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Ehefrau erstochen: Verdächtiger verhielt sich seit Monaten auffällig

AMSTETTEN. 30 Anzeigen wegen Störung der öffentlichen Ordnung allein im vergangenen halben Jahr.

Ehefrau erstochen: Verdächtiger verhielt sich seit Monaten auffällig

Der Tatort des Mordes im Amstettner Stadtteil Greinsfurth. Bild: Kovacs

Als am Dienstagnachmittag im Amstettner Stadtteil Greinsfurth Mordalarm gegeben wurde, eilte Ortsvorsteher Bernhard Wagner, von Beruf Polizist, zum Tatort. Er sah gerade noch, wie sich der 37-jährige Dogan S. widerstandslos von der Cobra festnehmen ließ. "Für die Leute in der Nachbarschaft ist das Ganze ein schwerer Schock. Am meisten tun einem bei der tragischen Geschichte die Kinder leid."

Wie berichtet war die vierfache Mutter Aurelia Sch. (40) von ihrem Ehemann S., einem türkischstämmigen Österreicher, laut Obduktionsergebnis "mit 37 bis 38 Messerstichen" ermordet worden. Die 15 Monate alte Tochter sowie die beiden fünf- und neunjährigen Söhne mussten den Mord an ihrer Mutter mitansehen – der 18-jährige Sohn war schon vor Jahren ausgezogen.

Täter saß zuvor in Psychiatrie

Der mutmaßliche Täter war vor dem Mord in psychiatrischer Behandlung. "Aus religiösem Eifer für den Islam riss er im LKH Amstetten ein Kreuz von der Wand. Er wurde dann in die Psychiatrie der Landesnervenklinik Mauer gebracht und stationär betreut, aber nach einigen Tagen wieder entlassen", sagt Wagner. Das bestätigte auch Amstettens Bürgermeisterin Ursula Puchebner den OÖN.

Jahrelang lebte der in Hall in Tirol geborene 37-Jährige völlig unauffällig mit seiner Familie in Amstetten. Doch seit dem Sommer hatten sich bei der Polizei mehr als 30 Anzeigen wegen Störung der öffentlichen Ordnung gegen den aufdringlichen Missionar aufgetürmt. Mit "Schütt das weg!" und "Unterlasst die Schandtaten!" hatte der Mann in Bars, im Kino und am Christkindlmarkt wahllos Menschen aufgefordert, keinen Alkohol zu trinken und zum Islam überzutreten. Wo sich der stets in Schwarz gekleidete S. radikalisiert haben könnte, ist Ortsvorsteher Wagner ein Rätsel. Die einzige Moschee in Amstetten wird vom türkischen Kulturverein ATIB betrieben, der als konservativ, aber nicht radikal gilt. "Möglicherweise hat er sich über das Internet dieses radikale Verhalten angeeignet", sagt Wagner. Eine terroristisch motivierte Tat schloss Karl Wurzer von der St. Pöltner Staatsanwaltschaft aus.

Im Oktober wurde S. von einem Gericht wegen Sachbeschädigung verurteilt. Außerdem kontaktierten Schul-Sozialarbeiter das Jugendamt, das bei mehreren Überprüfungen keine Gefährdung des Kindeswohls feststellte. "Wir haben die Auffälligkeiten von S. auch mit der Bundespolizei besprochen", sagt Puchebner. Die Stadtpolizei hat dann das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung eingeschaltet. "Der Mann hat genau gewusst, wie weit er gehen kann, um nicht festgenommen zu werden", sagt die Stadtchefin. Wagner bestätigt: "S. hat nie jemanden bedroht, er war bloß lästig." Aber niemand habe damit gerechnet, dass er so ausrastet.

Das Mordopfer Aurelia Sch., das zum Islam konvertiert war, trug stets einen Niqab-Schleier. Seit im Oktober 2017 das Verschleierungsverbot in Kraft trat, sah man die Niederösterreicherin kaum noch auf der Straße. Ihre drei minderjährigen Kinder werden nun durch die Kinder- und Jugendhilfe bei Verwandten betreut. 

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Artikel (rela/feh) 10. Januar 2019 - 00:04 Uhr
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