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"Als Dirigentin bekommt man weniger Einladungen"

Bei der heutigen Premiere von Rigoletto im Römersteinbruch von St. Margarethen steht mit Anja Bihlmaier erstmals eine Frau am Dirigentenpult

Dirigentin Anja Bihlmaier 

Dirigentin Anja Bihlmaier  Bild: Andreas Tischler

Erstmals steht heuer bei den Opernfestspielen in St. Margarethen eine Frau am Pult. Die junge Deutsche Anja Bihlmaier, die unter Scott Sandmeier in Freiburg und unter Jorge Rotter und Dennis Russell Davies am Mozarteum in Salzburg studierte, dirigiert Giuseppe Verdis „Rigoletto“. Im Jänner wird sie, mit dem „Figaro“, ihr Debüt an der Wiener Volksoper feiern. Ein Besuch bei ihr im Steinbruch, wohin sie stets „mit dem Radl“ kommt.

OÖNachrichten: Sie stammen, wie Sie sagen, aus einem „Dorf im Stuttgarter Raum“. Wann begann Ihr Weg zur Musik?

ANJA BIHLMAIER: Die Eltern sangen im Kirchenchor, und ich lernte Blockflöte. Im Gymnasium wollte ich im Schulorchester spielen. Der Musiklehrer, der auch toll dirigieren konnte, borgte mir zum Lernen eine Geige, und offensichtlich hat er mein Talent erkannt. In Wasseralfingen habe ich mit 90 Fünft-Klässlern die szenische Kantate „Till Eulenspiegel“ von Günther Kretzschmar einstudiert. Ich war sehr glücklich, vorne zu stehen, und ich merkte, dass d a s mein Platz ist. Ich studierte jedoch zunächst Schulmusik und Geschichte fürs Lehramt. Während dieser Zeit machte ich aber auch, in Freiburg und Salzburg, die Aufnahmsprüfung für Dirigenten.

Der Dirigenten-Virus hatte Sie somit schon in der Schule gepackt?

Ja, wenn man das einmal „geschmeckt“ hat, ist es wie eine Berufung. Ob Probe, ob Aufführung: Ich stehe da und bin glücklich, die Musiker zu einer großen Idee zu vereinen, mit der man die Zuschauer beschenken kann. Wobei ich stets versuche, mich in den Dienst des Komponisten zu stellen und all die Farben seiner Musik herauszuarbeiten. 

Wie ist das bei einem absoluten Meisterwerk wie „Rigoletto“, das einst Verdis Ruhm begründete?

Das geht schon mit der Ouverture los, wo der Fluch manifestiert wird. Damit ist man bereits in die Geschichte reingezogen. Verdi hat das großartig komponiert, so, dass die Zeit immer fortschreitet. Ja, es gibt schon einzelne Nummern, doch in der Abfolge ist alles genial, wie aus einem Guss. Die Charaktere sind sehr diffizil gezeichnet, keiner hat nur eine Seite. Das Vielschichtige und die Personenführung sind wie bei Mozart, und all die Schattierungen , die leuchtenden und die düsteren Farben, versuche ich, aus dem Orchester und den Sängern herauszuholen. Etwa all das Schöne, Hässliche, total Verzweifelte und Wütende bei der Titelfigur. 

In St. Margarethen ist jede Partie zweifach besetzt?

Und ich übe mit beiden nie dieselbe Interpretation, denn jede Stimme braucht, um sich zu entfalten, ein bestimmtes Tempo. Weil ich möchte, dass alles eine Aussage hat, gehe ich stark vom Text aus. Nichts soll nur glatt, schön, korrekt und richtig sein. In einer Zeit, wo wir uns alle mit dem Computer fast schon selbst abschaffen, soll das, was den Menschen ausmacht, auf der Bühne unbedingt gefördert werden. Damit wir das Publikum erreichen, damit die Menschen berührt werden.

Es dirigieren noch immer nicht sehr viele Frauen. Hatten Sie je Probleme?

Nicht mit den Orchestern. Wo ich eingeladen bin, bin ich willkommen. Aber als Frau kriegt man vielleicht nicht so viele Einladungen wie die Herren. Ich hatte jedoch das Glück, viele wichtige Leute kennen zu lernen, und wenn man merkt, dass man nach getaner Arbeit wieder erwünscht ist, dann ist dies das größte Kompliment. Egal, ob Mann oder Frau: Es geht darum, authentisch zu sein. 

Schon Vorfreude auf die Wiener Volksoper?

Selbstverständlich. Das Haus habe ich bisher noch nicht betreten. Doch in Wien Mozart dirigieren zu dürfen – das ist schon was, und ich bin sehr neugierig auf den speziellen Klang des Orchesters. 

Wie „trainieren“ Sie?

Viel Sport. Joggen, Rennrad fahren, reiten -- ich lebe in der Natur, auf einem Bauernhof –, windsurfen, viele Liegestütze. Denn ich will ja nicht schwitzend am Pult stehen. Gute Dirigiertechnik und locker sein, das ist es, denn alles läuft über den Atem. Wenn man da Fehler macht, geht’s auf den Rücken, und das tut weh – und dann kann man sich nicht auf die Musik konzentrieren. Dirigieren bedeutet eine große Verantwortung, und nur, wenn man mit sich im Frieden ist, funktioniert es. Mein ganzes Leben ist darauf ausgelegt., mich mit meinem Job zu beschäftigen. Ich bin mit ihm verheiratet. 

Und in Wirklichkeit nicht?

Nein.

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Artikel Ludwig Heinrich 12. Juli 2017 - 15:23 Uhr
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