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Der "Extremgitarrist" der Chefpartie und seine filmische Lebensbilanz

OÖN-Interview: Karl Ritter über den Dokumentarfilm "Guitar Driver" und die Musik.

Der "Extremgitarrist" der Chefpartie und seine filmische Lebensbilanz

Karl Ritter, Jahrgang 1959, bezeichnet sich selbst als Musikbesessener und Improvisator auf der Gitarre. Bild: privat

Die Musik kam zu ihm. Als Kind. Seither hat sie Karl Ritter aus Stockerau nicht mehr losgelassen. Der "Extremgitarrist", der unter dem Pseudonym Leopold Karasek jahrelang zur Chefpartie von Ostbahn-Kurti gehörte, spielt lieber, als zu üben, und hat sich so künstlerisch in Welten vorgewagt, die noch nicht so viele Menschen vor ihm in dieser Intensität bespielt und erlebt haben. Im Dokumentarfilm "Guitar Driver" (ab Freitag im Kino) bekommt man ein Gefühl für den Musiker und Menschen Karl Ritter, den die OÖN um 9 Uhr früh zum Interview trafen.

 

OÖNachrichten: Dem Musiker sagt man eine Affinität zur Nacht nach. Sie sind offenbar ein Morgenmensch. Sind Sie ein Gegenentwurf zum Klischee?

Karl Ritter: Das würde ich so nicht sagen. Ich stehe zwischen 6 und 7 Uhr früh auf, kann es mir aber nicht mehr wie früher leisten, drei oder vier Nächte erst gegen Mitternacht ins Bett zu gehen. Dann fehlen mir die Stunden.

Im Film "Guitar Driver" sagen Sie, dass Sie die Ruhe am Morgen genießen. Ist es nur das?

Am Morgen erlebt man, wie alles erwacht. Früher, als die Kinder noch klein waren, habe ich natürlich die Ruhe noch mehr genossen (lacht). Heute mag ich es, das Frühstück zu holen und zu sehen, wie die Menschen in die Arbeit gehen. Weil ich wieder nach Hause gehen kann (lacht).

Wie ist es Ihnen gegangen, als Sie "Guitar Driver" das erste Mal gesehen haben?

Mich selbst zu sehen, hat mich nicht so irritiert. Wir haben lange an dem Film gearbeitet, es wurde viel geschnitten, denn es ging darum, dass die Dramaturgie stimmt. Wir hatten keinen roten Faden. Ich erzähle einfach meine Geschichten, und wir haben darauf geschaut, dass es über die eineinhalb Stunden nicht fad wird. Ich sehe das wie eine Symphonie.

Die Musik hat Sie entdeckt, sagen Sie im Film. Die Musik hat Sie nie losgelassen. Haben Sie für sich schon eine Erklärung dafür gefunden, warum das so ist?

Nach einer Erklärung habe ich gar nicht gesucht. Wofür? (lacht) Ich spiele Musik, weil ich es gerne mag, und habe eine gewisse Besessenheit entwickelt. Die Musik hat für mich immer die Wichtigkeit gehabt, von dem Moment an, als ich im Alter von 12 Jahren die Gitarre bei meinem Cousin entdeckt und begonnen habe, darauf zu spielen. Ich war von Anfang fasziniert und begeistert. Es hat gefunkt, und von da an war in meinem Kopf nur mehr Musik, Musik, Musik.

Was bedeutet Ihnen Musik?

Ich sehe die Musik im weitesten Sinn auch als Therapie, indem man man seine eigene Geschichte aufarbeitet. Das Musikmachen war so gesehen immer wie ein eigenes Universum, in dem ich mich bewegen kann. Schon mit 14 war mir klar, dass ich Musiker werde.

Leben Sie deshalb nach dem Motto "Nicht üben, nur spielen"?

Ich glaube, es gibt dieses Erzähl-Gen, das nicht jeder hat und mit dem man Menschen berührt. Ich habe es. Darum habe ich nicht geübt, sondern nur die Gitarre genommen und improvisiert.

Wann haben Sie erkannt, dass Sie Talent für die Musik haben?

Das ist nach und nach gekommen. Was mich stets weitergebracht hat, war, dass ich mit besseren Leuten gespielt habe. Wie Joe Zawinul gesagt hat: Als Schlechtester in eine Band einsteigen und als Bester wieder aussteigen – das war auch mein Lernprozess.

Und dann wurden Sie Gitarrist der Chefpartie.

Bis dahin sah ich mich nie als Gitarrist. Dann musste ich Soli spielen. Zu dieser Zeit war ich immer noch ein Musikbesessener, dem die Selbstdarstellung nicht so wichtig war. Mir war eine eigene musikalische Sprache wichtig.

Sie haben mit der Chefpartie große Erfolge gefeiert. Sind Sie nie der Versuchung erlegen, Ihre Musik auch so anzulegen?

Nein, ich habe für den Ostbahn Lieder geschrieben. Selbst habe ich nicht das Bedürfnis gehabt, sie zu singen. Ich habe in der Chefpartie aufgehört, weil es mir nicht mehr getaugt hat. In so einem Moment pfeife ich aufs Geld. Ich habe nie wegen dem Geld Musik gemacht. Wenn ich merke, dass mir etwas nicht taugt, dann mache ich es nicht. Das ist für mich vertane Zeit. Das zieht sich durch mein ganzes Leben. Und das ist befreiend. Ich habe keine Ansprüche, esse einen Monat lang auch nur Erdäpfel, wenn es sein muss. Ich brauche nichts außer meiner Kunst.

Trailer: 

 

Der Film:  "Guitar Driver" (Ö 2018, 84 Min., Regie: Walter Größbauer) ist erzählte Lebensgeschichte und eine entspannte und bildgewaltige Reise mit Ritters Musik im Hintergrund. So bleibt immer Zeit, das Gehörte zu verarbeiten. Ein ruhiger und sehr persönlicher Film, der dem Menschen Karl Ritter gerecht wird.

OÖN Bewertung:

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Artikel Reinhold Gruber 11. Juli 2018 - 00:04 Uhr
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