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Abt Gregor Henckel Donnersmarck: Ein durchaus gewinnender Gottesmann

Abt Gregor Henckel Donnersmarck hat nun ein Buch in Dialog-Form herausgebracht. Im Gespräch mit Judith Grohmann macht er sich Gedanken über Gott und die Welt und das Paradies auf Erden.

Ein durchaus gewinnender Gottesmann

„Zwang ist kontraproduktiv. Das Prinzip meiner Führung lautet: Bevor man einmal tadelt, muss man ungefähr zehn Mal gelobt haben“. Bild: APA

Er trägt ein beeindruckendes Kreuz auf seiner breiten Brust. Gefertigt wurde es von einem Mitbruder, ein Zisterzienser, so wie er einer ist. Abt Gregor leitet das Stift Heiligenkreuz seit 1999. Geboren als Ulrich (Graf) Henckel (von) Donnersmarck ist er eine der bekannten Figuren in der römisch-katholischen Kirche Österreichs. Der Mann wirkt imposant, er versteht es, charmant zu lächeln und deutet an, auch grantig sein zu können. Er ist ein treuer Gefolgsmann des Papstes, hoch intelligent und gebildet. Leicht lässt sich Abt Gregor nicht in Verlegenheit bringen.

OÖN: Abt Gregor, wie groß sind Sie?

Abt Gregor: In der Blüte meiner Jugend maß ich 1,82 Meter, jetzt vielleicht auch noch. Damit bin ich aber deutlich kleiner als mein jälterer Bruder. Der hat es auf 2,03 Meter gebracht. Aber ist das eine ernsthafte Frage?

OÖN: Ja, denn Sie wirken nicht nur zentimetermäßig sehr präsent. An Selbstbewusstsein mangelt es Ihnen nicht.

Abt Gregor: Na ja. sagen wir so: Die Demut gehört nicht zu meinen herausragenden Talenten. Ich hoffe nicht präpotent zu sein, aber ich weiß schon was ich will.

OÖN: Sie haben Wirtschaftswissenschaften studiert, sind Diplomkaufmann und waren Manager eines internationalen Logistik-Konzerns. Dann gingen Sie ins Kloster. Warum?

Abt Gregor: Aus Solidarität zu Pap, aaußerdem wollte ich mehr für mein Gebetsleben tun. Der Dienst am Altar war für mich als Jugendlicher bereits ein ganz wichtiger Punkt im Glaubensleben. Später habe ich meine Berufung als Priester und Ordensmann gefunden. Überdies komme ich aus einer sehr christlich geprägten Familie, die sowohl einen katholischen als auch einen evangelischen Zweig hat. Jedenfalls: Das Priestertum und der Ordensstand war ein Weg, der mir geschenkt worden ist.

OÖN: Sie sehen Ihr Buch „Ora @ Labora auch als eine Art Plauderei. Darf man so über das benediktinische Leitmotiv, also „Beten und Arbeiten“ sprechen?

Abt Gregor: Warum nicht? Plaudern ist ja nicht geringschätzig gemeint. Es geht darum, die grundlegenden Fragen unseres Seins möglichst vielen Menschen nahe zu bringen. Da ist eine gewisse Leichtigkeit gefragt.

OÖN: Welchen Stellenwert hat die katholische Kirche heute?

Abt Gregor: Weltweit gesehen einen sehr großen. Aber in Europa sind wir einer Art Kirchenverfolgung ausgesetzt. Hier findet ein von den Medien unterstützter Generalangriff statt. Abgesehen davon: Ein Europa, wie wir es bis heute kennen, wird es in spätestens 200 Jahren nicht mehr geben. Die europäische Kultur geht unter. Aber um nicht missverstanden zu werden: Für mich ist das kein großes Problem. Entscheidend ist die Weitergabe des christlichen Glaubens. Die katholische Kirche hat ja auch in Zeiten der multikulturellen Durchmischung, beispielsweise in der Spätantike, eine große Ausbreitung erfahren.

OÖN: In Oberösterreichs katholischer Kirche gibt es immer wieder Auseinandersetzungen zwischen konservativen und liberal gesinnten Kreisen. Oder ist dieser Eindruck falsch?

