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"Das Reserverad eines Regisseurs"

Der Bühnenbildner Georg Lindorfer wird am Freitag mit dem Großen Bühnenkunstpreis des Landes ausgezeichnet.

"Das Reserverad eines Regisseurs"

Der gelernte Fleischhauer und studierte Bühnenbildner Georg Lindorfer Bild: Herzenberger

"Seine Bühnenbilder unterstützen die Vorstellungen und etablieren dabei immer eine eigene Ebene auf künstlerisch hohem Niveau", hieß es in der Jury-Begründung. Dafür erhält Georg Lindorfer den mit 7500 Euro dotierten Großen Bühnenkunstpreis des Landes Oberösterreich. Den Anerkennungspreis (3000 Euro) erhält Schauspieler Franz Froschauer für seine Darstellung im Ein-Mann-Stück "Eichmann". Die Preise werden am Freitag in der Bruckmühle Pregarten überreicht.

OÖNachrichten: Was bedeutet solch ein Preis für Sie?

Georg Lindorfer: Das war schon eine große Überraschung! Denn so viele Preise habe ich bisher noch nicht bekommen: den ersten in der Volksschule für eine Zeichnung. Und 1991 mit Joachim Eckl einen Landesförderpreis in Höhe von 10.000 Schilling. Mit diesem Geld haben wir den damaligen Landeshauptmann Ratzenböck im Casino spielen lassen, und er hat prompt die Summe verdoppelt!

Das Bühnenbild für Theaterproduktionen ensteht ja meist schon sehr früh?

Ja, denn es konkretisiert die Ideen des Regisseurs, und bei den Proben steckt das Bühnenbild ja auch den Raum für die Schauspieler ab. Damit wird das Umfeld geordnet.

Der Weg zum Bühnenbildner verlief bei Ihnen nicht ganz geradlinig?

Ich habe vorher eine Fleischhauerlehre gemacht, erst danach, ab 1980, habe ich Bühnenbild zu studieren begonnen. Ich bin da zufällig hineingekommen, denn ich war vorher nie in einem Theater – außer einige Male in Rohrbach bei Schülervorstellungen. Ein Freund hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass man am Mozarteum in Salzburg bei Bruno Gallé Bühnenbild und Kostüm studieren kann. Da habe ich angefangen, und das hat mir eine Tür in diesen Kosmos der Theaterwelt eröffnet, in dem ich seither lebe.

Was sind in Ihrer Erinnerung die besonderen Bühnenbilder und Herausforderungen?

Für mich ist von Beginn an das Theater Phönix sehr wichtig gewesen. Das erste Stück, für das ich ein Bühnenbild gemacht habe, war dort "Mein Kampf" von George Tabori. Mein allererstes Bühnenbild war vor 30 Jahren "Der zerbrochne Krug" in Salzburg für eine freie Theatergruppe.

Mit Bühnenbildern, Werkzeug, Requisiten in einer Wohnung – lebt es sich da sehr chaotisch?

Ich lebe schon in einem gewissen Chaos, aber es hat sich einiges geändert, seitdem auch ich in die Computerwelt hineingekippt bin (lacht)!

Was passiert mit den vielen Bühnenbildern und Requisiten, die Sie gestaltet haben?

Ich versuche vieles wiederzuverwenden. Auch als Bühnenbildner sollte man sparsam sein. Das Lagern ist außerdem meist ein Platzproblem in den Theaterhäusern.

Wie hoch sind Bühnenbild-Budgets?

Das ist sehr verschieden. Im Theater des Kindes sind es rund 2000 Euro, aber ich habe auch vor Jahren mit 3000 Schilling (rund 218 Euro) schon ausgestattet. Bei Landestheatern gibt es bis zu 25.000 Euro für ein Ausstattungsbudget mit Bühnenbild und Kostümen.

Gibt es eine fixe Gage für einen freiberuflichen Bühnenbildner?

Nein, das ist von einer zur anderen Produktion immer wieder neu auszuhandeln.

Regisseure nehmen ja auch gerne dasselbe Team zu verschiedenen Häusern mit...

Als Bühnenbildner ist man das Reserverad eines Regisseurs. Natürlich gibt es Regisseure, die gerne immer dasselbe Team um sich haben. Aber es gibt auch Regisseure, die ihre langjährigen Streckenposten im Laufe der Jahre am Weg zurücklassen...

Zuletzt hat Georg Lindorfer das Bühnenbild im Theater des Kindes zu "Nachbars Garten" gestaltet.

 

Georg Lindorfer

1962 geboren in Rohrbach im Mühlviertel, nach einer Fleischhauerlehre studierte er 1980– 1988 Bühnenbild am Mozarteum in Salzburg bei Prof. H. B. Galleé. Seit 1989 freischaffend tätig: Bühnenbilder für u.a. Theater Phönix, Landestheater Linz, Linzer Theater des Kindes, an den Staatstheatern von Aachen, Regensburg, Saarbrücken, Kleines Theater Salzburg, Landestheater Graz, Volkstheater Wien.

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Artikel Silvia Nagl 09. März 2016 - 00:04 Uhr
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