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Lkw-Abbiegeassistenten: Diskussion über Fuhrpark-Aufrüstung

WIEN. Die nach dem Unfalltod eines Neunjährigen in Wien ausgelöste Debatte über Lkw-Abbiegeassistenten hat bereits zu konkreten Maßnahmen geführt.

Neben Wien will auch Klagenfurt entsprechende Geräte testen. Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) forderte in einer Aussendung am Dienstag die Nachrüstung des gesamten öffentlichen Lkw-Fuhrparks mit Abbiegeassistenten.

Weitere Städte sollen dem Beispiel Wiens und Klagenfurts folgen, forderte der VCÖ. "Ziel muss sein, dass bereits heuer alle Lkw der öffentlichen Hand mit Assistenzsystemen ausgestattet sind", sagte VCÖ-Experte Markus Gansterer in einer Aussendung am Dienstag. Eine von Eltern initiierte Petition für die verpflichtende Ausstattung mit derartigen Systemen, um die Gefahr des Toten Winkels zu minimieren, hat bis Dienstagnachmittag bereits knapp 46.000 Unterstützer gefunden.

Beim Österreichischen Bundesheer sind "weit über 1000 Lkw über 3,5 Tonnen" im Einsatz, sagte Pressesprecher Michael Bauer. Die "Causa Abbiegeassistenten" werde gerade beurteilt, Fachleute würden prüfen, ob eine Nachrüstung möglich ist. Bauer wies allerdings daraufhin, dass im Heereskraftfahrdienst Lkw immer zu zweit gefahren werden, also Fahrer mit Beifahrer. Dadurch gebe es beim Bundesheer auch automatisch bereits eine "andere Sensibilisierung".

Bei der Österreichischen Post sind im Eigenfuhrpark 140 Lkw über 3,5 Tonnen im Einsatz. Die Fahrzeuge seien sehr modern und bereits mit vielen Assistenzsystemen ausgerüstet, sagte Pressesprecher David Weichselbaum. Abbiegeassistenten gibt es noch keine. "Hier haben wir mit den Herstellern bereits Kontakt aufgenommen, wir prüfen, was sich bei vorhandenen Lkw nachrüsten lässt", sagte Weichselbraun.

Seitens der ÖBB hieß es, dass etwa die Rail Cargo Austria AG über keine eigenen Lkw verfügt, sondern dass Fahrzeuge von Speditionen im Einsatz sind. In der ÖBB-Infrastruktur gibt es 47 Lkw über 7,5 Tonnen, davon 16 in Wien. Abbiegeassistenten sei man "prinzipiell positiv gegenüber eingestellt", sagte Sprecherin Juliane Pamme der APA. Jedoch will die Bahn abwarten, was auf politischer Ebene entschieden wird. Bei den ÖBB Postbussen seien Abbiegeassistenten kein Thema. Dies würde allein deshalb schon nicht funktionieren, weil sich im Haltestellenbereich ohnedies Personen beim Ein- und Aussteigen im toten Winkel befinden.

Forderung: Auch private Unternehmen sollen nachrüsten

Der VCÖ forderte, dass auch für Lkw privater Unternehmen eine verpflichtende Nachrüstung rasch beschlossen wird. Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) hat für kommenden Dienstag einen Lkw-Sicherheitsgipfel angekündigt, dieser wird vom VCÖ begrüßt. Die EU plant den verpflichtenden Einbau von Abbiegeassistenten für neue Lkw für das Jahr 2024. "Es ist völlig unverständlich, dass in einer Zeit, in der selbstfahrende Autos getestet werden, ein vergleichsweise banales technisches System erst in einigen Jahren vorgeschrieben wird. Diese lange Übergangsfrist ist fahrlässig", kritisierte Gansterer.

Eine weitere Maßnahme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit sei, Halte- und Parkverbote vor Schutzwegen von fünf auf zehn Meter auszuweiten, um diese übersichtlicher zu gestalten. "Damit wird die Sicht auf Fußgängerinnen und Fußgänger, insbesondere auf kleinere Kinder, deutlich verbessert und damit ihre Sicherheit erhöht", erläuterte Gansterer.

Auch Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl bekundete ihre Unterstützung für die Petition. Für mehr Sicherheit bedürfe es aber weiterer Maßnahmen. Auch etwa 10.000 Busse bräuchten die Abbiegeassistenten, forderte Anderl in einer Aussendung. "Mehr Sicherheit auf den Straßen gibt es nur, wenn alle Fahrzeuge, nicht nur die in Österreich gemeldeten, mit Abbiegeassistenten ausgestattet werden", meinte Anderl. Zudem forderte sie weniger Zeitdruck für Lkw-Lenker. "Wer unter extremen Zeitdruck von A nach B muss, fährt unsicherer. Hier müssen wir ansetzen", forderte die AK-Präsidentin.

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Artikel nachrichten.at/apa 12. Februar 2019 - 21:32 Uhr
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