Abt Gregor: Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat es eine globale geistige Klimaänderung gegeben. Ich halte die Trennung in sogenannte progressive und konservative Strömungen für falsch. Es gibt seit den späten 1960er-Jahren eine dialogische und eine missionarische. Beide sind wichtig und ergänzen sich zu einem sinnvollen Ganzen.

OÖN: Wie wird man vom Manager zum Priester?

Abt Gregor: So wie jeder andere Novize auch, in Heiligenkreuz haben wir derzeit sieben davon. Ein Jahr lang gilt es nach der Regel des heiligen Benedikt in der Gemeinschaft zu leben, den Rhythmus, das Atmen des Klosters zu verstehen. In dieser ersten Zeit wird nicht studiert. Dafür später umso mehr: Theologie, Moral, Dogmatik, Griechisch, Latein, Hebräisch... Mein Studium dauerte fünf Jahre. Am 1. August 1982 wurde ich zum Priester geweiht.

OÖN: Sie lächeln jetzt besonders vergnügt, warum?

Abt Gregor: Weil mich Bischof Maximilian Aichern geweiht hat. Ich schätze ihn als besonders gescheiten und freundlichen Kirchenmann. Ich bin sehr glücklich, dass er mich geweiht hat.

OÖN: Ein Stift ist auch ein Wirtschaftsbetrieb: Sind Sie deshalb ins Popgeschäft eingestiegen? Ihre CD „Chant – Music for Paradise“ hat sich mehr als eine Million Mal verkauft und wurde zu einem sensationellen Erfolg.

Abt Gregor: Nein, das hat sich zufällig ergeben, wenn es denn Zufälle in unserem Leben gibt. Wir haben das aufgenommen, was wir besonders gut können. Der Gregorianische Choral ist unser Alltag. Feierliche Gottesdienste sind Teil unseres Lebens. Überhaupt sollte Kunst ein wichtiger Bestandteil des Gottesdienstes sein. Das Requiem haben wir übrigens deshalb aufgenommen, weil kurz zuvor drei Mitbrüder verstorben sind. Da waren wir also bereits bestens geübt. Das klingt makaber, aber trifft die Sache.

OÖN: Wurden Sie mit dem CD-Verkauf reich?

Abt Gregor: Aber nein. Es gab natürlich einen netten Reinerlös, aber den haben wir ohnehin für die Kosten der Priesterausbildung benötigt. Wir betreuen 20 Pfarren, Denkmalpflege kostet sehr viel Geld und soziale Projekte wollen auch finanziert werden.

OÖN: Und der Weinbau.

Abt Gregor: Genau, der war jahrelang defizitär, jetzt betreibt unser Gut in der Nähe von Gumpoldskirchen der bekannte steirische Weinbauer Polz. Das Gut gehört übrigens bereits seit 1141 zum Stift.

OÖN: Welchen eigenen Wein trinken Sie besonders gerne?

Abt Gregor: Maßvoll St. Laurent und Weißburgunder.

Biografie

Als Spross einer alten schlesischen Adelsfamilie wurde Ulrich Henckel Donnersmarck 1943 in Breslau geboren. Er wuchs in Klagenfurt auf und studierte Welthandel in Wien. 1977 trat er nach einer Karriere als Manager eines Logistikkonzerns in das Zisterzienserkloster Heiligenkreuz ein, dessen Vorsteher er als Abt Gregor seit 1999 ist. Sein neues Buch „ora@labora“ erschien nun im Residenz Verlag, umfasst 220 Seiten und kostet 21,90 Euro.

Das Stift

Markgraf Leopold III. stiftete um 1133 das Zisterzienserkloster im südlichen Wienerwald, das von Anfang an „Santa Crux“, also „Heiligenkreuz“ genannt wurde. Eine erste Blütezeit erlebte das Stift im 12. und 13. Jahrhundert. Neben den babenbergischen Herrschern und den ungarischen Königen traten auch Adlige und Bürger als Gönner hervor. Der Konvent umfasst heute rund 70 Mönche, einen besonderen Stellenwert genießt die Pfarrseelsorge.
 

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Artikel Von Alexander Ritzinger 13. November 2010 - 00:04 Uhr
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