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Braunauer spielt beim Neujahrskonzert

Zither-Virtuose Wilfried Scharf verstärkt am 1. Jänner die Wiener Philharmoniker.

Braunauer spielt beim Neujahrskonzert

Musiker und Bruckneruni-Professor für Zither aus Leidenschaft: Wilfried Scharf Bild: Weihbold

"Nervös bin ich nicht. Es ist eher eine würdevolle Anspannung, aber die Freude überwiegt. Ich kann den Philharmonikern zeigen, dass sie keine Angst haben müssen vor dem Zitherspieler", sagt Wilfried Scharf, dem heuer eine besondere Ehre zuteil wird: Auf Einladung der Wiener Philharmoniker spielt der Braunauer beim Neujahrskonzert am 1. Jänner im Wiener Musikverein das Solo aus Strauß’ Walzer "Geschichten aus dem Wienerwald".

Er greift in die Saiten seiner Zither, zupft ein paar beseelte Klänge im Dreivierteltakt, imaginiert den großen Augenblick im Goldenen Saal: "Du gehst rein, genießt einmal die Situation. Ich schau ins Publikum, ein bisserl rum, ein Lächeln da und dort verteilen" – er spielt weiter, in- und auswendig, lächelt selig.

Vielfalt mit 188 Tönen

Die Millionen TV-Zuseher? "Die Kameras sieht man wahrscheinlich gar nicht, da schau’ ich gar nicht hin. Dann schau’ ich die Musiker an, den Dirigenten. Zuerst kommt das Cello-Solo. Und dann fang ich an." Mit "vielleicht ein bisserl mehr Adrenalin, aber das wird sich schon legen. Das Wichtigste ist: am Boden bleiben."

Die Zither begleitet den 58-Jährigen seit seinem sechsten Lebensjahr: "Mein Vater war ein brillanter Spieler. Ich kenn’ die Zither als Wirtshaus-Instrument." Er selbst rief 1989 den ersten Studienzweig für Zither am damaligen Brucknerkonservatorium Linz ins Leben. Als derzeit einziger habilitierter Zither-Professor betreut er dort heute neun Studierende, mit denen er immer wieder gemeinsam auftritt, derzeit etwa in einer Szene der Oper "Spuren der Verirrten" im Linzer Musiktheater. "Wenn meine Schüler Erfolg haben, freu’ ich mich mindestens so, wie wenn ich selber spiele." Ebenso am Herzen liegt dem Innviertler Künstlergilden-Meister (seit 1986), das Instrument aus der Schublade der Volksmusik zu befreien. "Die Zither hat, mit Flageoletts, 188 Töne zur Verfügung." Spielbar ist auf dem Instrument, das Harfe und Gitarre vereint, fast alles. Das beweist auch der 1982 von Wilfried Scharf gegründete "Salzburger Saitenklang": Mit den Adaptionen klassischer Werke für Zither, Harfe und Gitarre hat sich das Trio längst über die Landesgrenzen hinweg einen klingenden Namen gemacht. "Alte Musik ist für die Zither gut einsetzbar, Dowland, Bach. Oder auch spanische Musik. Und natürlich die Originalmusik aus dem 19. Jahrhundert, aus Deutschland und Österreich. Die Zither gibt es in der Form ja erst seit 150, 160 Jahren."

Wenn Wilfried Scharf am 1. Jänner Millionen TV-Zusehern entgegenlächelt, dann auch voller Hoffnung, die Schönheit der Zitherklänge in die Welt hinauszutragen. Und vielleicht sogar Dirigent Daniel Barenboim zu betören: "Ich kenn ihn nicht persönlich, aber ich hoffe, dass er das Instrument näher kennenlernen will." Er stimmt sein Solo an und lächelt selig.

CD-Tipp: Salzburger Saitenklang: "Mosaik", Classic Concert Records, 18 Euro

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Artikel Karin Schütze 05. Dezember 2013 - 00:05 Uhr
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