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Erneut Polizeieinsatz in der BH Dornbirn

DORNBIRN. Nach der Bluttat an dem Sozialamtsleiter der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn sorgte am Freitag ein neuerlicher Polizeieinsatz im BH-Gebäude für Aufregung. Laut Exekutivangaben hatte der Bruder des Tatverdächtigen in der Früh das Gebäude betreten.

Erneut Polizeieinsatz in Dornbirn.  Bild: (APA/MAURICE SHOUROT)

Mitarbeiterinnen erkannten den Mann und alarmierten die Einsatzkräfte. Diese waren in kurzer Zeit an Ort und Stelle und befragten den Mann. "Er wollte ein Schriftstück auf der BH abholen", so Polizeisprecher Rainer Fitz. Der Mann habe sich ruhig verhalten und sei unbewaffnet gewesen. Zum Ermittlungsstand in dem Fall wollte sich die Polizei am Vormittag vorerst nicht äußern. "Wir informieren, wenn es etwas Neues gibt", erklärte Fitz. Man sei intensiv mit den Erhebungen beschäftigt.

Die Staatsanwaltschaft Feldkirch hat laut Angaben von Sprecher Heinz Rusch inzwischen einen Antrag auf Untersuchungshaft für den 34-jährigen Tatverdächtigen gestellt. Man gehe davon aus, dass noch am Freitag über den Antrag entschieden werde, so Rusch zu Mittag.

"Kaltblütiger Mord"

Die Ermittler gehen bei der Tat von einem "kaltblütigen Mord" aus. Auch in oberösterreichischen Bezirkshauptmannschaften kommt es immer wieder zu kritischen Situationen. Bei Kontrollen wurden 3500 Stichwaffen sichergestellt. Mehr dazu lesen Sie hier. Der 34-jährige Tatverdächtige hat den 49-jährigen Leiter der Sozialabteilung der BH Dornbirn offenbar wegen noch nicht erfolgter Grundversorgungszahlungen erstochen. "Der Mann wollte Grundversorgung", stellte Bezirkshauptmann Helgar Wurzer bei der Pressekonferenz am Donnerstag klar. Deswegen war der 34-Jährige am 23. Jänner, am Freitag vergangener Woche und am Mittwoch vorstellig geworden.

Am 23. Jänner habe man dem 34-Jährigen erklärt, dass er die Grundversorgung in der Wohnortgemeinde beantragen müsse. Anschließend würden die Unterlagen an die Bezirkshauptmannschaft übermittelt. Am Freitag vergangener Woche sei der Mann erneut an der BH aufgetaucht, bereits damals war er laut Wurzer "ziemlich aggressiv" und habe gefragt: "Wo ist das Geld?"

Da die Unterlagen aus Lustenau noch nicht eingetroffen waren, musste der 34-Jähriger unverrichteter Dinge abziehen. Am Mittwoch schließlich sei der Mann direkt in das Büro des Sozialamtsleiters vorgedrungen und habe wieder nach dem Geld verlangt. Dabei sei dem 34-Jährigen zugesichert worden, dass die Angelegenheit noch am selben Tag - also am Mittwoch - erledigt werde. Daraufhin verließ der wieder renitent auftretende Mann die BH, um nur eine halbe Stunde später mit einem Küchenmesser zurückzukommen und die Bluttat zu begehen.

Video: Die tödliche Messerattacke auf einen Beamten der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn wird von der Polizei als Mord eingestuft. Der Verdächtige habe in seiner ersten Einvernahme "keinerlei Reue" gezeigt, heißt es bei einer Pressekonferenz.

 

"Schnelles Handeln zum Schutz der Bevölkerung nötig"

Das laufende Asylverfahren im Fall des 34-jährigen Türken, der am Mittwoch den Sozialamtsleiter der BH Dornbirn getötet haben soll, ist nach Auffassung des Vorarlberger Sicherheitslandesrats Christian Gantner rasch zu beenden. "Ein schnelles Handeln ist zum Schutz der Bevölkerung notwendig", betonte er in einer Aussendung. Die Strafbehörden ersuchte er, mit aller Härte des Gesetzes vorzugehen.

"Es gibt null Toleranz für solche Gewalttaten", stellte der Landesrat fest. An Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) wandte er sich mit dem Anliegen, "eine rasche Beendigung des Aufenthaltsrechts dieses Gewalttäters zu prüfen und dessen Ausweisung zu veranlassen". Wer in Vorarlberg und Österreich leben wolle, müsse sich an die hiesige Werte- und Rechtsordnung halten. "Vor allem Gewalt ist in keiner Form zu dulden. Wer das nicht einsehen will und massiv dagegen verstößt, für den ist hier kein Platz", so Gantner.

Wie zuvor Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) sah es auch Gantner als "höchst problematisch" an, dass eine amtsbekannte Person mit Aufenthaltsverbot bis zum Ausgang des Asylverfahrens auf freiem Fuß belassen werde. Daher gelte es auf Bundesebene im Rahmen der Vorgaben der Genfer Flüchtlingskonvention und der Europäischen Menschenrechtskonvention die rechtlichen Voraussetzungen für eine diesbezügliche Änderung zu schaffen.

Video: BH-Mitarbeitern wurde psychologische Betreuung angeboten

"Uns geht es schlecht"

"Wir stehen alle unter Schock", sagte dazu Wurzer. Das tragische Ereignis beschäftige alle Mitarbeiter der BH Dornbirn, speziell natürlich jene, die den 49-Jährigen gut kannten bzw. jene, die die Tat in unmittelbarer Nähe miterlebten. "Wir sind sehr froh, dass Polizei, Notarzt und Rettung sofort da waren", bedankte sich Wurzer. Das Kriseninterventionsteam stand und steht allen BH-Mitarbeitern zur Verfügung, außerdem bot das Land zusätzliche psychologische Betreuung an. "Uns geht es schlecht", so Wurzer, der noch am Mittwochabend die Lebensgefährtin des 49-Jährigen besuchte. In Absprache mit Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) blieb die BH Dornbirn am Donnerstag geschlossen. "Wir müssen nun einen Schritt nach dem anderen machen und sehen, wie wir mit der Situation umgehen", sagte Wurzer.

Auch in Oberösterreich ist die Erschütterung groß. Im Büro von Landeshauptmann Thomas Stelzer (VP) verwies man gegenüber den OÖNachrichten auf die hohen Sicherheitsstandards durch Sicherheitsschleusen und Röntgengeräte. Gerade in der Grundversorgung gebe es aber immer wieder "Vorfälle".

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Artikel nachrichten.at/apa 08. Februar 2019 - 12:30 Uhr
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