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Carrie Lam: Hongkongs "Eiserne Lady"

Von Heidi Riepl 18. Juni 2019 00:04 Uhr

Hongkongs "Eiserne Lady" von Heidi Riepl
Beliebt war die erste Frau an Hongkongs Spitze nie.

So schnell kann sie ihre Meinung ändern: Noch vor wenigen Tagen bezeichnete Carrie Lam die Massenproteste in Hongkong als "Aufruhr" und "eindeutig organisiert". Doch nun versucht die pekingtreue Regierungschefin, die aufgebrachten Demonstranten mit einer Entschuldigung zu beruhigen.

Sie wolle "aufrichtig und demütig" Kritik annehmen, versprach die 62-Jährige. Die Regierung habe verstanden, dass viele Menschen aus "Sorge und Liebe" zu Hongkong auf die Straße gegangen seien. Das umstrittene Gesetz zur Auslieferung mutmaßlicher Straftäter an China legt Carrie Lam aber nur auf Eis. Aufgeben will sie es nicht.

Kein Wunder also, dass die Demonstranten ihren Protest nicht aufgeben und immer lauter Lams Rücktritt einfordern. Beliebt war die erste Frau an der Spitze Hongkongs ohnehin nie. In den letzten Wochen aber ist "Hongkongs Eiserne Lady", wie sie genannt wird, regelrecht zur Hassfigur verkommen. Viele unterstellen ihr, die lange Hand Pekings zu sein.

Dabei galt die aus einfachen Verhältnissen stammende Soziologin einmal als Idealistin, die auf die Straße ging, wenn sie die Politik der damals britischen Kolonialherren als ungerecht empfand. Auch nach dem Einstieg in die Hongkonger Verwaltung eilte ihr der Ruf einer umsichtigen Beamtin voraus. Das änderte sich jedoch, als die Mutter zweier Söhne 2012 zur Nummer zwei der Regierungshierarchie aufstieg. Mit ihrer Hilfe wurde schon 2014 die oppositionelle Regenschirm-Bewegung beendet. Damit sicherte sich die Katholikin das Vertrauen Pekings und wurde drei Jahre später zur Regierungschefin ernannt. Wie sehr Lam den Bezug zum Volk verloren hatte, zeigte die sogenannte Klopapier-Affäre: Als sie in ihrer neuen Unterkunft als Regierungschefin kein Klopapier hatte, ließ sie ein paar Rollen mit dem Taxi holen, anstatt sie in einem Geschäft um die Ecke zu kaufen.

Glaubt man Insidern, sind Lams Tage an der Macht gezählt. Denn sollten die Proteste nicht bald abflauen, könnte Lam einfach zum Bauernopfer erklärt und durch eine neue Marionette Pekings ausgetauscht werden.

Artikel von

Heidi Riepl

Redakteurin Außenpolitik, Weltspiegel

Heidi Riepl
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