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Tornado südlich von Wien entstand aus Superzelle

SCHWECHAT. Schwechat (Bezirk Bruck a.d. Leitha) ist am frühen Montagabend ein Unwetter-Hotspot in Niederösterreich gewesen. Für Aufsehen sorgte dort ein Tornado – Wirbelstürme sind aber gar kein seltenes Schauspiel in Österreich.

Bild: Facebook

Tornados sind in Österreich gar nicht so selten: Von 1951 bis 2010 wurden geschätzt rund 100 Tornados in Österreich registriert. Am Montagnachmittag war es in der Schwechater Gegend wieder einmal soweit. Eine Windsäule entstand und legte laut Experten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) eine zumindest einen Kilometer lange Schadenspur, vor allem durch Getreidefelder.

Tornado entstand aus Superzelle

Auslöser für den Wirbelsturm war eine sogenannte Superzelle, besonders starke Gewitterzellen, die nur unter bestimmten Bedingungen entstehen. Eine solche zog am Nachmittag aus dem Wienerwald entlang der südlichen Wiener Stadtgrenze bei den Bezirken Liesing, Favoriten und Simmering und sorgte auch für größere Hagelniederschläge.

Wie Hagel entsteht, können Sie hier sehen:

 

Rainer Kaltenberger und Georg Pistotnik von der ZAMG untersuchten am Dienstag die Spur des Tornados. Superzellen sind Gewittertürme mit vertikaler Rotation. Personen mit entsprechender Vorkenntnis könnten das sogar mit freiem Auge erkennen. Sie entstehen demnach, wenn unterschiedliche Windrichtungen und Stärken in unterschiedlichen Höhen zusammenkommen, erläuterte Kaltenberger.

Im Fall der Superzelle vom Montag gab es bei St. Pölten Westwind, während im Wiener Raum der Wind aus östlicher Richtung blies. Diese Luftmassen prallten aufeinander und ließen so die Superzelle entstehen. "Ein Tornado erfordert immer eine Superzelle", sagte Kaltenberger.

Tornados sind Wirbelstürme, die bei großen Temperaturunterschieden entstehen. Sie haben die Gestalt eines rotierenden Schlauchs, der von einer Regenwolke bis zum Erdboden reicht. Trotz ihres relativ geringen Umfangs verfügen sie aufgrund der Rotationsgeschwindigkeit über die stärkste Energie aller Wirbelstürme. Die Windgeschwindigkeit innerhalb des Wirbels mit einem Durchmesser von einigen Dutzend bis zu wenigen 100 Metern kann in Extremfällen bis zu 500 km/h betragen. Schon nach relativ kurzer Zeit verschwinden die Wirbel wieder, können aber innerhalb ihrer kurzen Lebensdauer bis zu etwa 30 Kilometer weit ziehen.

Superzellen werden laut Pistotnik in Österreich nicht systematisch registriert. Seinen Schätzungen zufolge werden höchstens zehn Prozent der Gewitter in Österreich "oder weniger" zu Superzellen. "An den meisten Gewittertagen gibt es keine einzige", sagte Pistotnik.

Tornado über Flughafen Schwechat

Ein heftiges Gewitter mit Hagelschauern zog Montagnachmittag über den Flughafen Schwechat. Durch den starken Wind entwickelte sich ein Tornado. Schäden gab es laut Flughafen aber nicht, es kam nur zu einzelnen Flugverzögerungen.

„Die umliegenden Gemeinden sind mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Steffen Dietz, Meteorologe bei Ubimet. Der Tornado soll ersten Schätzungen zufolge eine Geschwindigkeit bis zu 180 km/h erreicht haben. Laut Dietz zog der Tornado nur über dünn besiedeltes Gebiet. Andernfalls hätte es jedenfalls abgedeckte Dächer oder umgerissene Bäume gegeben, so der Experte. 

54.701 Blitze in Österreich

Das Blitzortungssystem von UBIMET registrierte am Montag in ganz Österreich 54.701 Blitze, davon 24.414 in Niederösterreich und 3.715 in Wien. In Wien waren das annähernd so viele Blitze wie in den vergangenen drei Jahren zusammen. Am Abend entluden sich dann auch in Vorarlberg und Tirol kräftige Gewitter, in Vorarlberg blitzte es noch 888 und in Tirol 8.015 mal.

„Tornados kommen im Flachland Ostösterreichs sowie im Südosten der Steiermark immer wieder vor“, sagt UBIMET-Chefmeteorologe Manfred Spatzierer. „Meist sind sie aber nur kurzlebig, deutlich schwächer ausgeprägt als in den USA und lösen sich rasch wieder auf.“ In den vergangenen Jahren wurden in Österreich bis zu fünf Tornados pro Jahr registriert.

