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Der Nein-Sager vor dem Fernseher

Eine neue Paraderolle für Jim Carrey: Als Bankangestellter Carl Allen lehnt er in „Der Ja-Sager“ Darlehensverträge genauso ab wie Einladungen von Freunden. Er sitzt lieber als Nein-Sager allein vor dem Fernseher. Die Komödie von Peyton Reed läuft heute in Österreichs Kinos an.

Der Nein-Sager vor dem Fernseher

Reichtum bedeutet ihm wenig, was Jim Carrey zum Leben braucht, besitzt er von Geburt an. Bild: warner

OÖN: Kennen Sie solche Typen?

Carrey: Ich habe mich früher oft so verhalten und kenne genug Leute, die sich gewissen Situationen des Lebens verweigern. Ich lebe in den Vereinigten Staaten der Verweigerung.

OÖN: Durch eine Art Guru lernt Filmheld Carl, schlagartig zu allem Ja zu sagen, dadurch entsteht viel Komik.

Carrey: Das alles hat sich Danny Wallace in seinem Buch, das unserem Streifen zugrunde liegt, ausgedacht. Es war ein Konzept, das mir wie angegossen passte. Ich bin ja ständig auf der Suche nach irrwitzigen Stoffen, die aber auch immer zum Nachdenken anregen. Mittlerweile haben mir viele Kinobesucher versichert, dass sie seit unserem Film doppelt so oft Ja sagen.

OÖN: In welcher Situation Ihres Lebens haben Sie ein Ja besonders bereut?

Carrey: Da war ich sechs. Ich ließ mich von Freunden überreden, mit ihnen Militär zu spielen. Daraufhin haben sie erklärt, ich sei der Feind. Sie rasierten mir die Haare ab und haben mich ordentlich gebirnt.

OÖN: Für den „Ja-Sager“ wurden von Ihnen neue Fertigkeiten verlangt. Etwa Gitarre spielen und singen. Wie war’s?

Carrey: Mein Lehrer hat mich gelobt, doch seit Drehschluss habe ich die Gitarre nicht mehr angefasst. Warum soll ich mich abmühen, wenn es Leute wie Eric Clapton gibt?

OÖN: Koreanisch haben Sie auch gelernt?

Carrey: Das war die komplizierteste Aufgabe seit langem. Die Leute rundum waren sehr beeindruckt. Aber für die paar Sätze habe ich zehn Wochen gebraucht.

OÖN: Auf ein Ducati-Motorrad haben Sie sich auch geschwungen?

Carrey: Und ich habe dabei gerufen: „Erblasse, Peter Fonda!“ Nein, im Ernst. Auf dem Motorrad schaffe ich höchstens eineinhalb Häuserblöcke. Dann muss ein Stuntman ran.

OÖN: Ihre Partnerin Zooey Deschanel soll über Sie gesagt haben: „Der ist verrückt! Er verlangt dauernd nach neuen Gefahren!“ Schließlich haben Sie den Bungee-Sprung von der Colorado Street Bridge in Pasadena selbst gemacht...

Carrey: Mir war danach, ich wollte, dass die Zuschauer genau erkennen sollten, dass ich das selbst war. Als ich dann oben auf der Brücke stand, fragte ich mich: Was soll das? Das ist doch Wahnsinn! Zu meiner Überraschung habe ich mir aber den Dialog gemerkt, als ich am Ende mit dem Kopf nach unten hing. Natürlich hat es die Produktionsfirma nur unter der Bedingung zugelassen, dass es am allerletzten Drehtag stattfinden musste.

OÖN: Bei all den Einlagen keine Verletzung?

Carrey: O doch! Aber die habe ich mir bei einem Ausrutscher in einer Bar-Szene geholt.

OÖN: Sie wuchsen in ärmlichen Verhältnissen auf. Als Ihr Vater, ein Musiker, seinen Job verlor, wohnte die sechsköpfige Familie über längere Zeit in einem Wohnmobil. Trotzdem waren Sie immer ein Spaßvogel. Wann haben Sie bemerkt, dass Sie Menschen zum Lachen bringen können?

Carrey: In der zweiten Klasse. Ich stand ganz hinten und imitierte einen Musiker. Meine Lehrerin wollte mich bloßstellen und ließ mich das vorne vor allen Mitschülern wiederholen. Auf einmal brach heftiger Jubel aus. Ich wurde zum Klassenkasperl Nummer eins. Danach war ich, wie Sie nun wissen, nicht mehr zu halten.

OÖN: Sie haben von Anfang an fest an sich geglaubt?

Carrey: Klar. Alsbald begann ich, mir selbst 10-Millionen-Dollar-Schecks auszustellen, um mich für meine Karriere zu motivieren. Seither schreibe ich Dinge, die ich erreichen will, immer auf. Das motiviert mich.

OÖN: Sie sind einer der höchstbezahlten Hollywood-Stars. Was bedeutet Ihnen Reichtum?

Carrey: Wenig. Alles, was ich zum Überleben brauche, besitze ich von Geburt an.

OÖN: Viele meinen, mit Ihrer Art der Komik wären Sie schon zur Stummfilmzeit ein Star geworden. Würde Sie ein Stummfilm reizen?

Carrey: In einem Stummfilm einen Stummen spielen – das wäre was!

OÖN: Seit Ihrer Mitwirkung in „Dirty Harry 5“ haben Sie zu Clint Eastwood ein besonders herzliches Verhältnis?

Carrey: Ich war damals zum Vorsprechen bei ihm zu Hause und machte eine Elvis-Imitation. Damit war das Eis sofort gebrochen. Er spielt das Video seither allen Besuchern vor.

OÖN: Wann haben Sie zum letzten Mal Nein gesagt?

Carrey: Als mich Scarlett Johansson fragte, ob ich Sex mit ihr haben möchte. Dann bin ich aufgewacht. Welch ein schöner Traum!

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Artikel Von Ludwig Heinrich aus London 19. Februar 2009 - 00:04 Uhr
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