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„Candide“ oder vom Spaß des Lebens

Volksoper: Premiere von Leonard Bernsteins „Candide“, 22. 1. OÖN Bewertung: sechs von sechs Sternen

„Candide“ oder vom Spaß des Lebens

Kim Criswell, Jennifer O’Loughlin Bild: B. Palffy / Volksoper

Mit Leonard Bernsteins Comic Operetta „Candide“ nach Voltaires gleichnamigem Aufklärungsroman hat die Volksoper einen Riesenerfolg verbuchen können – allerdings nur konzertant. Wie schon vor zwei Jahren mit Rodgers & Hammersteins „South Pacific“ widmete man sich einem Klassiker des modernen Musiktheaters, der nicht nur bei uns so gut wie nie gespielt wird. Das liegt wahrscheinlich an der höchst komplexen Story, die nur unter größtem szenischen Aufwand sinnvoll auf die Bühne gebracht werden und selbst da nur aufgrund der genialen Musik bestehen könnte. Somit war die Entscheidung der Volksoper, die konzertante Fassung von Loriot, der dafür höchst amüsante Zwischentexte geschrieben hat, zu wählen, sicherlich die richtige. Zumal keiner der Sänger bloß steif seine Noten abgesungen hat.

Im Zentrum des Geschehens stand Robert Meyer, der Loriots Text köstlich amüsant vortrug, als hätte ihn dieser dem Volksopernchef höchstpersönlich auf den Leib geschrieben. Darum scharten sich die skurrilen Figuren aus Voltaires Roman – allen voran Jennifer O’Loughlin. Mit ungemein viel Witz und Charme sowie einer absolut perfekt geführten Stimme hat sie wahnwitzige Hits wie „Glitter And Be Gay“ derart mitreißend gestaltet, dass ihr minutenlang Applaus gezollt wurde. Einfach eine ganz hervorragende Leistung, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Aber auch die für Marjana Lipoek eingesprungene Kim Criswell hat vor allem schauspielerisch und in ihrer unnachahmlichen Textausdeutung viel zu bieten und begeisterte restlos als „Old Lady“.

Frenetischer Beifall

Auch mit Stephen Chaundry hat man den richtigen Interpreten für die Hauptrolle gefunden, der den Candide als durchaus ernsten und doch den Freuden des Lebens nicht abgeneigten Weltenbummler charakterisierte und auch gesanglich viel Leidenschaft und tenoralen Schmelz versprühte.

Das gelang auch Morten Frank Larsen als Pangloss / Martin, Steven Scheschareg als Maximilian und Otaniel Gonzaga als immer noch höchst stimmsicherer Gouverneur. Auch die kleineren Partien waren brillant besetzt, und der bestens von Michael Toma-schek einstudierte Chor rundete das bemerkenswerte Ensemble ab. Zusammengehalten wurde das Ganze von Joseph R. Olefirowicz, der mit dem bestens disponierten und gelaunten Volksopernorchester viel Schwung und Energie in den Abend pumpte und es trotzdem nicht einfach musicalmäßig knallen ließ, sondern eher die feinen Seiten der komischen Oper(ette) hervorkehrte und Leonard Bernstein als genialen Komponisten und Instrumentator zeigte.

Bei derartiger Perfektion und zugleich höchstem Unterhaltungswert war der frenetische Zuspruch sicher und voll und ganz gerechtfertigt.

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Artikel Michael Wruss 24. Januar 2012 - 00:04 Uhr
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