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"Entblößen und entblöden"

Heute um 21.15 Uhr startet die 12. Staffel von "Ich bin ein Star – holt mich hier raus!"

"Entblößen und entblöden"

Daniel Hartwich und Sonja Zietlow moderieren und lästern auch diesmal wieder gemeinsam über Kandidaten und Sendung. Bild: RTL

Der Aufschrei der Empörung, den das Dschungelcamp in den ersten Jahren provozierte, ist längst verstummt. Heute um 21.15 Uhr startet RTLs Quotenbringer aus dem australischen Dschungel bereits zum 12. Mal. Die OÖN sprachen mit Kommunikationswissenschafterin Julia Wippersberg von der Uni Wien über Voyeurismus, Unterhaltung und die Gefahr TV.

 

OÖN: Wie erklärt sich die Faszination des Dschungels?

Wippersberg: Einerseits dadurch, dass sich Menschen derartig entblößen und entblöden, und andererseits denken wir, die wir uns das anschauen, bei jeder dieser Prüfungen nach, ob wir das könnten, und sind froh, dass wir es nie beweisen und herausfinden müssen. Ein bisschen Voyeurismus ist auch dabei, immer die Hoffnung, dass sich Grüppchen bilden, dass sie sich zanken und zicken.

RTL wird den Fokus heuer stärker auf die Gruppendynamik als auf die Ekelprüfungen setzen, hat mehr Nischen eingerichtet, in denen Privates besprochen werden kann, und wird den Kontakt der Kandidaten zum Produktionsteam weiter reduzieren.

Die Teilnehmer sind so ausgewählt, dass verschiedene Rollen besetzt werden. 23 der 24 Stunden des Tages im Dschungelcamp sind wahrscheinlich trotzdem sehr langweilig, weil die Menschen herumliegen, dösen oder sich waschen und wenig Spannendes passiert.

Warum müssen es keine echten Stars sein, die dort einziehen, damit es funktioniert? Braucht es keine Fallhöhe?

Es ist völlig wurscht. Die ersten Folgen sind ja dazu da, dass die Menschen eingeführt werden.

"Entblößen und entblöden"

Haben diese Dschungelcamp-Staffeln unser TV-Verhalten und unsere TV-Erwartungen verändert?

Perfekt inszenierte Unterhaltung – das ist es, was zu erwarten ist und was auch geliefert wird. Die Moderatoren werfen ein ganzes Netz aus, verweisen auf andere TV-Formate, auf andere Medien, sie legen das Geschehen im Dschungel auf das aktuelle Tagesgeschehen um, dazu kommt noch das Social Web. Der Hashtag "#IBES" wird sicher wieder überquellen, das ist wie beim "Tatort". Man schaut und tauscht sich gleichzeitig aus. Unser TV-Verhalten ändert sich grundsätzlich, aber nicht durch die einzelne Sendung.

Lange war es als Unterschichtenfernsehen verschrien, doch das Dschungelcamp hat auch sehr gebildete Zuseher – warum?

Auch gebildete Menschen wollen nicht immer nur dänische Problemfilme in Schwarzweiß sehen, sondern sich auch unterhalten. Die Moderatoren und ihre Gag-Schreiber heben das Ganze auf eine andere Ebene. Diese Treffgenauigkeit würde man sich in anderen Formaten oft wünschen. Außerdem ziehen sie eine Meta-Ebene ein und machen sich permanent über die eigene Sendung lustig.

Philosoph Franz Schuh sieht eine "Gewöhnung des Mainstreams an Erniedrigung".

Erniedrigung ist in meiner Sichtweise etwas anderes. Die Kandidaten gehen freiwillig rein, machen sich zum Affen und bekommen das als Job gut bezahlt.

Überwachung, Voyeurismus: Vor "Big Brother" wurde lautstark gewarnt, vor dem Dschungel ebenso. Mittlerweile gehört beides einfach zum TV dazu. Haben wir uns an das Schlimme gewöhnt, oder ist es dann doch nicht so schlimm gekommen?

Was ist denn das Schlimme? "Big Brother" ist in puncto Überwachung harmlos im Vergleich zu dem, was Facebook und Google machen. Da sind andere Player gefährlich. Außerdem ist der Unterschied der Freiwilligkeit gegeben. Die Lust am Zuschauen, wenn sich jemand zum Affen macht, hat es immer gegeben, aber echter Voyeurismus mit dem Reiz des Verbotenen, jemanden zu beobachten, der nichts davon weiß, kann im Dschungel nicht entstehen.

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Artikel Julia Evers 19. Januar 2018 - 00:04 Uhr
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