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Menschen

Christian Pilnacek: Justitias Hausherr

Von Lucian Mayringer 16. Mai 2019 23:07 Uhr

Machtmensch Christian Pilnacek

Es ist beispiellos in der österreichischen Justizgeschichte, dass eine untergeordnete Behörde (die Korruptionsstaatsanwaltschaft) gegen ihren obersten Chef auf Beamtenebene mit einer Anzeige vorgeht.

Dass der Vorwurf des Amtsmissbrauchs Christian Pilnacek trifft, macht das singuläre Ereignis nur noch bemerkenswerter. Denn nach seinem Aufstieg zum Generalsekretär im von Josef Moser (VP) geführten Justizministerium im März 2018 steht der 56-jährige Wiener im Zenit seiner Macht.

In der Öffentlichkeit ist der stets im feinen Zwirn und mit akkuratem Haarschnitt auftretende Jurist schon seit Jahren als Sprachrohr seines Hauses bekannt, wann immer es um prominente Fälle von Buwog bis BVT ging.

Der Sohn aus bürgerlichem Haus verbrachte die längste Zeit seines bisherigen Berufslebens im Ministerium; beginnend in der Straflegislativsektion, nur unterbrochen 1998 von einem kurzen Ausflug als Richter ins Landesgericht Korneuburg. In der ÖVP bestens vernetzt und mit offenem Zugang zu einigen Freiheitlichen galt Pilnacek früh als heimlicher Hausherr im Palais Trautson. Er selbst soll hinter der unter Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (VP) geschaffenen Konstruktion einer "Super-Strafrechtssektion" gestanden sein, der Pilnacek ab 2010 vorstand.

Seither ist er als Sektionschef nicht nur für die Legistik, sondern auch für Einzelstrafsachen zuständig. Letzteres räumt ihm das Weisungsrecht über die Staatsanwaltschaften ein. Den Vorwurf, er hätte zum Beispiel in seinem Lieblingslokal, dem "Schwarzen Kameel" in der Wiener Innenstadt, mit Kollegen schon den Verlauf der einen oder anderen Polit-Affäre besprochen, weist Pilnacek stets zurück. Hinter seinen Entscheidungen stünden stets "rein sachliche Erwägungen", sagt der Vater dreier erwachsener Kinder, der in zweiter Ehe mit der Präsidentin des Grazer Straflandesgerichts verheiratet ist, in solchen Fällen. Doch diesmal ist die Lage für den stets selbstbewusst auftretenden Machtmenschen heikler. Schlimmstenfalls muss er vor Gericht den Vorwurf entkräften, zu weit gegangen zu sein.

Artikel von

Lucian Mayringer

Redakteur Innenpolitik

Lucian Mayringer
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