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"Ein Mann ist am leichtesten zu durchschauen, wenn er es am wenigsten sein will"

Kabarett: Michael Hufnagl lädt am 12. Dezember in Gmunden zum "Abend mit einem Mannsbild".

"Frauen wissen eh, was sie da hören"

Hufnagl hat noch Hoffnung: "Ich glaube an die Intelligenz der Spezies." Bild:

Um Selbstbeweihräucherung geht es dem Kabarettisten Michael Hufnagl keineswegs, wenn er am 12. 12. in Gmunden auftritt. Der 47-Jährige will Selbstironie pflegen und -erkenntnis stiften. Wie, hat er was ist los? erzählt.

Verstehen Sie Männer schon?

Ich glaube, dass sie leichter zu verstehen sind als Frauen.

Da muss ich widersprechen.

Doch. Meiner Meinung nach ist das Selbstverständnis des Mannes viel simpler gestrickt als das der Frauen. Ich halte Frauen für die komplexeren Wesen.

Und wann ist ein Mann am leichtesten zu durchschauen?

Wenn er es am wenigsten sein will. Ich glaube, dass Männer leicht zu handhaben sind. Weil sie so unerschütterlich in ihrer Selbstwahrnehmung sind, die übrigens zum Teil absoluter Blödsinn ist. Sie sind an ihrer Eitelkeit zu packen. Das ist meine feste Überzeugung.

Wollen Sie Männern eine Anleitung geben, es sich selbst nicht so schwer zu machen?

Ich glaube, wenn man ihnen einen Spiegel vorhält, gibt man ihnen automatisch ein bisschen Anleitung. Ich mache das sehr stark aus einer Ich-Position heraus. Auf jemand anderen mit dem Finger zu zeigen, ist etwas, was mir überhaupt nicht gefällt. Wenn man dann Eigenschaften und Typisches aufzeigt und lustig darbringt, erkennen sich die Menschen darin. Und in dem Moment, in dem sie sich erkennen, sehen sie auch das eigene Potenzial: Jössas, das ist mir noch gar nicht aufgefallen, das könnten wir auch verändern.

Trägt MeToo dazu bei?

MeToo ist ein idealer Anlass, seine Positionen zu hinterfragen und sich kritisch mit sich selbst auseinanderzusetzen. Das ist an sich schon schwer, weil sich Menschen schwertun, "Entschuldigung, mein Fehler" oder "Das mache ich nicht so gut" zu sagen. Ob das jetzt der Papa oder der Liebhaber ist – man soll einmal den Spiegel, den man von Frauen, Kabarettisten oder klugen Autoren vorgehalten bekommt, annehmen und sagen, ich schaue mir das Bild darin an. Und dann frage ich mich, ob ich was positiv verändern kann.

Neben der Thematisierung von sexuellem Missbrauch hat MeToo viele andere, nicht strafrechtlich verfolgbare Aspekte aufgezeigt, die Frauen am Verhalten von Männern ihnen gegenüber nicht gefallen.

Ja, das stimmt. Und die Grauzonen beginnen ja viel, viel früher, und hier wird ein Bewusstsein geschaffen. Da habe ich als Mann zwei Möglichkeiten, und hier nehme ich mich ganz persönlich als Michael. Erstens kann ich sagen: Sie sollen sich nicht "anscheißen", ein bisserl ein Schmäh darf schon sein, ist doch alles nicht so schlimm. So drücke ich die Diskussion weg und lasse sie an mir abprallen.

Und zweitens?

Ich kann sagen: Reflektiere doch einmal das, was du getan hast. Überleg dir einmal, ob das, was du getan hast, Verletzungen oder Grenzüberschreitungen gewesen sein könnten. Und du wirst immer draufkommen: Selbstverständlich kann es das gewesen sein. Das habe ich vorhin gemeint: Ich bin 47 Jahre alt, aber nicht alt genug, um nicht klüger zu werden und zu sagen: Ich muss das ernst nehmen.

Wie geht es Ihnen als Vater einer Tochter mit dem Wissen über männliche Abgründe?

Das ist ein sehr heikler Punkt in meinem Leben, weil ich ein wirklicher Tochtervater bin. Ich war ja auch ein Jahr in Karenz, ich habe mir dieses Kind so gewünscht. Daher schaue ich ganz besonders auf sie. Wir beide reden sehr, sehr viel miteinander, immer schon, sie hat ein unglaubliches Vertrauen in mich. Und dabei geht es darum, dass immer wieder eine Botschaft mitschwingt: Schau auf dich, höre auf deinen Körper, du bist die Chefin, lass mit dir nicht machen, was du nicht willst.

Hat Sie die Geburt Ihrer Tochter noch einmal sensibler gegenüber Frauen gemacht?

Sicher. In dem Moment, in dem man ein Mädchen in einer väterlichen Verantwortung beschützen muss und dazu seine Sensoren aktiviert, wird man viel sensibler. Aus dieser Schutzfunktion heraus muss es so sein.

Mannsbild-Abend: 12. 12., Stadttheater Gmunden, 19.30,
Karten: OÖN Linz, Wels, Ried/I., Tel. 0732 7805 805,
www.michael-hufnagl.com

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Artikel Nora Bruckmüller 06. Dezember 2018 - 06:34 Uhr
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