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Auch Lichtenberger Sängerin wirft Gustav Kuhn sexuelle Übergriffe vor

Tiroler Festspiele Erl: Die Sopranistin Manuela Dumfart schildert im Gespräch mit den OÖNachrichten, was sie 2015 mit dem Intendanten erlebt hat.

Auch Lichtenberger Sängerin wirft Gustav Kuhn sexuelle Übergriffe vor

Manuela Dumfart Bild: Hechenberger

"Ich habe den Brief dieser fünf mutigen Frauen nicht unterschrieben, weil er meine individuelle Geschichte nicht erzählt hat", sagt Manuela Dumfart im Gespräch mit den OÖNachrichten. Die Sopranistin aus der Mühlviertler Gemeinde Lichtenberg meint damit jenes offene Schreiben der Künstlerinnen Aliona Dargel (Violine), Bettine Kampp (Sopran), Ninela Lamaj (Violine), Julia Oesch (Mezzosopran) und Mona Somm (Sopran), die sich vergangene Woche an Erls Festspielpräsidenten Hans Peter Haselsteiner gewandt haben, um sexuelle Übergriffe des Festspielleiters Gustav Kuhn ans Licht zu bringen. "Herr Kuhn hat auch mir während eines bis dahin ganz normalen Gesprächs zwischen die Beine und unter den Pullover gegriffen, außerdem hat er versucht, mich zu küssen", sagt Dumfart.

Zum Schutz junger Frauen

Dass sie sich nun doch zu Wort meldet, liegt an ihrem Wunsch, "diesen mutigen Frauen den Rücken zu stärken, aber nicht mit einem Brief, sondern mit meinen eigenen Erlebnissen. Und auch, weil ich junge Frauen, junge Künstlerinnen in Zukunft vor solchen katastrophalen Situationen beschützen möchte. Vielleicht bin ich nur ein kleines Mosaiksteinchen auf dem Weg zu Besserung – aber alle, die eine kleine Tochter haben, werden mich sicher verstehen können."

Die Wirtstochter und Sopranistin war von 2011 bis 2015 bei den Festspielen Erl unter Vertrag gestanden. Auf ihr Bestreben hin wurde die Zusammenarbeit gekündigt, nachdem sich der sexuelle Übergriff zugetragen haben soll.

Der Vorfall habe sich im Februar 2015 auf Kuhns Anwesen in der Toskana ereignet. Es sei üblich gewesen, sagt Dumfart, dass Mitglieder des Ensembles zu Proben dorthin fuhren. Dumfart reiste daraufhin ab und löste alle bestehenden Vereinbarungen mit den Tiroler Festspielen Erl.

Zunächst vertraute sich die Sängerin ausschließlich ihrer Familie an. Als Kuhn – für den die Unschuldsvermutung gilt – im Frühjahr dieses Jahres gegen den Blogger Markus Wilhelm, der auf seiner Homepage "dietiwag.org" anonyme Vorwürfe veröffentlicht hatte, rechtlich vorging, stellte sich Dumfart im folgenden Prozess als Zeugin zur Verfügung. "Es ging und geht mir keineswegs um Rache oder Genugtuung, sondern ich will, dass der Wahrheit zu ihrem Recht verholfen wird", sagt die Sängerin. Es war das einzige Mal, dass ihr im Laufe ihrer Karriere so etwas passiert sei.

Nachdem Dumfart die Lehranstalt für Tourismus in Bad Leonfelden absolviert hatte, wurde sie an der Linzer Bruckner-Universität und am Salzburger Mozarteum zur Sängerin ausgebildet. Jene Produktion, in der sie die Gräfin Almaviva in Mozarts "Le nozze di Figaro" gesungen hatte, wurde 2009 mit dem INTHEGA-Publikumspreis für die beste Gastspielaufführung in Deutschland ausgezeichnet. Unter anderem gehören auch die Elisabeth in Wagners "Tannhäuser" und die Donna Elvira in Mozarts "Don Giovanni" zu ihrem Repertoire.
 

Der angeschlagene „Erlkönig“ steigt vom Festspiel-Thron

Gustav Kuhn ließ die gegen ihn erhobenen Vorwürfe von seinem Anwalt, dem ehemaligen FPÖ-Justizminister Michael Krüger, zurückweisen und von einer „Menschenjagd“ auf den 72-Jährigen sprechen (die OÖN berichteten). Dennoch zog sich Kuhn gestern nach einer Sitzung des Festspiel-Stiftungsvorstandes mit sofortiger Wirkung von der Intendanz in Erl zurück. 1997 hatte der Dirigent das Festival gegründet. Der Vertrag des „Erlkönigs“ läuft noch bis 2020. Dass er sein Amt bis zur Klärung der Vorwürfe ruhend stelle, begründete er damit, Schaden vom Festival abwenden zu wollen.

Der Vorstand habe die Entscheidung Kuhns begrüßt, hieß es. Mit der interimistischen Leitung wurde sein bisheriger Stellvertreter Andreas Leisner betraut. Die Vorwürfe würden ernst genommen, und jedem einzelnen davon werde entsprechend nachzugehen sein.

Eine mögliche Rückkehr von Gustav Kuhn in seine Funktion hängt nicht nur von den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, sondern auch von der Gleichbehandlungskommission im Bundeskanzleramt ab, die die Geschäftsführung der Festspiele nun anrufen werde. „Diese Kommission wird ein Gutachten erstellen. Und nur wenn diese darin zu dem Schluss kommt, dass die Vorwürfe zu Unrecht bestehen oder nicht ausreichend begründbar sind, kann Kuhn zurückkehren“, sagte Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner. Da vor der Gleichbehandlungskommission die Beweislastumkehr gelte – Kuhn müsse demnach den Diskriminierungstatbestand glaubhaft machen – stelle dies für den „Maestro“, so Haselsteiner, eine „große Erschwernis“ dar. „Kuhn muss beweisen, dass er unschuldig ist“, so der Industrielle.

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Artikel Peter Grubmüller 01. August 2018 - 00:04 Uhr
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