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Er musste 80 gute Seiten verwerfen, um 267 sehr gute zu schreiben

"Kalte Sonne": Johannes Epple aus Langenstein präsentiert einen temporeichen, leichenfreien Thriller und erinnert an den österreichischen Genre-Primus Bernhard Aichner.

Er musste 80 gute Seiten verwerfen, um 267 sehr gute zu schreiben

Autor Johannes Epple hat für seinen Roman fünf Jahre lang beobachtet, recherchiert und geschrieben. Bild: Beck

Johannes Epple kann niemand ernsthaft vorwerfen, er sei in den vergangenen Jahren untätig gewesen. Er hat als Deutschlehrer für Migranten und als Lektor gearbeitet, sein Philosophie-Studium mit dem Doktorat abgeschlossen, zwei Söhne gezeugt und an einem dritten Kind – in geschriebener Form – gearbeitet. Ein halbes Jahrzehnt hat der in Langenstein im Mühlviertel geborene Epple an seinem Thriller "Kalte Sonne" geschrieben, hat penibel in Krankenhäusern, im Wiener Landesgericht und in der Fitnessbranche recherchiert und viel Zeit mit einer Mutter verbracht, die einen Sohn mit der seltenen genetischen Störung "Trisomie 13" hat.

Immer wieder hat er geschrieben und weggeworfen, einmal sogar 80 Seiten – die Arbeit von zwei Jahren. Weil die "Kalte Sonne" einfach kein Gerichtsroman werden wollte, sondern ein spannungsgeladener, schneller, plotgetriebener Thriller. Zwölf Versionen verwarf der 35-Jährige, die 13. ist jetzt im Verlag Salomon erschienen. "Das Buch hat sehr viele Extraschleifen gezogen. Am Ende ist es ein Amalgam aus Recherche und Erinnerungen geworden", fasst Epple, der in Wien lebt, seine umfassende Schaffensperiode zusammen.

Der lange Weg von der Idee zum Buch hat sich ausgezahlt. Johannes Epple hat mit seinem dritten Roman einen Thriller vorgelegt, der ohne Mord auskommt, der schnell ist, gleichzeitig verständlich und – in Anbetracht der Recherchedauer – außergewöhnlich fundiert. Immer wieder fragt man sich beim Lesen, woher all das Wissen des Autors kommt. Epples Art zu schreiben erinnert an den Tiroler Thriller-Autor Bernhard Aichner, der mit seiner "Blum"-Trilogie das Genre quasi neu erfunden hat. "Kalte Sonne" ist ohne Zweifel ein tauglicher Filmstoff geworden.

Seine erwachsenen Protagonisten kommen aus der Welt der Medizin. Ausgerechnet die verbissene Forscherin Hanna bringt ein Kind zur Welt, das an der seltenen Krankheit "Trisomie 13" leidet. Als der Kindsvater Manuel von seinem Einsatz für "Ärzte ohne Grenzen" zurückkehrt, sind Mutter und Kind verschwunden. Ein zweiter Handlungsstrang beschreibt die haarsträubenden Praktiken der Fitness-Branche auf Social Media. Epple lässt den Computer-Nerd "lordtom99" die beiden Handlungsstränge faltenfrei ineinanderbügeln. Lesenswert.

"Kalte Sonne": Thriller von Johannes Epple, Verlag Salomon, 16,90 Euro.

OÖN Bewertung:

Lesung: Epple liest aus seinem Roman am 6. Februar im Linzer Stifterhaus

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Artikel Helmut Atteneder 02. Januar 2018 - 00:04 Uhr
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