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Haider tanzt bei "Dancing Stars": „Es geht nicht um Homosexualität“

Mit seiner Ankündigung, in der Promi-Tanzshow „Dancing Stars“ (ab 11. März in ORF eins) gemeinsam mit einem männlichen Tanzpartner anzutreten, erregt Alfons Haider (53) die österreichischen Gemüter. Im OÖN-Interview spricht der Entertainer über die Regeln des gleichgeschlechtlichen Tanzens, blunznfette Bierzeltbesucher und anonyme Anfeindungen.

„Es geht nicht um Homosexualität“

Âb März schwingt Alfons Haider in „Dancing Stars“ das Tanzbein – mit einem Mann. Bild: OÖN/Inge Prader

OÖN: Zwei Männer tanzen miteinander im Fernsehen, die Nation ist gespalten. Haben Sie mit solch heftigen Reaktionen gerechnet?

Haider: Es gab in diversen Internetforen ganz gemeine Attacken. Immer wenn ich etwas über Arigona Zogaj oder die Gleichstellung von Homosexuellen sage, kommen diese Anonymen aus ihren Löchern und schmeißen mit Dreck. Das nehme ich seit Jahren nicht ernst. Überrascht bin ich vom positiven Echo in den Medien. Ich glaube, dass es mir gelungen ist, zu artikulieren, was ich aussagen wollte: Es geht bei dieser Sache in keinster Weise um Homosexualität. Der Grundgedanke war: Was kann ich tun, um die Show interessanter zu machen?

OÖN: Selbst der legendäre, ebenfalls homosexuelle Ballett-Tänzer Rudolf Nurejew hat mit Frauen getanzt...

Haider: Die BBC, die ursprüngliche Erfinderin des Konzepts, hat mich gewarnt. Die haben gesagt: Sie sind perfekt für die Show als Moderator, wenn Sie selbst mittanzen, können Sie nur draufzahlen. Der Zuschauer ist ein Gewohnheitstier und will keine Veränderungen in seinem Format. Also habe ich gesagt, ich mache das nur, wenn es einen tieferen Sinn gibt. Jetzt habe ich mir aber schon so oft in meinem Leben die Finger verbrannt, wenn ich mich für Ausländer oder Schwule starkgemacht habe, weil man mir immer ein Auffallen-Wollen unterstellt hat.

OÖN: Welchen Sinn haben Sie gefunden?

Haider: Meine einzige Bedingung war, dass mein Tanzpartner heterosexuell sein muss. Weil sonst wäre das für die Zuschauer zu viel gewesen, da hätten wir einen Feuersturm erlebt. So ist es ein feiner Weg, zu zeigen, wie normal es ist, wenn zwei Männer miteinander auftreten, nämlich ein Schwuler und ein Hetero. Das ist eine geniale Mischung.

OÖN: Ein gesellschaftspolitisches Statement?

Haider: Nein, ich glaube, die Österreicher sind schon weiter als viele ihrer so genannten Vordenker. Die Jungen sehen das völlig locker, die finden das geil. Der Großteil der Leute, die mich attackieren, sind eher mittelalterlich, so um die 40 plus. Aber zugegeben, schauen Sie sich Volksfeste oder Bierzelte an, wo alle blunznfett herumtangeln. Wenn die Mädels dort eng miteinander tanzen, stört das niemanden. Stellen Sie sich vor, da tanzen zwei Buam... Da gibt es Aufholbedarf. In diesem Sinne handelt es sich schon um ein Statement.

OÖN: Gab es Gegenstimmen?

Haider: Nicht eine einzige. Der ORF ist weltweit der erste von 120 Fernsehsendern, die die Sendung ausstrahlen, der so etwas macht. Keine Station hat bis jetzt ein männliches Paar ins Rennen geschickt. Die Israelis und die Engländer haben Frauen-Paare antreten lassen, aber nie zwei Männer. Weil das doch etwas ist, was offenbar für viele Menschen noch fremd und abstoßend ist. Verdammt, da muss man auch einmal sagen, wenn alle auf den ORF hinhauen: Das ist mutig, das ist innovativ! Der Generaldirektor hat am längsten gezögert. In vielen Sitzungen hat er gesagt: Ich will den Haider nicht beschädigen. Das hat mich sehr berührt. Ich habe entschieden, das Risiko zu nehmen. 60 Folgen habe ich für „Dancing Stars“ die Stimme hergegeben, jetzt gebe ich die Füße her.

OÖN: Gibt es technische Unterschiede, wenn zwei Männer das Tanzbein schwingen?

Haider: Das gleichgeschlechtliche Tanzen hat ganz strenge internationale Richtlinien. Es gibt kein Männchen, kein Weibchen. Beide Partner müssen führen und sich führen lassen können.

OÖN: Können Sie sich an Ihren ersten Tanzkurs noch erinnern?

Haider: Das war mit 18, da war ich noch hetero. Mein Tanzlehrer in Wien musste mir über Nacht den Walzer beibringen, weil ich Kaiser Franz Joseph in Bad Ischl spielen sollte. Es war also ein Mann, der mich in das Tanzen eingeführt hat. Das war damals ein komisches Gefühl. Nicht ahnend, dass ich 35 Jahre später wieder mit einem Mann tanzen werde.

OÖN: Standard oder Lateinamerikanisch?

Haider: Ich bin ein Lulu. Ich kann nur Walzer. Alle Choreographen beim Theater schreien immer verzweifelt: „Vorsicht, der Haider kommt! Bringts das Ballett weg! (lacht).

Fotos von allen Dancing Stars-Teilnehmer finden Sie rechts bei den Bildergalerien

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Artikel Von Lukas Luger 13. Januar 2011 - 00:04 Uhr
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