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Eine Nacht mit der Königin

300 Besucher genossen in der Stiftsbasilika St. Florian eine "Lange Nacht der Orgel".

Eine Nacht mit der Königin

Heimelige Atmosphäre bei großartiger Orgelmusik in der Stiftsbasilika St. Florian Bild: Winkler

Einmal in der Kirche für mehr als einen verstohlenen Moment die Augen schließen, vielleicht sogar einschlafen, die Füße hochlegen. Ohne schlechtes Gewissen, ohne strafende Blicke. Bei der "Langen Nacht der Orgel" in der Stiftsbasilika St. Florian war das am Dienstagabend Teil des Programms. Zur gemütlichen Allgemeinlage wurde zudem großartige Orgelmusik kredenzt. Sechs Künstler aus Deutschland, Italien, den USA und Russland zeigten, was die Königin der Instrumente abseits von Kirchenmusik noch alles kann, und spielten fünf Stunden lang Sinfonisches, Lieder, Opern, Wagnerisches und Ballettmusik.

Die Gesichter der Organisten

Vier Live-Kameras übertrugen ihre Kunst auf eine Großleinwand ins Kirchenschiff. Die Technik offenbarte für die rund 300 Besucher damit Bilder, die man so nicht kennt. Organisten, denen man ins Gesicht schauen kann. Man sah angestrengte, konzentrierte, enthusiasmierte, erleichterte Gesichter. Man sah Finger über Manuale und Füße über Pedale fliegen, man sah ein heftiges Umblättern der Notenseiten, man sah persönliche Aufzeichnungen der Künstler im Notenwerk.

Eine Nacht mit der Königin

Vierhändig, vierfüßig: Martino Pòrcile und Giuliana Maccaroni aus Italien. Die Künstler wurden per Live-Kamera auf eine Leinwand in der Kirche übertragen.

Matthias Giesen, selbst Organist von anerkanntem Format und künstlerischer Leiter der Brucknertage, hat vor drei Jahren die "Lange Nacht der Orgel" in St. Florian etabliert. Anfangs durchaus gegen Widerstände ob des legeren Grundtons dieses Formates: "Natürlich ist es gewöhnungsbedürftig, wenn man sich Menschen im Liegestuhl in einer Kirche vorstellt. Aber es hat sich durchgesetzt." Nachsatz: "In der absoluten Entspannung beim Liegen hört man viel intensiver."

20 Meter über Bruckner

Von packenden Erlebnissen wussten auch die Organisten zu erzählen. Kein Wunder, liegt doch Anton Bruckner unter der Brucknerorgel mit ihren 103 Registern und 7386 Pfeifen begraben. "Es ist eine besondere Sache, an dem Ort zu spielen", sagte etwa der Deutsche Lutz Brenner, der unter anderem mit einer freien Improvisation zu Bruckners Siebter aufwühlte. Sein persönlicher Gruß an Bruckner war von heftigem Schmerz begleitet. Doch: Wer hier spielen darf, den stoppt auch kein Muskelfaserriss. Für Marina Omelchenko, Domorganistin in Moskau, ist es "aufregend, wenn man weiß, dass Anton Bruckner rund 20 Meter unter einem begraben liegt". Sie habe dem Meister sein "Ave Maria geschenkt, weil ich dieses Stück so liebe".

Eine Nacht mit der Königin

Lutz Brenner, deutscher Organist, spielte unter anderem eine Improvisation zu Bruckners Siebter.

Im Wettstreit mit Hand und Fuß

Martino Pòrcile und Giuliana Maccaroni lieferten sich auf der Königin der Instrumente derweil einen fulminant-harmonischen Wettstreit zu vier Händen und Füßen. Unter anderem gaben sie mit dem "Triumphmarsch" aus Giuseppe Verdis Oper Aida ein besonders atypisches "Orgelwerk" zum Besten. Auch diese sitzplatztechnische Sonderleistung gelang.

Als der Abend bereits zur Nacht mutiert war, finalisierten der amerikanische Organist Kevin McGregor Clark mit seiner europäischen Erstaufführung des Adagios aus Bruckners Neunter und Arno Hartmann mit "symphonisch Französischem" diesen ganzheitlichen Musikgenuss.

 

Die Lange Nacht der Orgel begeisterte in St. Florian die Besucher – hinsichtlich Qualität und Gemütlichkeit

"Ich bin selbst Organist und total begeistert. Ein derartiges Format gibt es sonst nirgends." - David Göls, Linz

"Das ist ein einzigartiges Erlebnis. Ich bin mit der Matratze da und lasse mich beschallen." - Magdalena Krenn, Engerwitzdorf

"Die Musik ist ansprechend, die Liegestühle entspannend. Ich kann das sehr genießen." - Sabine Neubauer (li.), mit Sigrid Parlic aus Linz

 

 

 

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Artikel Helmut Atteneder 16. August 2018 - 00:04 Uhr
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