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Perfekt für alle Ewigkeit?

Perfektes Baby auf Bestellung? "Eine hundertprozentige Garantie auf Gesundheit gibt es nicht", sagt Genetiker Duba. Bild: Colourbox

Perfekt für alle Ewigkeit?

Immer schöner, gesünder, fitter und alt wie Methusalem? Wissenschaft und Medizin machen vieles möglich. Doch würde der genetisch-perfektionierte Mensch mit der Unsterblichkeit zurechtkommen?

Von Barbara Rohrhofer, 31. Oktober 2018 - 00:04 Uhr

Der Wunsch nach ewiger Gesundheit, immerwährender Schönheit und großer Weisheit ist so alt wie die Menschheit selbst. Kein Wunder, dass der Mensch alle Möglichkeiten zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und Gesundheit ausschöpft. Das beginnt mit der Veränderung des Erbgutes vor der Geburt, führt über das Transplantieren von Organen, die aus menschlichen Zellen in Schweinen gezüchtet werden, und endet mit der Suche nach dem ewigen, gesunden, perfekten Leben.

Doch wann darf der Mensch – vom Wunsch nach Perfektion getrieben – in den Bauplan des Menschen eingreifen? Michael Fuchs, Universitätsprofessor an der Katholischen Privatuniversität Linz, findet auf diese Frage ganz schnell eine klare Antwort: Wenn es darum gehe, schwere Krankheiten zu therapieren, seien gentechnische und andere Eingriffe ethisch legitim. Nicht aber dann, wenn es darum gehe, schneller beim Sport, groß wie ein Supermodel oder so klug wie Albert Einstein zu werden. "Wenn etwa eine Mutter ihrer völlig gesunden Tochter Wachstumshormone spritzen lassen will, damit sie später als Supermodel arbeiten kann, dann muss man sich fragen, ob man den Eltern immer zutrauen darf, im Sinne des Kindeswohls zu handeln", so der Philosoph und Ethiker. Anders sei die Situation natürlich bei kleinwüchsigen Kindern, denen eine Therapie mit Wachstumshormonen ein Leben ohne Hänseleien und Ausgrenzung ermöglichen kann.

Das Erbgut bestimmt nicht nur, welche Körpergröße man erreicht – auch unsere Intelligenz ist quasi vorprogrammiert. Schon 1999 ist es amerikanischen Forschern gelungen, die Intelligenz und das Gedächtnis bei Mäusen mithilfe von Gentechnik zu verbessern. "Die Frage ist, ob man das irgendwann auf Menschen übertragen kann. Aber was würde es bringen, wenn wir alle intelligenter wären? Dann würden die gleichen Probleme, die wir jetzt haben, auf ein höheres Level gehoben", resümiert Fuchs.

Ein weiteres, großes Feld der Optimierung sieht Michael Fuchs in den Bestrebungen, das Altern zu verlangsamen oder gar zu stoppen. "In Tierexperimenten ist man da schon sehr weit. Knackt man bei Rundwürmern ein einziges Gen, werden diese zehnmal so alt. Bei Mäusen erreicht man mit gentechnischen Eingriffen und extremer Kalorienreduktion, dass sie um 70 bis 80 Prozent älter werden und dabei fit bleiben." Legt man das auf den Menschen um und nimmt man an, dass man das Leben irgendwann unendlich verlängern kann, stellt sich die Frage, wie der Mensch damit zurechtkommen würde. "Wir haben niemals gelernt, mit der Unbegrenztheit des Lebens zu leben. Wir kommen ja schon mit unserer Sterblichkeit nicht zurecht und mit der Unsterblichkeit würden wir wahrscheinlich gar nicht zurechtkommen," sagt Fuchs.

Von Anfang an perfekt?

Aber nicht nur Alterungsprozesse wollen optimiert werden. Auch der Anfang des Lebens soll perfekt gestaltet werden: Galten Kinderlosigkeit oder Erbkrankheiten lange Zeit als unabwendbares Schicksal, verhelfen medizinische Fortschritte vielen Paaren heutzutage zu einem gesunden Kind. "Der Wunsch nach einem gesunden Kind ist nicht immer erfüllbar. Sogar wenn keine beson

deren Risiken aus der Familie bekannt sind, besteht ein Basis-Risiko von drei bis vier Prozent, dass ein Kind einen Geburtsschaden oder eine genetische Erkrankung hat", sagt Primar Hans-Christoph Duba, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik am Kepler Universitätsklinikum Linz. Aus dem Wunsch heraus, ein gesundes Baby auf die Welt zu bringen, möchten manche Frauen während der Schwangerschaft ganz genau wissen, ob ihr Baby eine Fehlbildung hat oder entwickeln könnte. Derzeit seien, so Primar Duba, rund 5200 genetische Erkrankungen bekannt und diagnostizierbar. Trotzdem sei kein Test der Welt eine Garantie für ein gesundes Kind, da der Mensch etwa 25.000 Gene besitzt. "Und jedes Neugeborene hat zirka 50 bis 100 Neu-Mutationen, die nicht von den Eltern stammen, sondern spontan entstanden sind", betont Duba. Daher werde man immer mit einem Restrisiko leben müssen. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es im Leben eben niemals.

