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Der Doyen

Helmut Ortner, Begründer des Linzer Kellertheaters, wird heute 90

Helmut Ortner   Bild: VOLKER WEIHBOLD

Es ist nicht überliefert, wie viele Menschen Helmut Ortner, der Mime, mit seinem Schauspiel in der Hauptsache zum Lachen und manchmal auch zum Nachdenken gebracht hat. Das ist ihm auch gar nicht so wichtig, wiewohl es dann doch Zigtausend gewesen sein müssen, die bei ihm im Linzer Kellertheater, das er 1954 am Hauptplatz ins Leben gerufen hatte, zu Besuch waren. Heute wird der Doyen der Linzer Schauspielerei 90 Jahre alt.
Seine Bühne wird dann ein Hotel am Lago Maggiore sein, wo einst schon Persönlichkeiten wie Winston Churchill oder Mitglieder des britischen Königshauses logiert haben. Gemütlich feiern will er dort in bester Gesundheit und dank dreier Fitnessstudio-Besuche pro Woche auch noch hervorragend in Form.

Das Kreuz mit dem Text

Die Bühne des Kellertheaters hat er vor fünf Jahren verlassen. Mit seinem Kollegen und Freund Gerhard Brössner war er noch einmal bei „Die Eisernen“ der beliebte und begabte Akteur unterm G’wölb seines kleinen, feinen Theaterhauses. „Ich hab‘ mich von der Bühne verabschiedet, weil ich mir schon schwer tue mit dem Text lernen. Obwohl ich einen Faust, einen Hamlet oder eine Maria Stuart noch heute auswendig kann. Schon komisch, das mit dem Langzeitgedächtnis“, sagt Ortner.

Die lebende Linzer Theaterlegende hatte stets einen hohen Qualitätsanspruch, vor allem dann, wenn Komödien auf dem Spielplan standen, weil: „Einen Kasperl herunterreißen, das ist keine Kunst. Es gibt Rollen, da unterhält sich das Publikum und geht dann doch weinend hinaus.“

Sternstunden hat er mit seinen Theaterkollegen viele erlebt, eine hat er sich selbst geschenkt – im Jahr 1990 mit der „Sternstunde des Josef Bieder“.

Bevor es zu derart großen Theatermomenten kommen konnte, musste der „Herr Professor“ viele Hürden überspringen. Anfang der 1950er-Jahre hatte der gebürtige Aschacher seine Schauspielausbildung abgeschlossen und auch gleich ein Engagement als jugendlicher Liebhaber in Baden bei Wien ergattert. Was ihm fehlte, waren je ein Tages- und Abendanzug, zwei Paar Schuhe, Socken und Hemden.

„Also habe ich mich in der Voest beworben, um Geld zu verdienen“, erinnert sich Ortner. Und weil es dort nach dem Krieg viele Schauspieler ohne Engagement gab, gründete Ortner, unter anderen mit Ernst Ernsthoff, die „Voest-Bühne“.

Nach einigen Zwischenstationen landeten Ortner und seine Kollegen 1953 schließlich in einem ehemaligen Pferdestall, dem heutigen Kellertheater. Im Jänner 1954 wurde das Haus mit einer Uraufführung des Linzer Schriftstellers Karl Wiesinger – „Der große Wugram“ – eröffnet. Im selben Jahr wurde Helmut Ortner – der auch große Verdienste um das heimische Amateurtheater hat – vom Linzer Landestheater engagiert - um es nach nur acht Produktionen wieder zu verlassen: „Ich wollte mein eigener Herr sein und mir nicht sagen lassen, was gespielt wird.“

Immer wieder brillierte Ortner in diversen Hauptrollen – als junger Liebhaber und später im Charakterfach. Doch einer, der die Menschen im besten Sinne unterhält, sie zum Lachen bringt, hat auch seine privaten Schattenseiten erlebt. Etwa den Unfalltod seiner damals zwölfjährigen Tochter Bettina oder der tödlichen Krebserkrankung seiner ersten Frau Adele. Jahre später hat er in Elisabeth eine neue Frau gefunden. Auch sein eigenes Leben hing in jungen Jahren am seidenen Faden. Als 17-Jähriger im Fronteinsatz überlebte er einen Fliegerangriff nur mit viel Glück.

Dritte Generation im Anmarsch

Die Geschicke seines Theaterhauses hat er längst – im Jahr 1990 – an seinen Sohn Wolfgang übergeben, der Organisations- und Schauspieltalent in Personalunion ist. Auch eine dritte Generation der Ortner‘schen Schauspieldynastie ist bereits auf Bühnenbrettern zu sehen: Maximilian Ortner ist Mitglied des Schauspielstudios am Landestheater.

Helmut Ortner hat schon als Kind davon geträumt, dass ihm die Menschen zuklatschen und Rosen streuen. Dieser Traum ist oft und oft in Erfüllung gegangen. Zu seinem 90. Geburtstag kommt noch eine tiefe Verbeugung dazu.

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Artikel Helmut Atteneder 11. April 2017 - 00:04 Uhr
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