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Gernot Kulis: "Es wäre cooler, wären wir langsamer"

Gernot Kulis tourt mit seinem Kabarett "Herkulis" durchs Land. Mit den sprach er darüber, wie Trump seinen Job sichert und Van der Bellen Kriege verhindert

Gernot Kulis: Er wollte nie ein Held sein, aber immer Menschen bewegen. Bild:

Es soll sich tatsächlich so zugetragen haben. Gernot Kulis, als Ö3-Callboy weltberühmt in Österreich, ist in Wien mit einem Elektroauto unterwegs. Der 42-Jährige parkt – nicht ganz ohne Hintersinn – in einer Ladezone. "Es war eine schöne, skurrile Situation", erinnert er sich im Telefoninterview mit was ist los?. Man hört ihn förmlich grinsen, als er den Dialog rekapituliert, nachdem der Parksheriff auftauchte:

Parksheriff: "Sie parken falsch. Sie stehen in einer Ladezone."

Kulis: "I hab ja a Elektroauto."

Parksheriff: "Des is a Ladezone, aber doch ka Ladezone."

Kulis: "Wer san Sie überhaupt?"

Parksheriff: "Da Parksheriff."

Kulis: "Schen. Aber des is a ka Park."

"Natürlich war mir klar, dass der Mann recht hat und nur seinen Job macht", sagt Kulis. Aber in solchen Situation erkennt er "das schnelle Ausspielen von Autorität, den kurzfristigen Aufstieg zum Halbgott" und das Thema seines Kabaretts "Herkulis", mit dem der begnadete Stimmenimitator bald auf Tour durchs Land geht (mehr unten).

Die Formel dafür: "Zur Hälfte Mensch, zur Hälfte Gott, ergibt oft einen Vollidiot!" Und Kulis ist bestens darin geschult, solche zu erkennen und sie mit Schmäh aufzumachen – im Alltag und in der hohen Politik.

"Das Schlimme ist, dass die Menschen in der hohen Politik tatsächlich Macht haben." Früher seien Halbgötter, sagt der gebürtige Kärntner – in Anlehnung an Herkules aus der antiken Mythologie – tatsächlich als Helden verehrt worden. Jetzt tun die Menschen das noch eher, wenn deren Heldenreise, wie jene von Odysseus, in Superhelden-Filmen zitiert werde. Staatsmänner zerstörten wiederum ihren ureigenen Heldenmythos selbst. Kulis: "Wobei ich Donald Trump eigentlich ein Honorar überweisen müsste, weil er Arbeitsplätze für Kabarettisten und Comedians sichert." Er fände es "grundsätzlich cooler, wenn wir um 30 Prozent langsamer wären. Jetzt ist es viel zu schnell zu aggressiv geworden."

Dazu zitiert er, gekonnt langsam, aus dem Kultfilm "Planet der Affen": "Affe tötet niemals Affe." Doch Mensch lässt Menschen inzwischen im Mittelmeer ertrinken? Dass darüber diskutiert werden müsse, ob Migranten in Seenot gerettet werden dürfen, ist für ihn "unfassbar", "eine einzige Themenverfehlung" des Menschen. Wann ein demokratisch gewählter Politiker gescheitert ist? "Wenn er mit seinem Land in den Krieg zieht." Daher wünsche er sich – Stichwort: Gemächlichkeit – weltweit Präsidenten wie Alexander Van der Bellen. "Dann würde es keine Kriege mehr geben."

"Wenn ich deppert bin"

Eine Wuchtel, mit der Kulis gelungen ist, was er sich für das Leben vorgenommen hat: alles mit ein bisserl Schmäh zu nehmen und Widrigkeiten kindliche Unbekümmertheit entgegenzustellen. Vorsorglich sagt er als Papa: "Wir Kinder müssen zusammenhalten." Er will locker sein, denn durch Rage werde man für Angst anfällig. Bringt ihn denn gar nichts aus der Ruhe? "Doch. Ich selbst. Wenn ich deppert bin." Weshalb hätten andere Menschen etwa einen verspäteten "Kulis auf hundert" verdient, nur weil er zu ungeschickt war, die Zeit für die Suche nach einem Parkplatz einzuberechnen? Stimmt, das hat keiner.

Außer vielleicht, wenn er das Elektroauto wieder in einer Ladezone parkt.

*****

TERMINE IN OÖ

7. November: Mondsee, Festsaal, Schloss Mondsee, Karten: www.floro.at
29. November: Rohrbach, Centro, Trafik Lehner, www.centro-rohrbach.at
1. Dezember: Bad Schallerbach, Atrium, Tel. 07249 / 42071, info@vitalwelt.at
6. Dezember: Wels, Stadttheater Greif, OÖN-Kartenbüro, Stadtplatz, Tel. 07242 248 770,
13. Dezember: Pregarten, Bruckmühle, Karten: www.bruckmuehle.at

Beginn: jeweils 20 Uhr

ZUR PERSON

Gernot Kulis (42) stammt aus St. Paul im Lavanttal, Kärnten. Der Kabarettist und Comedian erreicht als Ö3-Callboy und Meister der Scherzanrufe ein Millionenpublikum. „Herkulis“ ist sein zweites
Soloprogramm. Es reicht von Quatsch bis hin zur Weltpolitik.

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Artikel Nora Bruckmüller 12. Oktober 2018 - 11:54 Uhr
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