Ewige Schönheit spritzen

Gelingt es uns, ein perfektes Kind in die Welt zu setzen, ergibt sich in unserer perfekten Welt gleich das nächste "Problem": Auch dieses Menschenkind wird älter, und das kann man ihm mit den Jahren immer deutlicher vom Gesicht ablesen. Denn seine Haut altert und mit ihr alle anderen Organe des Körpers. Dieser Prozess ist genetisch vorprogrammiert, eine Regel ohne Ausnahmen. Die Alterung der Haut wird ab Mitte 30 mit bloßem Auge sichtbar.

Doch es gibt die Möglichkeit, chirurgisch oder chemisch "etwas machen zu lassen". Laut einer Schätzung der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie liegt die Zahl der Eingriffe, die mehr Jugend und Schönheit verheißen, in Österreich bei rund 50.000 pro Jahr. "Menschen sind immer öfter bereit, in ihr Schönheitsideal sehr viel Geld zu investieren", sagt Wolfram Hötzenecker, Privat-Dozent und Vorstand der Klinik für Dermatologie am Kepler Universitätsklinikum Linz, wo er sich hauptsächlich um krankhafte Hautveränderungen (Hautkrebs, Schuppenflechte, Allergien etc.) kümmert. Viele seiner niedergelassenen Kollegen würden sich aber der Verschönerung der Österreicher annehmen. Das allseits bekannte Lifting, ein operativer Eingriff, stehe dabei nicht im Vordergrund, da es mittlerweile wesentlich sanftere Methoden gibt, die die Zeichen der Hautalterung hintanhalten. Mittels Laser, Microneedling und Peeling würde es möglich sein, die Haut wieder jugendlich erscheinen zu lassen. Am beliebtesten: das Nervengift Botox, das die Mimik lähmt und auf diesem Weg die Falten glättet. "Es gibt Ärzte, die bieten diese Behandlungen in der Mittagspause an – sozusagen als Botox to go. Nach dem Termin geht man wieder ins Büro. Der gewünschte Behandlungseffekt tritt nach zwei bis drei Tagen ein", sagt Hötzenecker.

Austauschen, was kaputt ist

Die optimale Schönheit ist ja recht und schön– nur nützt sie uns leider gar nichts, wenn unsere Gesundheit bedroht ist. "Austauschen, was nicht funktioniert", ist in diesen Fällen die Idee der Transplantationsmedizin. Beim Versagen von Organen ist die Transplantation ein Eingriff, der zu sehr guten und dauerhaften Ergebnissen führt. "Das Beispiel der Nierentransplantation zeigt, dass es in sehr vielen Fällen wunderbar funktioniert", sagt Primar Daniel Cejka, Leiter der Abteilung für Nephrologie und Transplantationsmedizin am Ordensklinikum Elisabethinen Linz. Allein in Oberösterreich werden jährlich 68 Nieren transplantiert. Die Wartezeit, die mit Dialyse überbrückt wird, beträgt durchschnittlich drei Jahre. Wesentlich verkürzt wird diese Phase nur dann, wenn ein lebender Spender (ein Verwandter oder Freund des Erkrankten) eine seiner beiden gesunden Nieren zu Verfügung stellt.

Erst kürzlich diskutierten Transplantationsexperten in Linz die Zukunft: Auf der Tagesordnung standen Themen wie Nieren aus dem 3D-Drucker, Herzen, die außerhalb des Körpers künstlich am Leben gehalten werden, und Insulinpumpen statt Bauchspeicheldrüsen.

Bei allem Fortschritt geht es stets um das Hauptproblem der Transplantationsmedizin: die Abstoßungsreaktionen des Empfänger-Immunsystems gegenüber dem neuen Organ. Diese würden nur dann wegfallen, wenn es aus den eigenen Zellen gezüchtet werden könnte. Und das ist vorerst nicht möglich.

Organe, die in Tieren wachsen

Organe wie die Niere bestehen aus lebenden Zellen, die auf einem Gerüst sitzen. Dieses könnte vom Spender genommen und mit den körpereigenen Zellen des Patienten besiedelt werden. Das neue Organ würde vom eigenen Immunsystem nicht bekämpft werden. Erste Erfolge dieser Technologie gibt es bei der Reproduktion von Herzklappen.

Ethische Fragen tauchen bei anderen Methoden auf: Dann, wenn Tierorgane mit einer "Genschere" derart verändert werden, dass sie in Menschen eingesetzt werden können. Ebenso, wenn Zellen des Patienten Tieren eingepflanzt werden, damit dort ein "Ersatzorgan" heranwächst.

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