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"Er war der Christus in der Hölle"

Thomas Baums Stück über den Priester Johann Gruber am 24./25. Juni im Mariendom.

"Er war der Christus in der Hölle"

Franz Froschauer inszeniert und spielt Pfarrer Johann Gruber. Bild: Werner Dedl

"Durch seine Güte konnten sich am Abend nach zwölf Stunden Arbeit ... bis zu 30 junge Verhungernde versammeln, und er kam daher wie ein himmlischer Bote zur Austeilung seiner Suppe. ... Er war der Christus in der Hölle", schrieb Louis Deblé, ein überlebender Mithäftling des Priesters Johann Gruber im KZ Gusen. Über diesen Pfarrer, der 1889 in Tegernbach geboren und 1944 von den Nazis in Gusen ermordet wurde, hat der Linzer Autor Thomas Baum das Stück "Der Fall Gruber" geschrieben. In der Regie von Franz Froschauer (er spielt auch die Hauptrolle) gelangt es am 24. Juni im Linzer Mariendom zur Uraufführung. Die zweite Vorstellung findet tags darauf statt, ehe der Umbau zur Innenraum-Neugestaltung in Österreichs größter Kirche beginnt, der den Altar näher an die Gläubigen heranrücken wird – die OÖN berichteten.

Auf der griechischen Insel Karpathos las Baum im Sommer 2016 die "Johann Gruber"-Biografie des Historikers Helmut Wagner, dieses "kluge, systemisch genaue Buch – danach hat mich Grubers Leben noch mehr interessiert", sagt Baum im OÖN-Gespräch. Gruber sei keineswegs eine verklärte, rein seelsorgerische Person gewesen, sondern in seiner Getriebenheit, das System zu verändern, penetrant und für den Klerus zunehmend unangenehm: "Es war für die Kirche durchaus willkommen, das Problem Papa Gruber an den Nationalsozialismus abzugeben." Verrat und Denunzierung hätten verheerend zusammengewirkt, "die Kirche alleine hätte ihm keinen Prozess gemacht – und die Nazis alleine auch nicht."

Baum entschied sich für drei Lebensabschnitte Grubers, aus denen Rückblicke in die Vergangenheit aufflackern. Gruber war Vollwaise und enorm geschäftstüchtig, was jeweils im Stück reflektiert werden wird. Wichtigster Motor beim Schreiben blieb der innere Bezug des Dramatikers zu Gruber: "Diese manische, unstillbare Lust am Verändern." Bis hin zum "Al Capone von Gusen", wie Gruber bei einer Besprechung von Baum und Froschauer genannt wurde, "weil er im KZ hochraffiniert getrickst hat, aber immer im Sinne derer, die seine Hilfe brauchten." Neben Froschauer spielen Katharina Bigus, Tanja Jetzinger, Alois Kreuzwieser, Anna Valentina Lebeda und Andreas Pühringer.

"Der Fall Gruber", 24. und 25. 6., Mariendom Linz, Karten: OÖN-Verkaufsstellen Linz, Wels, Ried, Tel. 0732/7805-805, Domcenter Linz.

Johann Gruber (1889–1944)

Gruber wurde in Tegernbach als ältestes von vier Kindern geboren. Seine Eltern starben früh, ab 1903 besuchte er das Petrinum-Gymnasium in Linz. Als Kaplan wirkte er in Gaspoltshofen und Alkoven, er lehrte im Linzer Waisenhaus und wurde 1934 Direktor der Linzer Blindenanstalt. Gruber sprach sich gegen den Anschluss aus, in seiner Reformpädagogik stellte er das Glück der Kinder in den Mittelpunkt. Nach wüsten Konflikten mit dem Kreuzschwestern-Orden und mit Lehrern, die den Nazis nahestanden, wurde Gruber 1938 von der Gestapo festgenommen und landete im KZ Gusen. Dort organisierte er eine geheime Hilfsorganisation für die Häftlinge. Im März 1944 flog sein Netzwerk auf, Gruber wurde tagelang gefoltert und am 7. April erwürgt

 

 

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Artikel Peter Grubmüller 17. Mai 2017 - 00:04 Uhr
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