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Leiter des Kampusch-Ausschusses zweifelt an Einzeltäter-Theorie

WIEN. „Aus meiner Sicht ist eine Einzeltätertheorie nur schwer aufrechtzuerhalten“, sagt der Nationalratsabgeordnete Werner Amon (ÖVP), Obmann des ständigen Unterausschusses, der den Fall der Entführung von Natascha Kampusch neuerlich – im Geheimen – überprüft.

Leiter des Kampusch-Ausschusses zweifelt an Einzeltäter-Theorie

Werner Amon Bild: apa

Im Schatten des U-Ausschusses, der die aktuellen Korruptionsaffären beleuchten soll, tagt im Parlament seit Anfang Jänner ein nicht minder spannender Unterausschuss zur „Causa Kampusch“. Dieser Ausschuss soll noch einmal das Handeln der Polizei prüfen, nachdem die Innsbrucker Justiz Ende des Vorjahres wie berichtet ein umfassendes Amtsmissbrauchs-Verfahren gegen fünf Staatsanwälte einstellte.

Das Justizministerium übermittelte dazu dem ständigen Unterausschuss des Innenausschusses, in dem 16 Vertreter aller fünf Parlamentsparteien vertreten sind, sämtliche Akten auf insgesamt fünf DVD-Datenträgern. „Zum ersten Mal liegen uns sämtliche Kampusch-Akten sowie alle Bild- und Tondokumente vor“, zitiert das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ den Vorsitzenden des Ausschusses Werner Amon.

Demnach zeigen Fotos vom angeblichen Suizid des Entführers Wolfgang Priklopil – er soll sich am Tag der Flucht von Kampusch am 23. August 2006 vor einen Zug geworfen haben – einen nahezu unversehrten Körper mit abgetrenntem Kopf. Laut Experten hätte die Leiche aber zerfetzt sein müssen, wäre sie tatsächlich von einem Zug erfasst worden, schreibt der „Spiegel“. Außerdem sei der ÖBB-Mitarbeiter, der den Leichnam entdeckt hatte, nie näher dazu befragt worden.

„Aus meiner Sicht ist eine Einzeltätertheorie nur schwer aufrechtzuerhalten“, sagt Amon. Ende März soll es einen schriftlichen Abschlussbericht über die Beurteilung des Falles geben, dieser wird wegen der geltenden Geheimhaltungspflicht aber nicht veröffentlicht. Amon sagt, es gebe drei Möglichkeiten: Entweder das Gremium befinde, der Fall sei von den Behörden korrekt aufgearbeitet worden, oder es gebe die Empfehlung des Unterausschusses, einen eigenen U-Ausschuss zu der Causa einzurichten; oder es werde eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft für neue Ermittlungen eingebracht, sagt Amon.

Er sei zwar kein Anhänger von Verschwörungstheorien. „Doch es gibt ein dickes Dossier über unterlassene Ermittlungsschritte. Die volle Wahrheit muss nun ans Licht“, sagt der Ausschuss-Obmann. Natascha Kampusch war 1998 entführt worden und acht Jahre lang verschwunden, ehe ihr die Flucht aus Strasshof an der Nordbahn gelang.

 

Verschwiegenheit im „Geheim-Ausschuss“

Die Ungereimtheiten rund um die Entführung von Natascha Kampusch werden derzeit im sogenannten ständigen Unterausschuss des Innenausschusses überprüft. Dabei handelt es sich nicht um einen eigens installierten Untersuchungsausschuss, sondern um ein permanentes Gremium im Nationalrat. Der Ausschuss übernimmt die parlamentarische Kontrolle des Handelns der Polizei, des Verfassungsschutzes und der Nachrichtendienste. Die Mitglieder sind zu strenger Verschwiegenheit verpflichtet.
Der ständige Unterausschuss darf vom Innenministerium Akten anfordern und Auskunftspersonen befragen, hat aber kein Recht, Zeugen zu laden. Ausschuss-Obmann ist Werner Amon (ÖVP).

 

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Artikel 28. Februar 2012 - 00:04 Uhr
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