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"Die Steirermen haben mein Leben verändert"

Ihre Lieder verkaufen sich millionenfach – die OÖN besuchten Schlagertexterin Hanneliese Kreissl-Wurth im Studio.

"Die Steirermen haben mein Leben verändert"

Top oder Flop? Im Tonstudio in Gmunden überprüft Hanneliese Kreissl-Wurth ihre Lieder auf Hitpotenzial. Bild: (jule)

"Lass uns Richtung Süden zieh’n, nach Rhodos oder Santorin", schallt es aus den Boxen. Eine eingängige Melodie umspült diese Zeilen, eine, die man nach drei Takten schon ewig kennt. Doch Hanneliese Kreissl-Wurth und Flo Daxner schunkeln nicht, sie nicken konzentriert im Rhythmus.

Die Schlagertexterin und der Musiker kontrollieren das Lied im Tonstudio in Gmunden ein letztes Mal. "Lass uns Richtung Süden zieh’n" ist eine Auftragsarbeit. "Das ist heute so in der Schlagerbranche", erzählt Kreissl-Wurth. Die Welserin textet seit 30 Jahren Volkstümliches. Ruft die Plattenfirma an, geht es schnell: "Mit der Idee gehe ich ein paar Stunden schwanger, danach eine Dreiviertelstunde feilen und das Lied ist fertig. Wenn es passt, geht es zack-zack."

Ein Lied in zehn Minuten

Mehr als 2000 Lieder hat die 68-Jährige in ihrer Karriere bereits gedichtet, momentan hält sie bei 60 pro Jahr. Um ein handwerklich passables Schlagerlied hinzubekommen, braucht sie nur zehn Minuten. "Ein richtig gutes Lied braucht aber auch noch Herz. Ob eines das gewisse Etwas hat, merke ich, wenn es mich selbst berührt oder ich es lustig finde. Schema F aus dem Handgelenk ist nicht genug."

Als sie im Jahr 1992 ihren bisher größten Hit "Steirermen san very good, very very good for Hollywood" für "Die Stoakogler" erdichtete, erkannte sie das Hitpotenzial sofort. "Eigentlich ist das Lied aus einer Blödelei entstanden", erzählt Kreissl-Wurth. Die Stoakoagler baten sie um neues Liedmaterial, "ruhig mit Englisch". Also schlug sie diese Zeile vor. Aus dem Scherz entspann sich ein millionenfach verkaufter Hit, der nicht nur das Leben der Stoakogler ("Die haben danach die dreifache Gage verlangt"), sondern auch ihres in neue Sphären hob. "Die Steirermen haben mein Leben verändert. Ich hatte plötzlich einen Hit. Irgendwann hieß es eine Million Mal verkauft, dann vier Millionen Mal."

Seit knapp 20 Jahren verbringt sie das halbe Jahr auf Zypern – "daran haben die Steirermen sicher einen großen Anteil", sagt sie. Sie hat Titel geschrieben für Künstler von "A wie Alpenrebellen" bis "Z wie Zillertaler". Das vertonte Fernweh "Lass uns Richtung Süden zieh’n" ist auf "Die Paldauer" zugeschnitten. Erscheinen soll das Lied im Mai, da wird vorausgedacht in der Schlagerbranche.

Doch "immer mehr Massenware, mehr Plastik" stören Kreissl-Wurth: "Diese Billigreime! Augen reimt sich nicht auf Glauben!"

Sie selbst sprach mit einem ihrer vier Kinder schon ganze Wochen nur in Reimform. Reimen, unerlässlich für eine Schlagertexterin: "Warum ist ,Hänschen klein’ ein Hit? Weil der Reim wesentlich leichter reingeht als alles, was man in Prosa vor sich hin fabuliert. Ein Chanson kann ich gänzlich ohne Reim verfassen, aber das ist für eine sehr elitäre Zuhörerschaft", sagt Kreissl-Wurth. Wichtig sei auch im Volkstümlichen das Unerwartete: "Herz auf keinen Fall mit Schmerz. Dann lieber mit Terz oder Sterz."

"Nicht wegen des Geldes"

Unter sechs Pseudonymen schreibt Kreissl-Wurth auch Pop-Texte. "Meine großen Erfolge habe ich aber im Schlager", sagt sie. Mit den Themen Liebe, Musik, Lebensfreude, Heimat, Freundschaft. Als Inspiration dient ihr jeder und alles. "Ich war gerade auf meinem Klassentreffen der HAK Braunau." Und außer der Erkenntnis, dass "wer mit 15 Jahren eine Flasche war, das auch heute noch ist", haben sich auch einige Lieder aus diesem Treffen entsponnen. Von "Keine Zeit für große Worte" bis zu "Ich hab Lust auf deine Nähe".

Wie viele Millionen Mal ihre Lieder genau verkauft worden sind, darüber hat sie keinen Überblick. Übers verdiente Geld will sie nicht sprechen. "Ich habe es sowieso nie wegen des Geldes gemacht", beteuert sie: "Das Tolle ist, wenn ich in einer Halle stehe und ein paar tausend Leute singen bei einem Titel von mir mit." Wer weiß, vielleicht erlebt sie das auch bald bei "Lass uns Richtung Süden zieh’n".

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Artikel Julia Evers 19. August 2016 - 00:05 Uhr
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