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Nicola Spieß: Vergewaltigung und Übergriffe im Skisport

Die ehemalige Weltcupläuferin Nicola Werdenigg zeichnet ein erschütterndes Sittenbild aus dem Skirennsport der 1970er Jahre.

Nicola Spieß Bild: privat

Die „#meetoo“-Debatte zieht jetzt auch Spuren auf den Skipisten. Die ehemalige Weltcup-Läuferin Nicola Werdenigg, die in den 1970er Jahren als Nicola Spieß im ÖSV-Kader fuhr, hat in einem Interview mit dem Standard Erinnerungen an eine Zeit öffentlich gemacht, die keine gute gewesen ist. Das Sittenbild, das die 59-jährige Tirolerin zeichnet, ist erschütternd. Sie spricht über eine Vergewaltigung, sexuelle Übergriffe und einen pädophilen Heimleiter „im scheußlichsten Skiinternat, das man sich nur vorstellen kann“.

Werdenigg erinnert sich an zahlreiche Fälle des Machtmissbrauchs und Übergriffen von Trainern, Betreuern oder Kollegen. Wer nicht mitspielen wollte, habe seinen Startplatz riskiert. Bei ihrem Weltcup-Debüt mit 15 sei der Skizirkus „sexuell irrsinnig freizügig“ gewesen. „Jeder hat mit jedem Affären gehabt.“ Die Vergewaltigung sei ein Jahr später geschehen. Zwei Männer hätten Werdenigg unter Alkohol gesetzt, ein Teamkollege habe sie dann vergewaltigt. Werdenigg: „Das hat mich jahrelang gedrückt. Ich habe mit niemandem darüber gesprochen, weil ich mich so geschämt habe.“

„Nachfüllen und Ausleeren“

Weiters erinnert sich die Tirolerin, die 1981 ihre Karriere beendete, später eine Skischule betrieb und inzwischen in Wien lebt, an schwere Essstörungen, unter denen sie wie einige andere Fahrerinnen litt. Zehn Jahre lang habe sie „durch ein wildes Nachfüllen und Ausleeren meinen jugendlichen Körper geschunden“. Das vom ÖSV geführte Skigymnasium in Stams nimmt Werdenigg in ihren Erinnerungen in Schutz. Dieses sei ein Refugium gewesen, in dem sie nie etwas Verdächtiges erlebt habe. Warum sie das Erlebte nicht unter „Schnee von gestern“ einordnet, sondern jetzt an die Öffentlichkeit geht, begründet sie so: „Ich möchte jungen Menschen Kraft geben, sich im Fall der Fälle mitzuteilen.“

„Da bin ich jetzt baff“

Alois Bumberger, der als höchst erfolgreicher ÖSV-Damencheftrainer Ende der 1970er Jahre Werdenigg in seinem Kader hatte, zeigte sich gestern von den Vorwürfen seiner ehemaligen Läuferin überrascht. „Da bin ich jetzt baff. Bei mir in der Mannschaft hat es so etwas nicht gegeben.“ Er hätte von sexuellen Übergriffen nichts mitbekommen, es habe sich auch keine Läuferin in so einer Sache einmal zu Wort gemeldet. Bumberger: „Damals war auch Annemarie Moser-Pröll in meinem Team, die hätte sicher etwas gesagt, wenn ihr etwas aufgefallen wäre.“

Zu Werdenigg, die damals Nicola Spieß hieß, habe er ein gutes Verhältnis gehabt. „Sie war eher etwas ruhig und zurückhaltend, und ich hatte das Gefühl, dass ihr der Skisport nicht das Allerwichtigste gewesen ist.“ Ihre Erinnerung an eine wilde Zeit möchte der Haibacher aber nicht relativieren. Bumberger: „Auch wenn ich überrascht bin, da wird sicher schon etwas dahinterstehen. Mir ist es auch bewusst, dass sich damals die Frauen oft viel gefallen ließen und sich nicht getraut haben, etwas zu sagen.“ (chz)

Ski-Familie mit oberösterreichischen Wurzeln

Der Skisport wurde Nicola Werdenigg (59) in die Wiege gelegt. Ihr Mutter Erika „Riki“ Mahringer aus Linz war nach dem Zweiten Weltkrieg eine erfolgreiche Skisportlerin und gewann zwei Bronzemedaillen bei Olympischen Spielen (1948/St. Moritz) und zusätzlich zwei Silbermedaillen bei Weltmeisterschaften (1950/Aspen). Ihr Vater Ernst Spieß war Rennleiter bei den Olympischen Spielen 1964 und 1976 in Innsbruck.

Mit 15 wurde Nicola Werdenigg in den ÖSV-Kader aufgenommen. Sie holte im Weltcup vier Podest-Plätze und verpasste als Vierte der Olympia-Abfahrt 1976 in Innsbruck knapp eine Medaille. Auch ihr Bruder Uli Spieß fuhr erfolgreich im Weltcup und gewann zwei Abfahrten.

Werdenigg gründete nach dem Karriereende (1981) eine Skischule. Im Oktober kandidierte sie bei der Nationalratswahl auf der Liste Pilz.

 

 

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Artikel nachrichten.at 20. November 2017 - 10:12 Uhr
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