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"Das Leben ist wichtiger als politische Spiele"

Interview: Der russische Künstler Leonid Tishkov über die Lentos-Schau "Lenin : Eisbrecher" und Pussy Riot.

"Das Leben ist wichtiger als politische Spiele"

Leonid Tishkov und sein Tiefseetaucher Bild: Lentos

Im vergangenen Herbst enterten russische und österreichische Künstler in Murmansk die "Lenin", den ersten atombetriebenen Eisbrecher der Welt. Die Ausstellung mit Arbeiten, die den Ort und die Historie des einstigen Prestigeobjekts reflektieren, ist bis 25. Mai in adaptierter Form im Linzer Lentos zu sehen. Gezeigt werden auch Werke des Russen Leonid Tishkov, mit dem die OÖNachrichten sprachen.

 

OÖNachrichten: Worin unterscheidet sich die Ausstellung auf dem Eisbrecher von der Präsentation im Linzer Lentos?

Leonid Tishkov: Es werden dieselben Arbeiten gezeigt, und doch ist es eine andere Schau. Jede Installation birgt einen enormen erzählerischen Hintergrund über den Eisbrecher Lenin, das weite Land, Murmansk, Greenpeace und Öl. Wenn ich diese Objekte jetzt anschaue, denke ich an die Ukraine, wo die Menschen Lenin-Statuen zerstörten. Dadurch wirkt die Ausstellung sehr aktuell. Und meine Arbeiten, wie der Tiefseetaucher mit der Chaos-Flagge, sehen wie die ukrainische Revolution aus. Ich habe das Töten nicht verstanden. Wofür? Das Leben ist doch wichtiger als politische Spiele.

Wofür steht Ihre Figur des Tiefseetauchers?

Er hat auch etwas Metaphysisches, eine Figur, die hinter die Wirklichkeit blickt.

Wie lebt es sich als Künstler?

Ich lebe in einer idealistischen Welt, was es in der Gesellschaft nicht immer leicht macht – manchmal glaube ich, auf dem Mond zu sein. In meiner Vorstellungskraft fühle ich mich frei. Als Künstler ist man überall frei, selbst im Gefängnis.

Kamen Sie mit Ihrer Arbeit je in Konflikt mit dem politischen System?

Vor 20 Jahren arbeitete ich sehr ironisch und konzeptuell, und legte in Cartoons und Comics politische Klischees frei. Damals war mein Werk politischer. Mit dem Alter wurde ich ruhiger und meine Arbeit poetischer. Aber das war meine Entscheidung, weil man mit Ironie die Welt nicht in ihrer Ganzheit erfassen kann. Als ich mit meinen poetischen Symbolen begann, war die politische Situation sehr ruhig. Das hat sich geändert, es gibt mehr Druck auf die Freiheit, auf die Demokratie – aber ich bleibe bei meiner Art.

Sie versuchen es mit Poesie, Pussy Riot geht den aktionistischen Weg.

Ich unterstütze Pussy Riot, rede und schreibe darüber, dass mir ihr Aktivismus gefällt. Aber ich bin kein praktizierender Revolutionär, sondern der Träumer einer idealistischen Zukunft. Mein Manifest ist John Lennons Lied "Imagine". Für mich geht es darum, menschlich in einer unmenschlichen Welt zu sein.

"Lenin : Eisbrecher", bis 25. Mai im Linzer Lentos

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Artikel Bernhard Lichtenberger 01. April 2014 - 00:04 Uhr
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