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Schlafwandeln als Symptom

Unterwegs, ohne wach zu sein: Schlafwandler sind öfter männlich als weiblich. Bild: colourbox.de

Schlafwandeln als Symptom

Plötzliches Schlafwandeln kann auf eine Erkrankung hinweisen. Der Arzt klärt die Ursachen ab und hilft, Lösungen zu finden.

11. Juni 2014 - 00:04 Uhr

Schlafwandeln oder Somnambulismus ist ein beliebtes Bild in Comics. Spektakuläre nächtliche Ereignisse wie Autofahrten oder Ausflüge aufs Dach sind zum Glück eher selten. Wissenschaftlich betrachtet, handelt es sich dabei um eine zumeist genetisch bedingte Aufwachstörung, die aber auch ein Symptom für andere Erkrankungen sein kann und unbedingt abgeklärt werden sollte.

Nach Schätzungen von Experten sind rund drei Prozent der erwachsenen Bevölkerung vom Phänomen des Schlafwandelns betroffen. Bei Kindern liegt die Zahl noch deutlich höher. Man muss annehmen, dass 20 bis 30 Prozent zumindest schon einmal einen nächtlichen Ausflug unternommen haben, für den nur der motorische Teil des Gehirns verantwortlich war.

Plötzlich Schlafwandler

Vorsicht ist geboten, wenn Schlafwandeln in höherem Alter erstmalig auftritt. So war es bei Helga M. (75): Ihr Mann bemerkte, dass sie immer wieder nachts Rundgänge in der Wohnung machte und sich am nächsten Tag nicht daran erinnern konnte. Als er sie eines Nachts im Wohnzimmer entdeckte, beschlossen die beiden, dieses Phänomen abklären zu lassen. Laut Primarius Univ.-Doz. Wolf Müllbacher vom Krankenhaus Göttlicher Heiland in Wien die richtige Entscheidung: "Eine gründliche neurologische Abklärung sowie eine nächtliche Video-EEG-Untersuchung schaffen in vielen Fällen Klarheit über die Ursache oder machen weitere Untersuchungen notwendig." So war es auch bei Helga M. Die Diagnose ergab, dass ihre nächtlichen Ausflüge auf eine bisher unerkannte Altersepilepsie zurückzuführen sind. Dank der medikamentösen Behandlung kann das Ehepaar M. nun wieder beruhigt schlafen.

Schlafwandeln als Symptom
Primar Wolf Müllbacher empfiehlt, Schlafwandeln abklären zu lassen, wenn es erst im Alter auftritt.  
Bild: (Vinzenzgruppe)

Primar Wolf Müllbacher empfiehlt, Schlafwandeln abklären zu lassen, wenn es erst im Alter auftritt. (Vinzenzgruppe) 

Bei klassischem Schlafwandeln übernimmt die Motorik das Ruder. Es zählt zu den ungewöhnlichen körperlichen Phänomenen, die den Schlafprozess unterbrechen. Wissenschaftlich betrachtet, handelt es sich bei Somnambulismus um eine sogenannte Aufwachstörung, da sich wesentliche Teile des Gehirns noch in der Tiefschlafphase befinden, die Motorik aber dennoch arbeitet – allerdings ohne den normalen Aufwachprozess damit einzuleiten. "Beim Schlafwandeln sind Teile des Gehirns bereits aktiv, während sich andere Areale noch in der Tiefschlafphase befinden. Ganz ähnlich ist es bei extremer Übermüdung. Auch hier sind Teile des Gehirns noch wach, während andere einfach wegschlafen, ohne dass es der Betroffene bemerkt", sagt Müllbacher.

Für die abnorme Weckreaktion des Gehirns ist oft eine genetische Disposition verantwortlich. Als Verstärker und möglicher Auslöser gelten übermäßiger Alkohol- oder Nikotinkonsum, unregelmäßige Schlafenszeiten oder Schlafentzug. Die Aufwachstörung tritt vorwiegend bei männlichen Kindern und Jugendlichen auf, gibt sich aber häufig in der Pubertät. Der wahrscheinlichste Zeitpunkt für unbewusste nächtliche Streifzüge ist in einer Tiefschlafphase im ersten Drittel des Nachtschlafes.

Bitte nicht stören

Anders als früher angenommen, verfügen Betroffene jedoch nicht über die "schlafwandlerische Sicherheit", die ihnen gerne zugeschrieben wird. Wichtig für Partner und Angehörige ist das sanfte Zurückbegleiten eines Schlafwandlers ins Bett beziehungsweise das Ausschalten von möglichen Gefahrenquellen auf ihrem Weg. Aufwecken lassen sich Betroffene symptombedingt nur schwer, es kann auch zu aggressivem Verhalten kommen.

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