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Frank Farian wird 70: Das Genie hinter den Superhits

Er hat als Schlagersänger die Charts gestürmt, die Disco-Musik miterfunden und den vielleicht größten Schwindel der Popgeschichte durchgezogen. Am 18. Juli feiert Frank Farian, einer der erfolgreichste Musikproduzent aller Zeiten, seinen 70. Geburtstag

Das Genie hinter den Superhits

Der Erfolgsproduzent: Frank Farian (70) Bild:

Silberner Anzug mit schwarzen Streifen, eine kühn geschwungene Elvis-Tolle und den Rock ’n’ Roll im Blut – quasi über Nacht wird Anfang 1961 aus dem schmächtigen Kochlehrling Franz Reuther aus Kirn an der Nahe (Saarland) der wilde Rocker „Frank Farian“, Sänger der Band „Die Schatten“. Der Beginn einer beeindruckenden Karriere.

Ein halbes Jahrhundert später blickt der heute 70-jährige Produzent und Musiker auf 800 Millionen verkaufte Platten zurück. Seine Entscheidung für die Musik bereut er nicht: „Eines Nachts bin ich aus dem Fenster und weg. Rock ‘n’ Roll war besser als kochen!“

Seine Berufung findet Farian allerdings nicht auf der Bühne, sondern hinter dem Mischpult. Obwohl er es als Schlagersänger mit dem Schmalzhadern „Rocky“ kurzzeitig sogar bis an die Spitze der deutschen Hitparade schafft. Doch die Liebe zur schwarzen Musik ist stärker: „Sam Cooke und Otis Redding – das war’s, was mir vorschwebte.“

Im Dezember 1974 nimmt Farian im Alleingang den Titel „Baby Do You Wanna Bump“ auf. Da er keine Lust verspürt, unter eigenem Namen aufzutreten, nennt er das Projekt „Boney M.“, nach der Hauptfigur einer australischen Krimiserie. Mit Hilfe einer Künstleragentur stellt er eine gecastete Truppe zusammen. Auch wenn Sängerin Liz Mitchell und der hyperaktive Tänzer Bobby Farrell zu Superstars und „Bravo“-Starschnitten werden – Boney M. ist ein Ein-Mann-Projekt. Farians Stimme. Farians Mischpult. Farians Ideen. Das Resultat: 50 Mal Platin, 42 Goldene und 50 Silberne Schallplatten.

Farians nächstes Projekt wird ein Marionettentheater der Sonderklasse. „Milli Vanilli“, bestehend aus Rob Pilatus (der 1998 an einer Überdosis verstarb) und Fab Morvan, verkaufen insgesamt 22 Millionen Tonträger. Das Debütalbum „Girl You Know It’s True“ steht 1988 sieben Wochen auf Platz 1 der US-Charts. Das Problem: Rob und Fab sehen zwar fesch aus, bewegen aber lediglich die Lippen zu Farians Songs, die erfahrene Sänger zuvor im Studio eingespielt haben.

Der Schwindel fliegt auf

Der Skandal ist perfekt, als bei einem Live-Auftritt in New York das Playback-Band hängen bleibt. Ein „Grammy“ wird aberkannt, zehntausende „Milli Vanilli“-Platten werden eingestampft. Frank Farian sieht die Sache betont entspannt: „Natürlich waren alle geschockt, aber die gute Musik hat überwogen. Das ist, was hängen geblieben ist vom Skandal.“

In den Neunzigern springt der deutsche Erfolgsproduzent auf die „Eurodance“-Welle auf. Seine Schützlinge, das Dancefloor-Duo „La Bouche“ (größer Hit: „Be My Lover“) und die Latino-Gruppe „No Mercy“, landen mehrere internationale Nummer-Eins-Singles.

Im Stillen bastelt Farian in dieser Zeit bereits am nächsten großen Coup, einem „Boney M.“-Musical. 2006 feiert „Daddy Cool“ in London seine umjubelte Premiere. Kurz darauf folgt das Aus, weil Farian die Rechnung ohne die Umweltgesetze und Lärmschutzbestimmungen gemacht hat. Mit 20 Millionen Euro beziffert er die Dimension des Desasters. Um gleich darauf zu verkünden: „Ich habe mit Musik noch nie Geld verloren und jetzt geht es wieder los und ‚Daddy Cool‘ wird eine Erfolgsstory werden.“

Kein Wunder, dass die Geburtstagsfeierlichkeiten am 18. Juli sich auf ein absolutes Minimum beschränken. „Ich habe an dem Abend ein wichtiges Meeting. Vielleicht machen wir aber mittags ein Kaffeekränzchen im engsten Kreis.“

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Artikel Lukas Luger 15. Juli 2011 - 00:04 Uhr
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