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Eine Brücke zwischen Ost und West

Das musikalische Zusammentreffen Wladiwostok-Linz überzeugte beim Brucknerfest

Eine Brücke zwischen Ost und West

Anton Lubchenko, Chefdirigent des Wladiwostok Symphonieorchesters (Winkler) Bild:

Echte Zusammenarbeit sieht ein wenig anders aus, aber das Ergebnis des Konzerts des Orchesters der Anton Bruckner Privatuniversität Linz unter Anton Lubchenko am Dienstag im Rahmen des Brucknerfests war mehr als überzeugend. Eigentlich hätten wesentlich mehr als sieben Musiker des Wladiwostok Symphonieorchesters, dessen Chefdirigent der exzentrische russische Pultstar ist, nach Linz kommen sollen, um Brücken zu schlagen und um als Tutoren und Motivatoren für die jungen Studenten zu wirken. Sieben würden, wären sie nicht an strategisch wichtigen Positionen wie z.B. dem Konzertmeistersessel platziert, gar nicht auffallen und könnten auch gar nicht viel bewirken.

Schade ist auch, dass die vielgepriesenen Brücken und Begegnungen des Brucknerfest-Mottos sich als Einbahnen offenbaren, denn die jungen Oberösterreicher werden nicht nach Russland fahren. So haben wir heuer erfreulicherweise multikulturelle Eindrücke gewinnen können, aber einen echten Austausch in Sachen Kultur scheint es nicht zu geben.

Schon die eingangs musizierte Orchesterfantasie "Francesca da Rimini" von Peter Iljitsch Tschaikowsky gelang sehr überzeugend sowohl in klanglicher Hinsicht als auch, was die gar nicht so geringen technischen Ansprüche anbelangt. Eine veritable Orchesterleistung in einer passenden Interpretation.

Rachmaninow als Höhepunkt

Wirklicher Höhepunkt war Rachmaninows 3. Klavierkonzert, das ob seiner Schwierigkeiten im Zusammenspiel und seiner doch sehr ausladenden Proportionen viel zu selten zu hören ist. Denn die vielen seit seiner Uraufführung 1909 geäußerten negativen Meinungen bis hin zur Bar-Musik und zum Kitsch hat der Pianist Miroslav Kultyshev an diesem Abend mehr als nur widerlegen können. Der 30-jährige Pianist aus St. Petersburg, einer der Studenten des dortigen Hauses der Musik, steht nicht nur technisch weit über den Dingen, sondern weiß genau, wie man diese Musik interpretieren muss, um nicht annähernd Gefahr zu laufen, im romantischen Sog zu ertrinken und klangsüchtig zu delirieren.

Mit kristallklarem Anschlag ziseliert Kultyshev jede Phrase, schafft es selbst in den dichtestes Passagen, die Begleitung fein säuberlich von den trotz aller pianistischen Schwierigkeiten elegant modellierten Melodielinien zu trennen und das Klavier ohne jegliches Forcieren zum Vollklang zu bringen, mit dem er selbst das Orchester überflügelt. Das Orchester begleitete sehr subtil, die perfekte Koordination gelang Anton Lubchenko allerdings nicht immer.

Nach dem sehr langen ersten Teil folgte die VII. Symphonie "Orthodoxes Russland" von Anton Lubchenko. Ein 70-minütiges Werk, das hervorragend instrumentiert ist und von großen Steigerungswellen, die ins opulent Pathetische ausufern, geprägt ist. Gleichzeitig wirkt es wie eine bunte Collage, die viele Stilrichtungen der vergangenen 150 Jahre vereinen möchte und oft abrupt aufeinanderprallen lässt. So eine durchaus witzige Jazzepisode, die von einem Bartókschen Fugeneinsatz abgelöst wird, auf den wiederum ein russischer Choral folgt, wie man ihn seit Mussorgsky idiomatisch kennt.

Ein wüstes Sammelsurium an vielfach tollen Einfällen, die aber – ausgearbeitet – für mindestens zehn Symphonien reichen würden. Aber vielleicht ist es gerade die bunte Vielfalt, die die jungen Musiker anspornte, das mitreißende Werk auch so zu musizieren und damit das leider nur sehr spärliche Publikum zu begeistern.

Brucknerfest: Anton Bruckner Universität Linz unter Anton Lubchenko, 29.9.

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Michael Wruss 01. Oktober 2015 - 00:04 Uhr
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