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Gelungene Linz-Premiere des "versauten" Musicals

Boulevardstück "Betty Blue Eyes" feierte sein Musiktheater-Debüt.

Gelungene Linz-Premiere des "versauten" Musicals

Der Fußpfleger Gilbert Chivers (Rob Pelzer) radelt in „Betty Blue Eyes“ einer besseren Zukunft entgegen. Bild: Winkler

Rationierte Lebensmittel, kaum Jobs, von den Kriegstraumata gezeichnete Bewohner – das englische Städtchen Shepardsford des Jahres 1947 ist ein Ort, in dem die Träume so mager sind wie das Vieh. Auch der örtliche Fußpfleger Gilbert Chivers (Rob Pelzer) kiefelt heftig. Das Leben des schüchternen Antihelden pendelt zwischen eingewachsenen Zehennägeln, Vorhaltungen seiner nach Höherem strebenden Gattin Joyce (Kristin Hölck) und den Kabbeleien mit dem verhaltenskreativen "Schwiegermonster" (April Hailer). Als ihm die Wichtigen des Ortes – Arzt Swaby (Thorsten Tinney), Steuerberater Allardyce (Jonathan Agar) und Anwalt Lockwood (Peter Lewys Preston) – die Anmietung einer leerstehenden Geschäftsräumlichkeit versagen, schreitet Gilbert zur Tat und entführt das entzückende, blauäu-gige Schweinderl Betty. Dieses wurde von dem Großkopferten-Trio illegal gemästet, um als Festbraten auf einem Bankett anlässlich der königlichen Hochzeit verzehrt zu werden. Gedacht als Akt der Emanzipation, stürzt der Borstenvieh-Raub den braven Gilbert aber erst so richtig in den Wahnsinn …

Leichte Boulevardkomödie

Mit dem auf der sozialkritischen Dramödie "Magere Zeiten" (1984) basierenden "Betty Blue Eyes" hält das Linzer Musiktheater den nächsten Musical-Hit an der Hand, wie die deutschsprachige Erstaufführung des Stücks von Ron Cowen und Daniel Lipman am Samstag demonstrierte. In der Regie von Christian Brey überzeugte das 2011 im Londoner West End uraufgeführte Ferkel-Musical als leicht bekömmliches Boulevardstück mit lässigen Swing-Melodien der "Black Beauty And Friends"-Band unter Tom Bitterlich. Musikalische Höhepunkte: die "Zauberhände" und "Schwein, kein Schwein". Geriet die erste Hälfte stellenweise noch etwas langatmig, so spielte das bestens aufgelegte Ensemble nach der Pause seine Stärken voll aus. Insbesondere Joyce-Darstellerin Kristin Hölck begeisterte mit Stimmvolumen und Ausdruck auf der von Anette Hachmann als grellbuntes, collagenhaftes Werbeplakat gestalteten Drehbühne (Monty-Python-Verweis inklusive). Ebenso wie ihr Bühnen-Gatte Rob Pelzer, der die Balance zwischen Geprügeltem und Widerständler fein meisterte. Die meisten Lacher verbuchte neben Slapstick-Schwiegermama April Hailer der wunderbare Riccardo Greco als komplett ausgezuckter Wormold, der selbsternannte "Michelangelo unter den Fleischinspektoren".

Unter der Kategorie "eh mutig, aber …" muss hingegen die Entscheidung verbucht werden, Schweinchen Betty von Puppenspielerin Lynsey Thurgar spielen zu lassen. Diese war bei jeder Ferkel-Szene in Person auf der Bühne präsent, um Betty wie ein überdimensioniertes Plüschtier zu bewegen und tanzen zu lassen. Das wirkte leider etwas befremdlich und überschaubar elegant gelöst.

Musical: "Betty Blue Eyes", deutschsprachige Erstaufführung am 24.2. im Musiktheater Linz, Regie: Christian Brey

OÖN Bewertung:

 

Weitere Termine: "Betty Blue Eyes" ist bis 3. Juli insgesamt 20 Mal im Musiktheater zu sehen, Infos unter landestheater-linz.at

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Artikel Lukas Luger 26. Februar 2018 - 00:04 Uhr
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