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Der älteste Filmclub des Landes lebt für die Jungen

Der Linzer Filmring, ein Pionierverein der Medienpädagogik, feiert am 24. 11. seinen 60er mit "Vertigo".

Der älteste Filmclub des Landes lebt für die Jungen

Bild: VOLKER WEIHBOLD

Eine der größten Geringschätzungen, die man jungen Menschen entgegenbringen kann, ist es, sie zu unterschätzen.

Beim Linzer "Filmring der Jugend" wird seit 1958 das Gegenteil gelebt. Der älteste Filmclub Österreichs wird vom gleichen Geist angetrieben wie zwei Ereignisse – die Gründung der NASA und die erste Herzschrittmacher-OP –, die sich im selben Jahr zugetragen haben: Neugier, Innovation und Investition in die Zukunft.

Wie das Team des Filmrings das macht? Indem es Arbeiten jenseits des Blockbusters, anspruchsvoll in Form wie Inhalt und in Originalsprache, in Zusammenarbeit mit Schulen zu Jugendlichen bringt. Besser gesagt, Oberstufen-Teenager ins Linzer City Kino, jährlich bis zu 1400 junge Besucher.

Am 24. November wird diese Arbeit, die immer noch als Pionierleistung der Medienpädagogik zu sehen ist, dort mit Alfred Hitchcocks Meisterwerk "Vertigo" (mehr unten) gefeiert. Allein die Wahl des Jubiläumsfilms, einer der meistanalysierten und -besprochenen der Welt, spricht Bände. Sie erinnert daran, dass Kino-Vergangenheit ein guter Lehrer für das Heute ist, in dem dank Smartphone-Knipserei "das Bild" eine nie zuvor erlebte Dominanz erfährt. Doch Qualität ist nicht Quantität.

Oder, wie es Filmring-Obmann Markus Vorauer im Kurzfilm, der zum Jubiläum realisiert wurde, sagt: "Wir lernen lesen und schreiben, aber kaum mit Bildern und Tönen umzugehen." Doch Bilder sind so komplex, "dass man nie genug darüber reden kann".

Pfeiler bei der Vermittlung im Filmring, der vom früheren Landesjugendreferenten Walter Buchberger und vom Theologen Rudolf Malik initiiert wurde, sind Diskussionen nach den Filmen sowie für Schüler das Recht, selbst das Programm mitzubestimmen.

Die Idee zu Letzterem kam von Peter Willnauer, Festredner am 24. November. Der langjährige Wegbereiter des Vereins, 78, wurde von Malik, einst sein Religionslehrer, über den Filmring für das Kino begeistert. "Gleich 1958 hat es einen Drehbuch-Wettbewerb gegeben. Das Siegerbuch ,Die Party’ wurde verfilmt", sagt er. Eine dramatische Mädel-Bursch-Geschichte. "Als junger Mann wurde ich besetzt. Weil ich so gar nicht wie ein Verführer ausgesehen habe."

Aber er wurde passionierter Filmvermittler, der eng mit der früheren OÖN-Filmkritikerin Ulrike Steiner zusammenarbeitet. "Ich habe Film als Kunst im Filmring erfahren", sagt sie. "Er zeigt, dass Kino mehr als eine Popcorn-Veranstaltung ist und man ungeheure Abenteuer erleben kann."

Jubiläumsfilm: Vertigo, 24. 11., 15 Uhr, City Kino, Karten-Tel.: 0732 / 77 60 81

*****

Mehr Hitchcock - Retrospektive

Etwas, das es selten zu sehen gibt, bietet das Linzer Moviemento: Meisterwerke von Alfred Hitchcock, die man wie den Filmring-Jubiläumsfilm „Vertigo“ (im City Kino, mehr li.) höchstens aus dem TV kennt, gibt’s ab 16. 11. auf der großen Leinwand.

Lifeboat: Ein eher weniger bekanntes Werk über ungleiche Weltkriegs-Überlebende. 16. 11., 18.30

Spellbound: Ingrid Bergman, Gregory Peck im Kampf zwischen Liebe und Psychoanalyse. 17. 11., 18.20

Rear Window: Grace Kelly, James Stewart und der Voyeurismus. 18. 11., 18.20

The Trouble With Harry: Makabre Komödie mit vertuschtem Tod. 19. 11., 18.30

The Man Who Knew Too Much: Familiendrama mit James Stewart und Doris Day. 20. 11., 18.15

Vertigo: Der Selbstmord einer Frau (Kim Novak) wird für einen Ex-Polizisten (J. Stewart) zum psychologischen Alptraum. 21. 11., 18 Uhr; 24. 11., 15 Uhr (City Kino)

Zwei Klassiker beenden das Programm: Psycho (22. 11., 18.20) und The Birds (23. 11., 18.15)

Alle Infos: www.moviemento.at, Tel. 0732/78 40 90

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Artikel Nora Bruckmüller 09. November 2018 - 07:34 Uhr
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