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Dieser Tante ist die Luft ausgegangen

Premiere: "Charleys Tante" in der Überarbeitung von Harald Gebhartl im Theater Phönix.

Dieser Tante ist die Luft ausgegangen

Charleys Tante (David Fuchs) und die beiden heiratswütigen Russinnen Anastasja (Marion Reiser) und Uljana Russikowa (Anna Maria Eder). Bild: Herzenberger

So schade, weil es wirklich vielversprechend begonnen hat: Harald Gebhartl hat "Charleys Tante", ein Klassiker unter den Komödien von Brandon Thomas, ins Hier und Heute transkribiert und seiner "Tante" zunächst viel Tempo und Esprit mitgegeben. Der allseits bekannte Handlungsstrang: Zwei junge Männer treffen zwecks Hochzeit zwei reiche russische Damen und brauchen dazu eine Art Bürgin. Diese (Charleys reiche Tante aus Brasilien) verspätet sich aber, also springt ein Freund als Charleys Tante ein – was natürlich keine gute Idee ist, dem Stück aber eine Art Erfolgsgarantie gibt.

Comicsprache

Also: Die beiden chronisch finanzmaroden und nicht zuletzt deshalb heiratswütigen Jack Tschesnei (Felix Rank) und Charley Weikham (Markus Hamele) agieren herzerfrischend, und in einer Art Comic-Sprache kommunizierend (etwa "Wow" – wenn es an der Tür läutet).

Ihr Freund Curt Babberleau springt als Tante ein. David Fuchs ist als sich völlig überschätzender Schauspieler grandios. Allein wie er aus der "Minna von Barnhelm" rezitiert, ist eine komödiantische Höchstleistung. Sobald er aber in Frauenkleidern auftritt, wirkt er gehemmt. Charleys Tante zu spielen, ist aber auch keine leichte Aufgabe. Entweder man überzeichnet sie total (wie einst Peter Alexander) oder man agiert gekonnt weiblich. Diese Tante bleibt dazwischen irgendwie stecken. Die beiden Russinnen treten ebenso berechnend wie überdreht in Szene, ihr russischer Bodyguard Ivan Diwanowitsch (Simon Jaritz) liefert einen beachtlichen Nachweis seiner schauspielerischen Vielseitigkeit ab.

Gegen Ende des ersten Aktes verliert diese Produktion langsam den roten Faden, bekommt Längen und die gesungenen Tanzeinlagen bringen auch nicht den beabsichtigten Schwung hinein. Der Auftritt der doch nicht reichen Tante "Donna Lucia D’Alvadorez" (Isabella Szendzierlorz) befeuert das Stück, trägt es aber nicht bis zum Schluss. In jeder Phase köstlich ist indessen der Butler "Bresset" (Sven Sorring), der zum eigentlichen Star dieses Abends wird. Fazit: Mit dieser "Charleys Tante" hat das Phönix eine solide Komödie abgeliefert, an große Vorbilder kommt sie nicht heran.

Komödie: "Charleys Tante und die Macht des Geldes" nach Brandon Thomas von Harald Gebhartl, Theater Phönix, 17. 11.

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Helmut Atteneder 19. November 2016 - 00:04 Uhr
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