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"Anderer Grundspirit als eine ehrwürdige Institution"

Die Senderchefin von Puls 4 über Quotenbringer, den ORF und einen selbst auferlegten Bildungsauftrag.

"Anderer Grundspirit als eine ehrwürdige Institution"

"Manchmal hat der Zuseher ein Bedürfnis nach Realitätsflucht, aber sicher nicht nach null Inhalt.“ Stefanie Groiss-Horowitz, Senderchefin Puls 4 Bild: Moni Fellner

Stefanie Groiss-Horowitz wechselte im vergangenen September vom ORF zu Puls 4. Dort ist die gebürtige Altmünsterin Senderchefin von Puls 4.

 

OÖNachrichten: Frau Groiss-Horowitz, Sie sind seit einem Jahr Senderchefin bei Puls 4. Sie lachen immer noch.

Groiss-Horowitz: Mehr als vor einem Jahr…

Wie sieht Ihre Jahresbilanz aus?

Die letzten drei Monate von 2017 habe ich mir einen ganz genauen Überblick verschafft. Aber seit 2018 "güt’s", wie man in Oberösterreich sagt. Das erste Halbjahr haben wir mit 4,4 Prozent Reichweite abgeschlossen, das ist der höchste Wert, den Puls 4 je hatte. Für das zweite Halbjahr schaut es auch sehr gut aus.

Wo haben Sie angesetzt?

In erster Linie dort, wo wir stark sind. Das sind Eigenproduktionen wie "Bist du deppert", "2 Minuten, 2 Millionen", "Vurschrift ist Vurschrift" und "Sehr witzig", da bringen wir mittlerweile eine Schlagzahl zusammen, die es vorher nicht gab. Dazu kommt ganz stark der Sport.

Hier haben Sie sich gerade wieder die Rechte für die Fußball-Europa-League gesichert. Sie grinsen – weil der ORF das auch ganz gerne gehabt hätte?

Es ist ein Quotenbringer, das stimmt. Wir sind der einzige Sender, der Europa-Fußball im Free-TV anbietet. Noch dazu sind mit Rapid und Salzburg zwei österreichische Teams im Bewerb.

Woher haben Sie das Geld – vom Senderverbund aus Deutschland mit Pro7 und Sat1?

Nein, das machen wir aus eigener Kraft. Sowohl die Finanzierung als auch die Verhandlungen.

Im Vorjahr hatten Sie beim Semifinale von Salzburg gegen Marseille mehr als 900.000 Seher. Rechnet sich das dann?

Wir halten es für ein so starkes Programm, in dem Fall sogar mit starkem Österreich-Bezug, dass wir es unseren Sehern gerne anbieten wollen. Wir entscheiden uns manchmal ganz bewusst für Programme, die sich nicht rechnen. Etwa die eigenständige Newsredaktion, oder unsere umfangreichen Wahlberichterstattungen. Die Nähe zum Zuseher auf mehreren Ebenen ist uns wichtig. In diesem Bereich unterscheiden sich alle österreichischen Privatsender von den deutschen, wo der Newsbereich eher ausgelagert wird.

Gibt es bei Puls 4 eine Art selbst auferlegten Bildungsauftrag, oder heiligt die Quote bis zu einem gewissen Grad die Mittel?

Ich glaube, dass uns das Publikum recht klar über die Quote jeden Tag ein Zeugnis ausstellt. Manchmal hat der Zuseher ein Bedürfnis nach Realitätsflucht, aber sicher nicht nach null Inhalt.

Was ist der große Unterschied zwischen dem ORF und Puls 4?

Puls 4 ist ein wendigeres Schiff, klar, weil es kleiner ist. Die Situation, der Herausforderer zu sein, ist auch eine andere. Ein junger Sender hat automatisch einen anderen Grundspirit als eine ehrwürdige Institution.

 

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Artikel Helmut Atteneder 15. September 2018 - 00:04 Uhr
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