Bislang größtes Hagelkorn in Österreich rund 8 Zentimeter

Wie häufig bei derart starken Gewitterzellen kam es auch zu großem Hagel: Im Raum Schwechat erreichten die Geschosse bis zu 5,5 Zentimeter Größe. So großer Hagel kann sich nur in sehr hochreichenden Gewittern bilden, in denen sehr starke Auf- und Abwinde herrschen. „Die gestrige Gewitterzelle war dafür nahezu ideal“, so Spatzierer. „Sie hatte eine Höhe von knapp 15 Kilometer und fand in der energiereichen, labilen Luft perfekte Bedingungen vor.“

In Österreich sind solch große Hagelschloßen eher selten und betreffen meist den Südosten der Steiermark und das Südburgenland sowie die Bereiche vom Tiroler Unterland bis in den Flachgau und nach Oberösterreich. Im Flachgau richteten am 23. Juli 2009 Hagelkörner in der Größe von 8 Zentimetern Millionenschäden an. Das waren zugleich die größten Hagelkörner, die in Österreich bislang beobachtet wurden. 

15 Millionen Euro Agrar-Schäden

Die schweren Unwetter mit Hagel und einem Tornado haben heute Montag laut der Österreichischen Hagelversicherung Schäden in Höhe von 15 Millionen Euro in der Landwirtschaft verursacht. Betroffen waren das südliche Wien und das angrenzende Niederösterreich, wie die Hagelversicherung am Montagabend in einer Aussendung mitteilte.

Auf einer landwirtschaftlichen Fläche von rund 10.000 Hektar wurden Acker-, Obst-, Wein- und Gemüsekulturen sowie Glashäuser durch die bis zu 5,5 cm großen Hagelkörner schwer in Mitleidenschaft gezogen. Betroffen waren insbesondere der 23. Bezirk in Wien sowie die Bezirke Gänserndorf, Bruck an der Leitha, Mödling und Sankt Pölten/Land.

"Die Landwirtschaft ist durch den Klimawandel massiv betroffen. Der Gesamtschaden aufgrund des heutigen Unwetters beträgt rund 15 Millionen Euro", so der Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Hagelversicherung, Kurt Weinberger. Rasche Hilfe habe oberste Priorität. Die Sachverständigen hätten bereits am Abend mit den Erhebungen begonnen. Betroffene Landwirte können ihre Schäden online unter www.hagel.at melden.

Dies sei der zweithöchste Schaden bei einem Unwetter in Österreich, seit dem Unwetter am 23. Juli 2009, sagte der Sprecher der Hagelversicherung zur APA. Damals war ein Gesamtschaden von 20 Mio. Euro in der Landwirtschaft verursacht worden.

Großalarm im Bezirk Gänserndorf

Der Himmel hatte am späten Nachmittag seine Schleusen geöffnet und mehrere Ortschaften teilweise bis zu einen Meter unter Wasser gesetzt, teilte Feuerwehrsprecher Franz Resperger mit. Es wurde Großalarm ausgelöst.

39 Feuerwehren mit fast 500 Mann standen stundenlang im Einsatz. Überflutete Ortsteile mussten abgepumpt, überschwemmte Keller trockengelegt und Dutzende umgestürzte Bäume beseitigt werden. "Die Aufräumungsarbeiten werden vermutlich auch noch den ganzen Dienstag andauern", sagte Resperger.

Am stärksten betroffen waren Auersthal, Raggendorf, Mühlleiten, Rutzendorf, Oberhausen, Wittau, Obersiebenbrunn, Untersiebenbrunn und Leopoldsdorf im Marchfelde. Das Wasser stand dem Sprecher zufolge teils hüfthoch und musste von insgesamt drei Großpumpen des NÖ Landesfeuerwehrverbandes abgepumpt werden.

Die B3 in Oberhausen musste wegen Überflutung ebenso gesperrt werden wie die Straße zwischen Franzendorf und Rutzendorf. In diesem Bereich wurden von der Feuerwehr mehrere Unterwasserpumpen eingesetzt. Dutzende Notrufe betrafen zudem umgestürzte Bäume und geknickte Strommasten, die teilweise auf Hausdächern landeten und diese auch beschädigten. "Die Regenmengen waren derartig gewaltig, dass auch Äcker massiv in Mitleidenschaft gezogen wurden und der abgeschwemmte Schlamm mehrere Straßenzüge blockierte", berichtete Resperger.

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Artikel nachrichten.at/apa 11. Juli 2017 - 13:39 Uhr
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