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Bruckneruni-Professor wurde mit dem Österreichischen Kunstpreis geehrt

Der gebürtige Wiener Christoph Cech leitet das Institut für Jazz und Improvisierte Musik.

Bruckneruni-Professor wurde mit dem Österreichischen Kunstpreis geehrt

Mit seiner Chaud-Band tritt Christoph Cech am 10. Jänner bei den "Winter Jazz Nights" an der Bruckneruni auf. Bild: privat

"Mein Schaffen ist nicht so leicht einzuordnen. Dass so weitläufige Tätigkeitsfelder bemerkt werden, hat mich schon sehr gefreut", sagt Christoph Cech (56). Der Jazzmusiker, Komponist und Professor am Institut für Jazz und Improvisierte Musik (JIM) der Linzer Bruckneruniversität, das er 15 Jahre lang geleitet hat, erhält am 25. Jänner den Österreichischen Kunstpreis für Musik verliehen.

In eine musikalische Familie geboren, wuchs Cech in Wien auf. Mit zarten zwölf begann der Klavierschüler "die Stücke halt anders weiterzuspielen, statt den Noten zu folgen." Der Beginn seiner Leidenschaft für die Improvisation.

Passionierter Pädagoge

"Wenn Musik die Kunst ist, die sich am meisten in den Moment hineinstellt, ist ihre reinste Form das Improvisieren", das Schöpfen aus dem Augenblick. Womit Jazz auch "eine spannende gesellschaftspolitische Ansage" sei, gerade in Zeiten wie diesen: "Jeder Mensch ist singulär. Als Kunst, die das Individuum ins Zentrum des Moments stellt, widersetzt sich die Improvisation im Jazz dem Über-den-Kamm-Scheren von Menschen, sei es als Konsumenten, als Kanonenfutter in Kriegen oder als Mitläufer von eigenartigen Parteien."

Eine Verantwortung, für die der Pädagoge, der 1999 Direktor des Instituts JIM wurde, auch seine Studierenden sensibilisieren möchte. "Unterrichten ist etwas Wunderbares, es muss ein immanenter Teil der Kunst sein. Man lernt ja selbst lebenslang. Ich lerne ganz viel von meinen Studierenden." Rund hundert Talente werden derzeit am Institut JIM ausgebildet. An passionierten Musikern mangelt es nicht, aber mitunter am Publikum. Was vor fünfzig Jahren noch anders war: "Jazz gehört zu den bedeutendsten musikalischen Erfindungen des 20. Jahrhunderts. In den 50er-, 60er-Jahren war Jazz die Musik der Studenten. Alle engagierten intellektuellen Leute haben Jazz gehört. Damals hat es viele Clubs und Festivals gegeben", erzählt Cech.

Jazz als Kunst statt Kommerz

Während Musiker und Publikum älter wurden, gelang eines nicht: "Es ist verabsäumt worden, zu sagen: Jazz ist Kunst. Es war ja einmal kommerzielle Musik im Amerika der Nachkriegszeit, bis Jazz von Rock’n Roll und Pop abgelöst wurde. Die Jazzmusik hat sich nur schwer davon erholt, von diesem kommerziell erfolgreichen Podest gestoßen werden zu sein." Nachsatz: "Eine Gesellschaft muss sich Kunst leisten, die sich aus dem Fenster lehnt, um eine intakte Gesellschaft zu sein."

Ob er eine Idee speziell für Linz hätte? "Ich würde mir einen wirklichen Club in Linz wünschen. Ein Lokal, wo 200 bis 300 Leute Platz finden, wo die Musikkunst im Vordergrund steht und nicht die Gastronomie." So ließe sich auch das ein oder andere Ensemble auf der Durchreise zum Verweilen in Linz einladen. Und nicht zuletzt die heimischen Kräfte: "Es gibt eine große, spannende Szene in Oberösterreich, die aber ein Wohnzimmer braucht."

 

Tipp: Am 10. 1., 20.45 Uhr, ist Christoph Cech mit seiner Chaud-Band bei den "Winter Jazz Nights" an der Bruckneruni zu erleben, die von 10. bis 14. Jänner ab 19.30 Uhr im Sonic Lab stattfinden. Freier Eintritt, www.bruckneruni.at

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Artikel Karin Schütze 09. Januar 2017 - 00:04 Uhr
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