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Komplexitätsforscher ist Wissenschafter des Jahres

WIEN. Stefan Thurner erhält Preis für Vermittlungsarbeit zu Big Data.

Komplexitätsforscher ist Wissenschafter des Jahres

Komplexitätsforscher Stefan Thurner erklärt die großen Netzwerke. Bild: APA/ROLAND SCHLAGER

Der gebürtige Tiroler Stefan Thurner hat es sich zur Aufgabe gemacht, hinter das große Ganze zu blicken. Der habilitierte Theoretische Physiker erhielt für seine Arbeit mit komplexen Systemen nun den vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten verliehenen Preis "Wissenschafter des Jahres 2017".

Die Auszeichnung wird seit 1994 an Forscher und Forscherinnen vergeben, die es schaffen, klar und verständlich mit der breiten Öffentlichkeit über ihre Arbeit zu sprechen. Thurner gelingt dies über die Analogie zu Netzwerken: "Jedes komplexe System hat Netzwerke in sich. Die Quintessenz ist zu verstehen, wie sich diese dynamisch verhalten, auf Stress reagieren oder kollabieren. Erst wenn man weiß, wie die Bausteine miteinander in Beziehung stehen, kann man ein System verstehen."

Büro mit Aussicht

Seit 2009 hält Thurner die erste österreichische Professur für Complexity Science an der Medizinischen Universität Wien. Sein Weg dahin war alles andere als konventionell. Erstmals kam er Ende der 1990er-Jahre, während eines Aufenthalts am renommierten Santa Fe Institute in New Mexico (USA), mit der Wissenschaft komplexer Systeme in Berührung.

Nach der Promotion an der Technischen Universität Wien schloss er ein Doktoratsstudium in Finanzwissenschaft ab. Sein Interesse begründet er damit, dass die Ökonomie jeden Menschen auf der Welt beeinflusse. Der, vielleicht ehrlichere, Grund für die Wahl des Zweitstudiums ist ein anderer: schlechte Karriereaussichten für Technische Physiker. "Bevor ich, wie andere, im Keller Telefonleitungen programmieren muss, gehe ich lieber als Ökonom in ein Zimmer mit Sonne", sagt Thurner. Dieses erhielt er am Wiener AKH. Später etablierte er die Complexity Science in Österreich.

Große Datenmengen

Auch wenn das so genannte "Big Data" zu den Grundlagen der Komplexitätsforschung zählt, stellt Thurner klar: "Wir wollen diese nicht verwenden um Leute zu überwachen." Die Daten dienen vielmehr dazu, selbst verschuldete Probleme des 21. Jahrhunderts wissenschaftlich lösen zu können.

Diese Aufgabe alleine reicht dem Hobby-Klarinettisten jedoch nicht: 2016 eröffnete das von Thurner initiierte Complexity Science Hub Vienna (CSH). Hier arbeitet man an Klimawandel, Migration oder auch Fairness in demokratischen Systemen. Ziel ist die Verbesserung dieser Zustände.

Thurner hat sich der Komplexitätsforschung verschrieben, weil "man jetzt erstmalig die Möglichkeit hat, diese großen Probleme so zu verstehen, dass man Vorhersagen darüber machen kann. Wenn man das schafft, kann man sie vielleicht früher oder später managen."

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Artikel (sc) 09. Januar 2018 - 00:04 Uhr
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