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Circus Roncalli verzichtet jetzt auf Tiere und Plastik

WIEN. Artisten, Attraktionen, aber keine Tiere: Der Circus Roncalli schlägt ab Mittwoch wieder seine Zelte am Wiener Rathausplatz auf, danach geht es weiter nach Graz, Linz und Berlin. Die neue Show verzichtet aber erstmals vollständig auf animalische Einlagen.

INTERVIEW: BERNHARD PAUL

Circus Roncalli macht nach Wien in Graz, Linz und Berlin Station. Bild: HERBERT NEUBAUER (APA)

"Es kommt ja niemand zum Roncalli, um Tiere zu sehen. Diese Leute sollen nach Schönbrunn gehen", meint Direktor Bernhard Paul im APA-Interview. Der Politik empfiehlt er mehr Zirkusatmosphäre.

"Storyteller" heißt das aktuelle Programm, das bis Mitte Oktober in Wien gezeigt wird. Davor hatte der Tross bereits in Innsbruck Station gemacht, danach geht es weiter nach Linz, Graz und Berlin. In der Landeshauptstadt schlägt Roncalli von 16. November bis 9. Dezember seine Zelte auf. Vorstellungen gibt es mittwochs bis samstags jeweils um 15 und um 19.30 Uhr, an Sonn- u. Feiertagen um 14 und um 18 Uhr.

Tiere "nimmer zeitgemäß"

Warum diesmal keine Tiere? "Wer transportiert heute noch Nilpferde, Nashörner und Giraffen über die Autobahn im Stau? Das ist nimmer zeitgemäß. Die anderen sollen machen, was sie wollen, aber wir machen einen tierfreien Zirkus", erklärt Paul. Wobei der Hausherr sowieso nie auf richtige Exoten gesetzt hat. Zuletzt habe man gerade noch eine Handvoll Ponys gehabt.

Ganz verzichten auf herumtrabende Hingucker will Paul aber nicht. Also lässt er Pferde und Elefanten als 3D-Hologramme in der Manege auftreten. Möglich macht das moderne Beamertechnik. Ansonsten setzt man auf rein menschliches Können: "Wir haben die besten Artisten - neun der besten Clowns, die ich finden konnte." Sie führen durchs Programm. Stolz ist der Hausherr auch auf eine Nummer, die er in Paris eingekauft hat: "Ein Chinese, der unglaubliche Dinge mit Stühlen macht - bis hinauf in die Kuppel." Nichts für Schwindelfreie, denn immerhin ist das Roncalli-Zelt in der Mitte rund 16 Meter hoch.

150 Leute beschäftigt der Direktor, rund die Hälfte steht vor dem Vorhang. Sie kommen aus 28 Nationen. "Bei uns ist das alles kein Problem - egal welche Hautfarbe oder Religion. Es kommt nur darauf an, was einer kann. Das empfehle ich der Politik auch", sagt Paul. Um gute Artisten zu finden, schwärmt ein eigenes Castingteam regelmäßig in alle Welt von Kuba über Russland bis Frankreich aus. Gerade habe man eine Nummer eingekauft, die im kommenden Programm Platz finden wird und bei der ein Akrobat aus Fleisch und Blut mit einem Autobauroboter Kunststücke vorführen wird.

Video: Circus Roncalli mit neuer Show

Foodtrucks von Bio- bis Veggie-Essen

Paul selbst ist ein alter Hase im Geschäft. Das Unternehmen mit Sitz in Deutschland hat er vor 41 Jahren mit Andre Heller gegründet. Der Anfang war nicht allzu vielversprechend, denn die beiden überwarfen sich kurz nach der ersten Premiere, das Projekt ging pleite. Paul schaffte einen Neustart, seither läuft die Sache. Sein Erfolgsgeheimnis? "Zirkus ist dann gut, wenn das Kleinkind und der Intellektuelle an der gleichen Stelle lachen und staunen." Freilich müsse man immer wieder Kurskorrekturen vornehmen - aber: "Es muss nicht immer größer, höher und teurer werden. Es muss besser werden." Und man muss offenbar mit der Zeit gehen. Insofern werden diesmal nicht nur Tiere, sondern auch Plastik verbannt. "Irgendwer muss ja damit anfangen", versteht sich der Chef gewissermaßen als Ökopionier. Foodtrucks von Bio- bis Veggie-Essen finden in der laufenden Saison ebenfalls am Zirkusareal Platz.

Der Direktor selbst ist übrigens inzwischen 71 Jahre alt. Die Chancen, dass der Betrieb in Familienhand bleibt, ist jedenfalls groß. Denn alle drei Kinder Pauls arbeiten mit. Er habe ihnen stets gesagt: "Macht's was ihr wollt's", aber sie würden dieses "Paradies" schützen wollen: "Weil sie merken: Außerhalb des Zauns ist eine ganz andere Welt, als die heile Welt des Circus Roncalli." Ans Aufhören denkt der Hausherr aber sowieso noch nicht: "Irgendwann werde ich beim Lesen eines bürokratischen Papiers tot umfallen oder so. Aber ich habe nicht vor in Rente zu gehen. Picasso ist nicht in Rente gegangen und Keith Richards ist auch noch auf Tour - und der ist älter als ich."

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Artikel nachrichten.at/apa 11. September 2018 - 11:20 Uhr
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