Minus in Österreich aber viel geringer als in Deutschland. Es gibt in Österreich noch eine bessere Struktur mit regionalen Buchhandlungen, die nicht so krisenanfällig sind, wie die großen Ketten. Von den großen Ketten gibt es in Österreich ja nur Thalia, und Thalia-Österreich ist innerhalb der Thalia-Gruppe die Ertragsperle. Die Österreicher klagen zwar gerne, aber ohne zu leiden. Ich bin ja auch der erste Österreicher, der "Verleger des Jahres" geworden ist und da hab’ ich leicht spöttisch angemerkt: Das ist ein Beweis, wie tolerant die deutsche Gesellschaft geworden ist. Ein Immigrant darf Verleger des Jahres werden, obwohl er ein Quereinsteiger ist.

Rund 15 Jahre lang hat sich im Verlagsgeschäft so gut wie nichts verändert, wie entwickelt sich Ihre Branche durch die Digitalisierung?

Ich lese auf allen Formaten: Print, auf dem Tablet-Computer, auf Readern. Wir haben einen eigenen Verlagsleiter für elektronisches Publizieren, eine Plattform für Self-Publishing, Neobooks – und natürlich sind es junge Leute, die sich darum kümmern. Das heißt nicht, dass ich nicht alles strategisch im Blick haben kann. Ein Laden wie Droemer hat heuer rund zwölf Prozent seiner Umsätze mit E-Books gemacht. Wenn ich es nur auf die Belletristik rechne – beim Sachbuch ist der Anteil an E-Books geringer, im Geschenkbuch ist er fast null –, werden wir heuer 16 Prozent erreichen. Das bedeutet für 2014 zwischen 20 und 25 Prozent unserer Umsätze. In den reifen Märkten, der reifste ist jener der USA, ist der E-Book-Markt 2013 nicht mehr gewachsen, er hat sich bei rund 30 Prozent eingependelt. Das werden wir in drei bis fünf Jahren auch erreichen – das war es dann.

Steigen mit der Digitalisierung die Preise von Buchlizenzen?

Nein, es gab in den 90er Jahren eine Phase, da sprach man von Scheckbuch-Verlegerei. In einer Boom-Phase kann so etwas vorkommen. Aber jetzt, da wir gesättigte Märkte haben, ist weitgehend Vernunft eingekehrt. Es geht heute viel mehr darum, dass ein Autor oder sein Agent feststellt, welcher Verlag der Richtige ist. Ist er dort beim Verleger selbst angebunden, oder bei einem jungen Lektor, der sich nicht durchsetzen kann, wenn es darum geht, Marketing-Budgets zu verteilen? Hat der Verlag das richtige Programmumfeld? Steht das Unternehmen für diese Art von Büchern? Das macht unser Geschäft auch viel stabiler.

Hans-Peter Übleis

Hans-Peter Übleis kam 1951 in Steyr zur Welt, sein Vater war Bezirkshauptmann von Steyr-Land. Er studierte Handelswissenschaften/Jus in Wien, er promovierte 1975. Bis 1982 arbeitete Übleis beim Wiener Molden-Verlag, bis 1997 war er Geschäftsführer bei Heyne, seit 1998 ist er Geschäftsführer bei Droemer-Knaur. Übleis lebt mit seiner Frau Elisabeth in München. Die beiden haben drei Kinder.

Nummer-1-Bestseller 2013: Klüpfl/Kobr: „Herzblut“, Fitzek: „Nachtwandler“, Franz/Holbe: „Tödlicher Absturz“ und „Teufelsbande“, D. Müller: „Showdown“, Bartens: „Was Paare zusammenhält“, Wisnewski: „Verheimlicht, vertuscht, vergessen“.

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Artikel Peter Grubmüller 05. Dezember 2013 - 00:04 Uhr
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