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Herbert Kickl: Bad Cop

Von Annette Gantner   21.Mai 2019

Bad Cop von Annette Gantner
Gerierte sich als Austro-Salvini

Kickl wollte als Minister nie Everybody’s Darling sein, sondern krallte sich die Rolle als Bad Cop. Der, der den harten Kurs der FPÖ auch in der Regierung vertritt, nicht bereit, im Koalitionsinteresse die blauen Ideale zu verraten. Als die ÖVP darauf drängte, Asylwerber, die eine Lehre in Österreich absolvieren, diese doch abschließen zu lassen, blieb Kickl gnadenlos. Gemeinnützige Arbeit von Flüchtlingen wollte er nur mit 1,50 Euro honorieren, Erstaufnahmezentren benannte er in Ausreisezentren um. Wieso er Pferde für die Polizei wollte, bleibt sein Geheimnis.

Die größte Angriffsfläche als Minister lieferte er mit der Razzia im Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung. Ein Untersuchungsausschuss wurde eingerichtet, im Raum stand, dass sich Kickl Zugang zu Daten über Rechtsextreme beschaffen wollte. Er hielt dagegen, es ginge um die Machenschaften tiefschwarzer Netzwerke. Dass internationale Geheimdienste die Kooperation mit Österreich auf Eis gelegt haben, schien ihn nicht weiter zu beschäftigen. Stattdessen versuchte er noch erfolglos, im Finale der Koalition seinen Vertrauten Peter Goldgruber zu einem der drei wichtigsten Beamten des Landes zu küren.

Der 50-Jährige spricht die freiheitlichen Zielgruppen an, weshalb er sich gerne als Austro-Salvini geriert. In der Partei geht der Kurs auf, bei FP-Veranstaltungen hat der Kärntner zweifellos die meisten Fans. Er wird deshalb auch im bevorstehenden Wahlkampf eine Schlüsselrolle spielen.

Kickl gilt als das Mastermind der Freiheitlichen. Der studierte Philosoph und Vater eines Sohnes schrieb schon für Jörg Haider fragwürdige Sager und legte über Jahre die Wahlkampflinie der Partei fest. Sebastian Kurz forderte den Abgang des streitbaren Blauen. Im Wahlkampf wird Kickl auf Rache sinnen.

 
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13. November 2019