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Architekturprojekt: "Haus der Lüfte" für unheilbar Kranke

Die Tochter von Initiator Chris Müller, Leiter der Tabakfabrik, leidet an Mukoviszidose.

Einzigartiges Architekturprojekt – ein "Haus der Lüfte" für unheilbar Kranke

Atmos wurde von Wolf D. Prix vom renommierten Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au entworfen. Das Ressort wird am Mittelmeer entstehen und soll sowohl Patienten als auch Forschern und Kreativen offen stehen. Bild: Coop Himmelb(l)au

Mukoviszidose oder auch Zystische Fibrose: So heißt die seltene, unheilbare Stoffwechselkrankheit, an der die kleine Tochter von Chris Müller (ihr genaues Alter möchte er nicht nennen) leidet. Betroffene haben mit chronischer Schleimbildung in der Lunge zu kämpfen, die Lebenserwartung liegt heute im Durchschnitt bei etwa 40 Jahren.

"Als der Arzt uns kurz nach der Geburt unserer Tochter die Diagnose mitgeteilt hat– ich weiß noch, es war an einem 23. Dezember – habe ich zum ersten Mal in meinem Leben davon gehört", erzählt der Leiter der Linzer Tabakfabrik. "Das musste ich erst einmal verkraften." Doch nach einiger Zeit wurde ihm klar, "dass ich nicht einfach in Schockstarre verharren kann, wie das Kaninchen vor der Schlange, sondern etwas tun muss", erzählt der 43-Jährige.

Kostenlos für Patienten

Also hätte er begonnen, seine Kontakte und seine Möglichkeiten zu nutzen. "Ich habe Menschen getroffen, die dasselbe Schicksal haben, habe Charity-Veranstaltungen organisiert und Vorträge gehalten." Höhepunkt seiner Bemühungen im Kampf gegen die Krankheit war schließlich eine Begegnung mit Wolf D. Prix vom international renommierten Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au. "Wir haben eine ganze Nacht getüftelt und schließlich das Projekt Atmos entwickelt."

Dabei handelt es sich um ein futuristisches Ressort, dass wegen der für Patienten wohltuenden salzigen Luft am Mittelmeer (wo genau ist noch nicht entschieden) gebaut wird und Betroffenen offen stehen soll. Der Aufenthalt und die medizinischen Angebote werden Mukoviszidose-PatientInnen und ihren Angehörigen unentgeltlich zur Verfügung gestellt. "Es handelt sich dabei aber nicht um ein Sanatorium, auch Gäste, Forscher, Mediziner und Künstler sind eingeladen, denn ich bin überzeugt, dass kreativer Raum auch zu kreativem Denken führt", sagt Müller, der das Projekt gestern im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt hat.

Atmos verfügt demnach über unterschiedliche Räume für verschiedene Anforderungen – von Büros über Ateliers und Studios bis hin zu Wochenendapartments und Chalets.

Der Bau, der mit 35 Millionen Euro budgetiert ist, soll mithilfe von Investoren finanziert und von einer Betreibergesellschaft geführt werden. Der Gewinn wird der Mukoviszidose-Forschung zugute kommen. Das ambitionierte Ziel: In zehn Jahren soll die Krankheit heilbar sein.

Bis dahin hat Müllers Tochter noch einen steinigen Weg vor sich: "Sie muss schon jetzt 30 Tabletten am Tag schlucken." Dazu käme das dauernde Inhalieren, die extrem hohen Hygienestandards, die häufigen Arztbesuche – und die begründete Angst, dass alles noch schlimmer wird. "Es werden Phasen kommen, wo sie keine Luft bekommt. Wir stellen uns schon jetzt auf eine Lungentransplantation ein, die allein aufgrund ihres geschwächten Körpers lebensgefährlich werden könnte."

Mukoviszidose sei eine so furchtbare Krankheit, "mit Atmos wollen wir ihr ein großes Zeichen der Hoffnung entgegensetzen", sagt Müller. Oft sage man ja, Architektur sei atemberaubend – "unser Haus soll hingegen atemspendend sein".

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Artikel Valerie Hader 15. Februar 2017 - 00:04 Uhr
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