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Häufigste Todesursachen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die mit Abstand häufigste Todesursache. Mit deutlichem Abstand folgen Krebserkrankungen. Alle anderen Erkrankungen spielen statistisch gesehen nur eine untergeordnete Rolle.

01. Oktober 2018 - 00:00 Uhr

Durch einen gesunden Lebensstil ließe sich das Risiko aller tödlichen Erkrankungen reduzieren.

Männer haben ein höheres Sterberisiko als Frauen, sie leben also kürzer. In Österreich beträgt die Differenz laut Statistik Austria 4,6 Jahre. 2017 lag die Lebenserwartung der Männer bei 79,3 und der Frauen bei 83,9 Jahren. Männer erleiden mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Frauen und erkranken auch häufiger an Krebs.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufigste Todesursache

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Österreich mit fast 40 Prozent der Sterbefälle die Todesursache Nummer eins. „Das liegt vor allem daran, dass es sich um eine typische Alterserkrankung handelt. Da immer mehr Menschen immer älter werden, erleben immer mehr eine solche Erkrankung und leben auch immer länger damit“, sagt Primar Dr. Klaus Wilthoner, Leiter der Abteilung für Innere Medizin am Salzkammergut-Klinikum in Vöcklabruck.

Auffällig ist, dass Männer doppelt so häufig einen Herzinfarkt erleiden wie Frauen. Ein weiterer Grund für die vielen Erkrankungen ist eine ungesunde Lebensweise. Die Herz-Kreislauf-Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, überhöhte Blutfettwerte und mangelnde Bewegung werden häufig immer noch nicht ernst genommen.

Mehr Krebserkrankungen, aber weniger Todesfälle

Anders ist die Lage bei Krebserkrankungen. Einerseits nahmen in den vergangenen Jahren die diagnostizierten Krankheitsfälle in ihrer Zahl deutlich zu, andererseits nahm die Krebssterblichkeit ab. 2017 lag die Sterblichkeit bei 24,3 Prozent (2014 waren es noch 26,2 Prozent). Seit Jahren sinken die Todeszahlen, die von Krebs verursacht werden. Diese widersprüchlich anmutende Situation – mehr Erkrankungen, weniger Todesfälle – hat mehrere Gründe: Bessere Vorsorge, bessere Früherkennung und bessere Behandlungsmöglichkeiten der verschiedenen Krebserkrankungen.

Krebs auf dem Weg zur chronischen Erkrankung

Die Behandlung von Krebs wird immer erfolgreicher und die Überlebensraten steigen von Jahr zu Jahr. Man lebt daher immer länger mit der Erkrankung, ohne an ihr zu sterben. Bei manchen Krebsarten erreichte man beinahe schon den Status einer chronischen Erkrankung. Das bedeutet, dass man durch die Behandlung jahrelang mit der Erkrankung lebt und irgendwann eher an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einer anderen Krankheit stirbt.

„Anders ist die Lage beispielsweise bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, der nach wie vor eine schlechte Prognose mit sich bringt. Generell gesehen befindet man sich bei Krebs aber auf dem Weg zur chronischen Erkrankung. Das gilt zum Beispiel für Haut-, Brust- und Darmkrebs. Ich hoffe, dass man in zehn Jahren von Krebs generell als chronische Erkrankung wird sprechen können, dass man also generell mit ihm leben kann und er kein Todesurteil mehr bedeutet. Wir befinden uns auf gutem Weg in diese Richtung“, sagt Primar Wilthoner.

Bei Männern treten am häufigsten Lungen- und Prostatakrebs auf, bei Frauen ist Brustkrebs die Nummer eins. Sehr auffällig: Nummer zwei bei Frauen ist inzwischen ebenfalls der Lungenkrebs, der in früheren Jahrzehnten als typischer „Männerkrebs“ galt. Das liegt daran, dass immer weniger Männer Zigaretten rauchen und dieses Laster immer mehr Frauensache wird. Die Konsequenz für rauchende Frauen ist ebenso deutlich wie tragisch.

