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Autor und Holocaust-Überlebender Appelfeld gestorben

JERUSALEM. Das jüdische Leben vor dem Holocaust und Erinnerungen an seine Kindheit in Osteuropa - das war das Thema von Aharon Appelfeld in vielen seiner Romane. In der Nacht auf Donnerstag ist Appelfeld, einer der produktivsten und angesehensten Schriftsteller Israels, im Alter von 85 Jahren gestorben.

Aharon Appelfeld Bild: Ulf Andersen / Aurimages

Dies bestätigte seine Familie in Jerusalem der Deutschen Presse-Agentur.

Über die Grausamkeiten der Judenvernichtung durch die Nationalsozialisten äußerte er sich wenig. "Das sind nur Leichen, Leichen, Leichen, Tod, Tod", sagte er im vergangenen Jahr der dpa. "Das ist ein einziges Grauen, das man nicht beschreiben kann."

Appelfeld wurde am 16. Februar 1932 in Jadowa (Rumänien) geboren und wuchs in Czernowitz in der heutigen Ukraine auf. Seine Mutter und seine Großmutter wurden nach dem Einmarsch der Deutschen ermordet, der Bub kam mit seinem Vater ins Ghetto. Er überlebte später unter anderem als Küchenjunge bei der Roten Armee.

Mit 13 Jahren kam Appelfeld in das damalige Palästina. Zu der Zeit hielt er sich für eine Vollwaise. "Die Deutschen haben meinen Vater und mich 1941 getrennt", erzählte der Autor 2017 in seiner Wohnung im gediegenen Viertel Rechavia in Jerusalem.

Fast ein Jahrzehnt nach dem Krieg traf er den totgeglaubten Vater wieder - 1954 in einem Aufnahmezentrum, wo dieser bei der Ernte eingesetzt wurde. Der Vater war einen Monat zuvor aus Wien nach Israel eingewandert. "Er hat mich wiedererkannt, ich ihn nicht", erzählte Appelfeld.

Appelfeld hat mehr als 40 Bücher geschrieben. Sie wurden in 35 Sprachen übersetzt, darunter auch Deutsch. Der Schriftsteller erhielt mehrere Auszeichnungen für seine Werke, darunter 1983 den Israel-Preis, der als höchste Ehrung des Staates Israel gilt, und mehrmals den National Jewish Book Award (USA). Von 1975 bis 2001 war Appelfeld Professor für Hebräische Literatur an der Ben-Gurion-Universität Be'er Sheba. In den 1950-er Jahren hatte er Jiddische und Hebräische Literatur in Jerusalem studiert.

Viele seiner Bücher erschienen beim Rowohlt-Verlag, darunter "Tzili", "Zeit der Wunder" und "Ein Mädchen nicht von dieser Welt". In "Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen" erzählte Appelfeld von der Geschichte eines jungen Flüchtlings, der nach dem Zweiten Weltkrieg nach Palästina gelangt, sich einer Gruppe Zionisten anschließt, für seine neue Heimat kämpft, aber in seinen Träumen nie den Kontakt zu der Welt verliert, die er hinter sich lassen musste. Der Roman "Bis der Tag anbricht" handelt von einer jungen Frau, die nicht zuletzt durch äußere Umstände zu einer Mörderin wird. Die Geschichte spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Österreich-Ungarn.

"Keine Wut auf das Deutsche"

Um die Jahrtausendwende besuchte Appelfeld mit seiner Frau Judith, mit der er drei Kinder hatte, zum ersten Mal Deutschland. "Ich habe nur nette Leute getroffen", sagte er 2017. Er habe zwar ein "ambivalentes Verhältnis" zum Deutschen, könne aber trotz seiner schweren Geschichte keine Wut empfinden, erklärte er. "Wenn ich auf das Deutsche wütend wäre - dann wäre es, als ob ich auf meine ermordete Mutter wütend wäre, und das kann ich nicht."

Appelfelds Eltern sprachen Deutsch und ließen ihren Sohn ab dem Alter von drei Jahren darin unterrichten. Seine Großeltern sprachen Jiddisch. In Israel wurde Hebräisch zu einer Art neuer Muttersprache für ihn. Die Liebe zur deutschen Sprache blieb ihm jedoch erhalten. "Ich bin in gewisser Weise ein mitteleuropäischer Schriftsteller", sagte er im vergangenen Jahr. "Meine Helden sprechen eigentlich Deutsch, obwohl die Bücher auf Hebräisch verfasst sind."

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Artikel nachrichten.at/apa 04. Januar 2018 - 10:46 Uhr
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