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2088 Takte strikt auswendig zu spielen, löste in Linz keine Begeisterung aus

Brucknerfest: Evgeni Koroliovs "Wohltemperiertes Klavier" geriet zu angepasst.

2088 Takte strikt auswendig zu spielen, löste in Linz keine Begeisterung aus

Der Russe Evgeni Koroliov interpretierte Bach, ohne seine Vielfalt zu feiern. Bild: (LIVA)

Robert Schumann hat einst das von Johann Sebastian Bach zum Gebrauch der "lehrbegierigen musikalischen Jugend" verfasste "Wohltemperierte Klavier" als "tägliches Brot des tüchtigen Musikers" bezeichnet. Er sah darin den pädagogischen Nutzen des Fugenspiels und somit des Trainierens.

Was Bach allerdings nie damit bezweckt hat, ist eine zyklische Aufführung an einem Abend, wie sie Evgeni Koroliov am Mittwoch beim Brucknerfest Linz gestaltete.

Fast 300 Jahre nach Bachs genialen Eingebungen ist es zum gängigen Sport geworden, alle 48 Präludien und Fugen an zwei Abenden auswendig zu spielen (Teil zwei folgt Sonntag, 18 Uhr). Auch Koroliov musiziert die insgesamt 2088 Takte auswendig. Bach hat weder Dynamik noch Artikulation notiert. So liegt es an Erfahrung und Wissen, diese Parameter der Musik zu ergänzen. Das kann radikal und kreativ sein, oder wie an diesem Abend eher akademisch exakt, kaum außerhalb vorgegebener Muster. So waren die meisten Fugenthemen eher breit und legato angelegt, bekamen zwar so eine gewisse Einheitlichkeit, die aber Gefahr lief, zu einer Einförmigkeit reduziert zu werden. Bachs erstmaliger Versuch, alle damals verwendbaren Tonarten einzusetzen, bedeutete auch, diese mit Charakteristik und musikalischen Affekten zu verknüpfen. Diese Vielfalt hat Koroliov eher ausgespart und sehr unaffektiert interpretiert.

Das lenkte den Fokus mehr darauf, wie es gemacht ist, und nicht auf das, was es sein soll. Dass ein derart intensives Programm nicht massentauglich ist – zumindest nicht in Linz – hat man einsehen müssen. Das für den großen Saal geplante Konzert gab es im mittleren, der nicht gerade überquoll.

Fazit: Koroliovs Ansatz fand freundlichen Zuspruch des Publikums, echte Begeisterung hört sich anders an.

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Artikel Michael Wruss 14. September 2018 - 00:04 Uhr
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