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Das ist ganz im Ernst ein Jux – genau so, wie Nestroy ihn gemeint hat

"Einen Jux will er sich machen": Die St.-Josefs-Bühne Timelkam spielt die Posse fein nuanciert, aktualisiert, vor allem aber "klassisch".

Das ist ganz im Ernst ein Jux – genau so, wie Nestroy ihn gemeint hat

Bernhard Harringer als Zangler, Karl Erkner als Schneidermeister Hupfer und Herbert Seiringer als Melchior (v.l.) Bild: Grünbacher

Die St.-Josefs-Bühne Timelkam gehört zu den besten Amateurgruppen im Land. 1981 begann die Gemeinschaft, allesamt Mitglieder der Katholischen Jugend, mit "Die Weiberfeinde", schnell wurde das Repertoire anspruchsvoller, man spielte den "Talisman", "A Clockwork Orange", "Jesus Christ Superstar" und 2011 "Anatevka". Diese Produktion wurde auf Einladung sogar im Großen Haus des Linzer Landestheaters gegeben.

Am Freitag wurde im Pfarrsaal die neue Spielsaison mit dem Possenklassiker "Einen Jux will er sich machen" von Johann Nepomuk Nestroy eröffnet. Im Nu waren 4500 Karten verkauft, und die Premierenbesucher hatten das Privileg, einen runden, fein abgeschmeckten und vor allem klassischen Jux zu sehen. Klassisch, weil das Stück ohnehin zeitlos modern ist und keine verkrampften Aktualitätsbezüge braucht. Klassisch, weil in den von einem feinen Quintett begleiteten Couplets (geschrieben von Andreas Krautschneider und Lotte Bachmann) das Hier und Heute mit Humor besungen wurde. Klar, dass auch der Steinbichler-Leo (für das Team Stronach im Nationalrat) eine Strophe (ab)bekam.

Bezaubernd und spektakulär zugleich war – wieder einmal – das Bühnenbild. Besser gesagt, die sechs Bühnenbilder, die Bühnenbauer Alois Hangler – im Brotberuf Leiter der Produktentwicklung bei Team 7 – konzipiert hat. Zwei Mal wurde die Kulisse bei offenem Vorhang gewechselt – ein Spektakel für das Publikum.

Auch die Regiearbeit hat Hangler über. Mehr als 20 Akteure musste er besetzen, auch hier scheinen die Timelkamer aus dem Vollen schöpfen zu können. Wie beim Nachwuchs. Dominik Böhm (15) gab bei seiner Premiere einen rotzfrechen Christofferl. Andreas Krautschneider war als Weinberl eine Idealbesetzung, Gabi Schlager eine unfreiwillig komische Frau Gertrud, Rebecca Binder eine nasal-feine Madame Knorr und Herbert Seiringer ein "klassischer" Melchior – im Stile Hans Mosers.

Zum Schluss standen mehr als 50 Mitwirkende auf der Bühne – und sie alle haben sich einen Applaus verdient. Ebenso wie Helmut Boldog, den sich die Timelkamer als Regiebegleiter und Dramaturgen geholt haben. Auch das spricht für diese Gruppe. Die Timelkamer wollen immer dazulernen, immer besser werden. Mit diesem Jux ist das ganz im Ernst gelungen.

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Artikel Helmut Atteneder 23. Februar 2015 - 00:04 Uhr
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