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Die Faszination von leeren Räumen

Linzer Fotografin Sigrid Rauchdobler stellt bei der Architektur-Biennale in Venedig aus.

Die Faszination von leeren Räumen

In Venedig zeigt die Linzer Fotografin Sigrid Rauchdobler Fotos des ehemaligen Postverteilerzentrums. Bild:

Um Struktur und Rhythmus gehe es bei Architekturfotografie, sagt die Linzerin Sigrid Rauchdobler (46). Sie ist als einzige österreichische Fotografin mit ihren Arbeiten bei der 15. Architektur-Biennale in Venedig (bis 27. November) im Palazzo Mora vertreten.

Sigrid Rauchdobler hat eine dreieinhalbjährige Lehre als Fotografin absolviert und war während der Lehrzeit schon von der Architektur- und Industriefotografie begeistert. "Ich fotografiere eben lieber Gebäude als Menschen", sagt sie im OÖN-Gespräch.

Wie schauen dann Urlaubsfotos einer professionellen Architekturfotografin aus? "So wie bei anderen auch! Ich mache Schnappschüsse mit der Kompaktkamera. Denn meine Ausrüstung ist mir zu wertvoll, um sie in den Urlaub mitzunehmen." Rund 3000 Euro ist das Gehäuse ihres Fotoapparates wert, die Objektive zwischen 1500 und 1700 Euro, "aber da bin ich noch nicht bei den wirklich teuren Ausrüstungen angelangt!"

Wer sind die Auftraggeber? "Jedes Unternehmen, das ein neues Haus baut, will, dass dieses auch fotografisch vorteilhaft dokumentiert wird – für Folder, für Bücher, für den Internet-Auftritt", sagt Rauchdobler. Die Auftraggeber kommen durchwegs aus der Wirtschaft.

10.000 Fotos vom Musiktheater

Als ihr wichtigstes Projekt für den beruflichen Werdegang bezeichnet sie das Musiktheater in Linz, das sie rund drei Jahre lang – vom Spatenstich bis zur Fertigstellung – fotografisch begleitet hat. "Es war so unglaublich schön, diesem Gebäude beim Wachsen zuzusehen."

Rund 10.000 Aufnahmen vom Baufortschritt des Musiktheaters hat sie gemacht, zirka einmal pro Monat war sie auf der Baustelle, um Fotos für die Presse und die den Bau begleitende Zeitschrift "Applaus" zu machen.

"Für mich war es komisch, als dann plötzlich in das leere Haus Menschen eingezogen sind", sagt die Linzerin.

Lässt es sich von dieser Arbeit leben? "Ja, doch, es geht so. Aber je bekannter der Name, umso besser wird es naturgemäß" – nun, eine Biennale-Teilnahme ist ja eine tolle Referenz in einem beruflichen Lebenslauf. Sie selbst sieht sich "weniger als Künstlerin denn als Handwerkerin, aber die Grenzen sind in dieser Branche sehr fließend."

Fotos der "Post City"

In Venedig zeigt sie zum Motto "Time, Space, Existence" Fotografien vom ehemaligen Postverteilerzentrum nahe des Linzer Bahnhofs, denn "verlassene Räume haben mich immer besonders fasziniert". Fotografiert hat sie dort im Vorjahr, bevor die Räumlichkeiten im September für das Festival Ars Electronica unter dem Titel ,Post City’ genutzt wurden. Bis vor kurzem waren die Räume Unterkunft für Flüchtlinge, demnächst werden sie wieder für das Festival Ars Electronica adaptiert.

In Venedig steht ihr für ihre Fotografien eine fünf mal fünf Meter große Wand zur Verfügung: 12 Fotografien stellt Sigrid Rauchdobler dort aus, "zwei davon 1,50 mal ein Meter groß, die anderen 50 mal 30 Zentimeter klein".

Die Einladung zur Teilnahme an der Biennale "kam für mich sehr überraschend. Aber ich habe immer gesagt, wenn ich einmal wo ausstelle, dann sicher nicht in einer Bank-Filiale in Hintertupfing, sondern bei der Biennale in Venedig oder im MoMa in New York!"

Nun, eine Etappe wäre somit geschafft...

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Artikel Silvia Nagl 11. Juni 2016 - 00:04 Uhr
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