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Das größte, jüngste Orchester und eine Sinfonie ganz ohne Noten

"Wir sind eine Sinfonie!" vereinte 600 Kinder im Linzer Brucknerhaus zu einem Improvisationsorchester der Laute und Klänge.

Das größte, jüngste Orchester und eine Sinfonie ganz ohne Noten

Norbert Trawöger (li.) dirigiert das Improvisationsorchester. Bild: R. Winkler

Der Große Saal im Linzer Brucknerhaus wurde gestern zum Orchestergraben für den vielleicht größten Klangkörper, der jemals dort zu erleben war, und das gleich mit einer Welturaufführung: 600 Kinder ließen eine Sinfonie entstehen, zu der es weder Noten gibt noch Instrumente bedarf, außer der Stimme und des Körpers.

Von der Bad Ischler Flötistin Cordula Bösze stammt das Konzept zum Improvisationsorchester, für das ihr Welser Kollege Norbert Trawöger in den vergangenen Wochen mit 28 Schulklassen eifrig geprobt hat. Der Mühe Lohn war ihm gewiss: Ein langgezogenes A aus 600 Kehlen machte den Auftakt für das mehrsätzige, 15 Minuten dauernde Werk. Blaue, gelbe Luftballons gaben den Kindern – in drei Gruppen aufgeteilt – ihre Einsätze, die es zu beachten gilt, wie in jedem anderen Orchester auch.

"Pffffff" ruft eine Gruppe den Wind herbei, schickt Böen durch den Saal, je nach Gesten einer Assistentin anschwellend oder verebbend. "Schschschsch" setzt die zweite Gruppe ein. Ein Akkord der Laute entsteht, dem die dritte Gruppe mit einem "p"-Staccato den Rhythmus beisteuert.

Der Körper als Klangkörper

Eine Armbewegung – und im Saal ist es plötzlich mucksmäuschenstill. Alle Augen sind auf die Zeichen der Dirigentinnen, des Dirigenten gerichtet, die Vorlagen liegen auf dem Pult. Chaos herrscht nur, wenn die Kinder aufgefordert sind, durcheinanderzumurmeln. Stimmlos geflüstert, gesummt, gesprochen, einmal lauter, dann wieder leiser wird die Stimme zum Instrument für die Laute der Sprache und ihrer schier grenzenlosen dynamischen Möglichkeiten. Der Brustkorb, die Wangen werden zum Percussion-Instrument, der Körper zum Klangkörper. Stampfen, Klatschen – die akustische Ausdruckspalette gleicht einem weiten Meer, das Wellen schlägt, verebbt, über dem eine sanfte Brise weht oder auch ein wilder Sturm toben kann. Der Zuhörer taucht ein in diese Welt der Laute und Geräusche, die sich im Zusammenklang zu einem großen, strukturierten Ganzen formen – einer Sinfonie im wahrsten Wortsinn. Das Finale mündet in tosenden Applaus, in den das Publikum auf der Bühne miteinstimmt.

Jeder kann mitmachen

Den Kindern steht die Freude ins Gesicht geschrieben. Spielerisch sind sie zur Aufmerksamkeit und Konzentration herausgefordert, entdecken ihren Körper als Instrument, das vielleicht bis dahin ungeahnte wie einfache Möglichkeiten für sie bereithält. Und sie erfahren, dass selbst Musik machen gar nicht so schwer ist. Sondern auch ein gemeinsames Spiel sein kann, für jede und jeden. Und das vor allem eins bereitet: Freude.

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Artikel Karin Schütze 28. Juni 2014 - 00:04 Uhr
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