Häufig mehrere Erkrankungen

Kranke Menschen haben häufig mehr als bloß eine einzige Erkrankung. Vor allem im Alter liegen meist mehrere Erkrankungen vor, die sich gegenseitig beeinflussen und verstärken. Daher ist nicht immer klar, an welcher Erkrankung ein Mensch letztlich wirklich stirbt, wenn er gleichzeitig an mehreren schweren Erkrankungen leidet.

Atemwegserkrankungen Todesursache Nummer drei

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs zusammen genommen verursachen rund zwei Drittel aller Sterbefälle. Die dritthäufigsten tödlichen Erkrankungen sind mit großem Abstand (6,4 Prozent) Atemwegserkrankungen wie COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung). Viele dieser Erkrankungen sind hausgemacht und ließen sich durch eine gesunde Lebensweise verhindern, vor allem durch Verzicht auf das Rauchen.

Die übrigen Sterbefälle verteilten sich auf Verletzungen und Vergiftungen, Krankheiten der Verdauungsorgane und auf sonstige Krankheiten.

Ungelöstes Problem Autoimmunerkrankungen

Während bei Krebs medizinische Fortschritte sichtbar sind, bereiten die sogenannten Autoimmunerkrankungen seit Jahren immer größere medizinische Probleme. Die Zahl dieser Erkrankungen steigt ständig. Weltweit sind derzeit geschätzte fünf bis acht Prozent der Bevölkerung von ungefähr 80 bis 100 verschiedenen Autoimmunerkrankungen betroffen. Zu den bekanntesten Vertretern dieser Erkrankungen zählen Multiple Sklerose, Diabetes mellitus Typ 1, Colitis ulcerosa (chronisch-entzündliche Erkrankung des Darms) und Rheumatoide Arthritis.

Diese Krankheiten geben der Forschung und der Medizin nach wie vor große Rätsel auf. „Die Ursachen dieser Erkrankungen sind noch weitgehend unbekannt, man kennt also die konkreten Gründe nicht, warum sie entstehen. Immerhin kann man sie zumindest behandeln in der Form, dass man die Symptome in den Griff bekommt“, sagt der Internist.

Männer leben gefährlich

Männer sterben nicht nur häufiger an Herz-Kreislauf und Krebs als Frauen, sie leben generell gefährlicher. Sie verunglücken deutlich öfter als Frauen (Transportmittelunfälle 3,4-mal häufiger). Weiters stürzen Männer häufiger tödlich. Suizide werden vor allem von Männern durchgeführt (4,3-mal höhere Sterblichkeit als Frauen). Auch Alkohol und Drogen führen bei Männern häufiger zum Tod als bei Frauen (Leberzirrhose 2,8-mal häufiger).

Vorsorgeuntersuchungen

Vorsorgeuntersuchungen sind ein wichtiges Mittel der Prävention. „Die Krebsvorsorge ist in Österreich sehr gut und wird offensiv propagiert. Bei Herz-Kreislauf sieht das etwas anders aus. Es gibt zwar Vorsorgemöglichkeiten, allerdings könnten mehr konkrete Programme angeboten werden, dieser Bereich ist durchaus ausbaufähig“, sagt Primar Wilthoner.

Wichtige Vorbeugung

Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen und auch die meisten anderen Erkrankungen stehen in Zusammenhang mit einem schlechten Lebensstil. Hier wäre noch viel an Vorbeugung und auch Beeinflussung des Krankheitsverlaufes durch einen gesunden „Lifestyle“ möglich. „Obwohl die meisten von uns um die Wichtigkeit eines gesunden Lebensstils wissen und auch informiert sind, wie ein solcher aussieht, setzen viele Menschen dieses Wissen nicht um. Immer noch rauchen viel zu viele. Das schädigt das Herz und erzeugt alle möglichen Krebserkrankungen, nicht nur Lungenkrebs. Viele haben zu viel Gewicht und bewegen sich zu wenig. Man sollte sich vor Augen halten, dass bereits dreimal 40 Minuten Ausdauersport pro Woche das Herz-Kreislauf-Risiko deutlich reduziert und auch das Krebsrisiko um ein Viertel senkt. Auch wenn das Bewusstsein für Gesundheit immer besser wird, an der Umsetzung hapert es noch häufig“, sagt Primar Wilthoner.

 

Dr. Thomas Hartl

Oktober 2018

 

Bild: shutterstock

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