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Doyen des Opernteams sagt Bye-Bye

Der aus Siebenbürgen stammende Franz Binder ist seit 29 Jahren am Landestheater Linz.

Franz Binder als Don Magnifico in »La Cenerentola« von Rossini « 2011 (mit Gotho Griesmeier und Kathryn Handsaker) Bild: Badel

"Bye-Bye Binder!" heißt es am 2. Juni im Musiktheater: Bariton Franz Binder (64) verabschiedet sich nach 29-jährigem Engagement am Landestheater Linz in die Pension. Der singende Komödiant wurde in diesen beinahe drei Jahrzehnten zum Publikumsliebling.

 

OÖNachrichten: Ein Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge?

Franz Binder: Genau so! Wenn man mich anruft, komme ich gerne wieder zurück! (lacht). Ich spiele jetzt noch zwei Mal in "Die Csardasfürstin" den Feri Bácsi – nachher will ich einmal wirklich nichts tun. Ich singe aber auch gerne in Kirchen, dafür möchte ich mein Lied-Repertoire wieder aufwärmen.

Was waren aus Ihrer Sicht seit 1986 die größten Veränderungen am Landestheater?

Ich habe die Zeit von Intendant Michael Klügl sehr genossen – bis auf den Beginn: Er hat viele Leute aus dem Ensemble ausgetauscht. Für Offenbachs "Orpheus in der Unterwelt" beispielsweise war das Linzer Publikum 1998 noch nicht bereit. Rainer Mennicken war sicher der richtige Mann für die Eröffnung des Musiktheaters. Und Hut ab vor seinen Inszenierungen: Er schafft es, modern, aber nicht verrückt zu inszenieren.

Wissen Sie, wie viele Rollen Sie gespielt haben?

Ich hab’ rund 180 Rollen gespielt, davon zirka 125 in Linz. Da sind auch mittlere und kleine dabei. Bei mir geht es aber eh nicht um die große Stimme, mir liegen Rollen, in denen man auch spielen kann wie der Bartolo im "Barbier von Sevilla", der Don Magnifico in "La Cenerentola", der Alfred Doolittle oder natürlich der Feri Bácsi.

Sie sind aus Siebenbürgen in Rumänien. Sie haben eine abenteuerliche Flucht hinter sich: Können Sie das kurz erzählen?

Ich bin 1978 offiziell über meine Agentur in die DDR an ein kleines Theater engagiert worden. Meine Frau und unser Sohn sind in die DDR übersiedelt.1983 sind wir auf Urlaub nach Siebenbürgen gefahren, danach durfte unser 1975 geborener Sohn Rumänien nicht mehr verlassen. Unsere Tochter wurde 1979 geboren, die durfte wieder in die DDR mit, weil sie noch nicht schulpflichtig war. Unser Sohn wurde gleichsam vom Regime zur Geisel genommen. Von 13. auf 14. April 1986 bin ich mit dem Auto zur ungarisch-österreichischen Grenze gefahren. Ich rede ja auch ungarisch und ich wurde über die Grenze nach Österreich gelassen. Frau und Tochter waren noch in Budapest, wurden einen Monat später von einem Helfer über die Grenze gebracht. Den Sohn haben wir ein paar Monate später "freigekauft" – wir mussten zirka zwei Monatsgehälter, damals rund 20.000 Schilling, überweisen. Am 15. April war ein Vorsingen in Linz und am nächsten Tag war ich als Chorsänger engagiert! Am 1. Mai habe ich schon im Chor in "Der Fliegende Holländer" gesungen. Wir wollten eigentlich nach Deutschland reisen, sind aber dann – glücklicherweise – hier hängengeblieben und heimisch geworden. Der liebe Gott wollte es so!

Wie haben Sie die Eröffnung des Musiktheaters in Erinnerung?

Ich bin während der Baustellenzeit jeden Tag hierher gekommen, um den Baufortschritt zu sehen. Dieses Haus ist das schönste Geschenk für Linz und das ganze Land – und auch für mich!

Was würden Sie jungen Kollegen aus Ihrer Erfahrung heraus sagen?

Man soll sein gesamtes berufliches Leben lang Gesangsunterricht nehmen. Täglich üben. Und versuchen, nicht gleich ins schwere Fach zu gehen. Junge Sänger werden oft in zu große Rollen hineingeworfen und haben nach zehn Jahren keine Stimme mehr.

Was wird es bei Ihrem Abschiedskonzert zu hören geben?

Mit dabei sind meine Kollegen Valentina Kutzarova, Iurie Ciobanu, Seho Chang, am Klavier Dennis Russell Davies und Maki Namekawa, die Moderation übernimmt Rainer Mennicken. Wir bringen Arien und Duette von Mozart, Rossini, Verdi... Rollen, die ich hier gesungen habe. Und es werden Anekdoten aus dem Theaterleben und aus meinem Leben erzählt.

Abschiedskonzert für und mit Franz Binder, Musiktheater / Blackbox, 2. Juni, 20 Uhr; Karten: www.landestheater-linz.at

 

Zur Person

Geboren am 25. 11. 1950 in Arad / Siebenbürgen (Rumänien), deutsche Grundschule, ungarisches Gymnasium, spricht Deutsch, Ungarisch, Rumänisch. Matura 1969, dann Studium Musiklehrer und Chordirigent in Temesvar und Klausenburg. Ab 1967 Gesangsausbildung, ab 1969 Engagement Ungarische Staatsoper Klausenburg, ab 1978 Volkstheater Halberstadt (DDR). Ab 1986 Landestheater Linz.

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Artikel Silvia Nagl 01. Juni 2015 - 00:04 Uhr
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